Die große Begeisterung der Wiener für das Heißgetränk und den Genuss von Tabak ließ schnell eine Vielzahl von Kaffeehäusern entstehen.
Das Wiener Kaffeehaus war und ist eine österreichische Institution, quasi ein Synonym für Austria. Viele große Geister aus Kultur und Politik waren Stammgäste solcher Kaffeehäuser, ersannen dort große Literatur, Bühnen- und Musikwerke sowie politische Thesen. Besonders gut gelang dies beim Genuss von Kaffeespezialitäten und einer guten Zigarre oder Pfeife. Stolz sind die Österreicher auf ihre Kaffeehaus-Tradition und auf die vielfach denkmalgeschützten Kulturstätten, in denen sie seit Generationen gelebt wird.
Damit ist jetzt wohl Schluss. Seit dem 1. Juli 2010 herrscht nun auch in Österreich ein prinzipielles Rauchverbot in Gaststätten, was viele der altehrwürdigen Kaffeehäuser in ihrer Existenz bedroht.
Grotesk, wenn man bedenkt, dass die Gründung von Kaffeehäusern im Wesentlichen den Zweck verfolgte, ein Refugium für den Kaffee- und Tabakgenuss zu bieten. Ein Rauchverbot beraubt die traditionellen Kaffeehäuser eines großen Teils ihrer Daseinsberechtigung. Denkmalschutz verbietet oft einen Umbau, sodass es nur selten möglich sein wird, separate Raucherräume einzurichten.
Der Liebhaber des blauen Dunstes müsste zum Rauchen also vor die Tür. Doch dort wird der kleine Braune zu schnell kalt und die Lektüre von Zeitungen macht bei Wind auch keine Freude.
So herrscht in vielen Kaffeehäusern neuerdings gähnende Leere, die ein Stammgast ganz pragmatisch zu erklären weiß: »Der Wiener geht INS Kaffeehaus, nicht VORS Kaffeehaus. Denn vor dem Kaffeehaus würde er Gefahr laufen, von einem aus einem oberen Stockwerk springenden Selbstmörder erschlagen zu werden.«