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10-12-05 12:37 Alter: 14 yrs

VON:CHRISTIAN KRENDL UND MATTHIAS MARTENS

32. Casa-Tasting • Romeo y Julieta Hermoso No. 2 (EL 2004)

Am 1. Dezember 2005 trafen sich im Rahmen des traditionellen Tastings des Clubs de Fumadores Berlin in der Casa del Habano Berlin dreißig Zigarrenliebhaber/innen. Diesmal stand die Veranstaltung unter der Frage: „Was sind kubanische Limitadas?“. Gelegenheit, die üblichen Gerüchte, wonach mindestens ein halbes Dutzend Händler aus Deutschland und der Schweiz für sich beanspruchen, die Limitada „erfunden“ zu haben, kritisch zu beleuchten. Während des Verkostens einer Romeo y Julieta Hermoso No. 2 aus der Edición Limitada 2004 wurde über Entstehung und Spezifikation der Edición Limitadas weiter diskutiert.



Einmal im Monat trifft sich der Club de Fumadores in der Casa Berlin zur Verkostung einer ausgesuchten Zigarre. (C) Casa Berlin

Zigarren wurden aus zwei verschiedenen Kisten geraucht. Eine Kiste aus dem Produktionsmonat April 2004, die andere vom September 2004.

Die Spiegel beider Kisten zeigten ein eher grobes, mit starken Rippen durchfurchtes Deckblatt. Die Farben waren sehr unterschiedlich, die jüngere Kiste mit einem für Limitadas sehr hellen (colorado) Deckblatt, die andere deutlich dunkler.

Ungewöhnlich für eine Halbnaturkiste, waren alle Zigarren überhaupt nicht gepresst - bei guter Rollqualität (nur eine Zigarre war nicht rauchbar).

Die orthonasale Prüfung vor dem Anzünden ergab deutlich feuchtes Holz. Zusätzlich erinnerten die Zigarren an den Geruch in einem frisch ausgemisteten Kuhstall (im positiven Sinne).

Bei den ersten Zügen entfalteten sich leicht süßliche und salzige Geschmacksnoten (mit einem pikanten Nebengeschmack), die jüngere Kiste war deutlich salziger.

Der Rauch beider Zigarren kleidete den Gaumen nur mittelmäßig aus bei recht eindimensionalem Körper. Erdnahe Aromen wie Heu und Gras waren vorherrschend. Die Rauchdynamik entwickelte sich von enttäuschendem "leicht" bis zum annehmbaren "mittel" im letzten Drittel.

Insgesamt überzeugte die Zigarre von der Quälität her, war jedoch im Geschmack nicht das Erhoffte. So bekam die Zigarre im Gesamteindruck nur eine +0,5 (auf einer Skala von +2 bis –2). Erstaunlicherweise schnitt die jüngere (September-) Kiste mit einer +1 besser ab.

Getrunken wurde ein kubanischer Rum, der 7jährige "Ron Varadero". Dieser war in seinen Aromen sehr stark und überdeckte mit seiner Süße die Zigarre. Er wäre auch besser erst nach dem Wein gereicht worden.

Besser passte der von Matthias Martens kredenzte "Small blend" von Hillinger aus dem Jahrhundertsommer 2003. Die österreichische (burgenländische) Cuvée aus internationalen und autochthonen Rebsorten des Kultwinzers Leo Hillinger überzeugte mit konzentrierter, aber eleganter Frucht. Der "Small blend" ist der Zweitwein zum sagenumwobenen "Hill 1" und eignet sich als hervorragender Alltagswein zu deftigen Speisen und, wie wir jetzt wissen, zu einer erdigen, nicht zu kräftigen Zigarre.

Nächstes Tasting im neuen Jahr 2006 findet am 5. Januar in der Casa del Habano Berlin statt.