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03-12-07 23:04 Alter: 4 yrs

VON:ARA

Abgedampft

Um es vornweg zu sagen: Die Doppelcorona von Hoyo de Monterrey ist eine meiner Lieblingszigarren. Aber diesmal wollte ich sie nicht ausschließlich genießen, sondern auch als Waffe einsetzen. Es ist mir tatsächlich gelungen, dieses Experiment.



Bild: Reiner Konly • A little bit smoke.

Denn ich ahnte wohl irgendwie, was mich auf dieser Geburtstagsparty einer Kollegin mitten im sozialen Brennpunkt Berlin-Kreuzberg und mitten auf einem Kinderbauernhof erwarten würde. Und so kam es dann auch.

An diesem Samstagabend fand ich mich plötzlich zwischen Nudelsalat, Wein aus Literflaschen, vegetarischen Buletten, Kinderstühlen und vielen Menschen in Selbstgenähtem wieder. Rundum: Das alternative Ambiente war perfekt.

Das entspricht zwar nicht meinem eigenen Stil, aber ich liebe Kontraste, solange sie für mich zeitbegrenzt sind. Ich hatte also nicht vor, allzu lange zu bleiben.

Aber wie verabschiedet man sich von solchen Parties beizeiten, ohne negativ aufzufallen? Bei diesem Publikum war es ganz einfach: Ich musste nur meine 194 Millimeter lange Hoyo anzünden und warten.

Der Kamin im großen Raum qualmte so vor sich hin, ebenso wie die Nebelanlage des Discjockeys und jeder der sehr zahlreichen zigaretterauchenden Partygäste.

Doch kaum bereicherten meine feinsten kubanischen Tabaknoten die ersten Kubikmeter Luft, schon drehten sich einige mit provokantem Blick zu mir um.

Keine zehn Minuten später wurde demonstrativ eines der großen Fenster aufgerissen. Doch weil draußen Minusgrade herrschten und ich gar nicht in Fensternähe rauchte, froren nur die Alternativen. Also ruderten die Übereifrigen wieder zurück und schlossen die Kältequelle. Kaum eine Viertelstunde später hielt es eine aus der Intolerantentruppe nicht länger aus und meinte: Also das mit der Zigarre bei dieser Party, das ginge doch nun wirklich nicht.

Zigarettenrauch? Kunstnebelschwaden? Kaminqualm? Das sei doch alles nichts gegen diese eine, in ihren Augen monströse Zigarre. Ich solle draußen weiter rauchen… Bei Frosttemperatur.

Da war sie: meine Chance, abzudampfen. Ich hatte mich ohnehin längst mit den wenigen Gästen unterhalten, die ich auf der Party kannte. Auf andere Personen dieser Gemeinschaft war ich wirklich nicht neugierig, und der Abend noch nicht zu alt. Meine Freundin Heike hieß mich dann endlich willkommen, mit einem guten Rotwein und auf eine ganze Zigarrenlänge.