Artikel-Single-View Aus der Tiefe der Jahre • Kubanische Davidoff No. 2
27-05-07 08:00 Alter: 5 yrs

VON:DAVIDH

Aus der Tiefe der Jahre • Kubanische Davidoff No. 2

Ein Mann muss vier Dinge im Leben tun ...



Davidoff No. 2 – von 1988 oder früher


Der Humidor für die Revitalisierung

Gestern Abend nun, nach einem leichten Dinner, hab ich mir endlich eine meiner fünf Davidoffs No. 2 aus Kuba gegönnt. Auf der Originalkiste ist kein BD – sie wurden demnach irgendwann zwischen 1969 und 1988 gerollt.

Eine Habano mit solch einem Boxingdate – und dann noch eine Davidoff ... Caramba!

Als ich letztes Jahr durch puren Zufall zu der 10er Kiste mit den verbliebenen fünf Puros kam, hatte ich die „Ladies“ zum „Auffrischen“ in einen kleinen Humidor gebettet. Nicht dass es zwingend notwendig gewesen wäre – die Kiste war in einem dunklen Keller gelagert, und dementsprechend gut war die Qualität der Zigarren – aber ich dachte mir, schaden wird es ihnen auch nicht.

Ich hab sie dann in der Folge in diesem Humidor gelassen, weil sie bei jedem Öffnen ein unglaublich intensives Aroma verströmten, das ich in der Originalkiste nicht annähernd so stark wahrnahm. Dieses intensive Aroma habe ich bis dato noch bei keiner Habano erlebt und es ist so unwiderstehlich, dass ich beinahe täglich daran schnuppern muss. Leicht süßlich, etwas blumig fast, mit sanftem tanninigem Hintergrund und gemeinsam mit dem unbeschreiblichen typischen Kuba-Aroma, erinnert der Duft deutlich an einen trockenen Sherry oder auch einen milden Cognac.

Mit diesen Eindrücken im Hinterkopf habe ich mich dann auf den „Big Smoke“ vorbereitet. Ich schenkte mir dazu einen zwar einfachen aber von mir heiß geliebten spanischen Veterano ein und betrachtete das Objekt meiner Begierde noch einmal ehrfurchtsvoll.

Die Zigarre, eine „Laguito No.2“ mit einer Länge von 152 mm und RM 38, hat ein seidiges, sehr feines und gleichmäßiges Colorado-Deckblatt. Sie ist fest gerollt und hat am Kopf ein kleines Zöpfchen – eine „Pareja“ in wirklich makelloser Optik. Besonders gespannt war ich aber auch auf die Haptik, denn man kennt ja die kleinen Wehwehchen, die Habanos besitzen und über die wir alle gerne mal hinweg sehen. Heute gilt die Davidoff als eine der perfektesten Zigarren überhaupt und ich habe noch bei keiner Zugprobleme oder gar Schiefbrand erlebt. Aber wie verhält sich das bei einer kubanischen Davidoff ...?

Nachdem ich die Puro nun ein letztes Mal genüsslich über die Nase gezogen habe, setze ich den Xikar fünf Millimeter unter dem Zöpfchen an, atme tief durch und schneide den Kopf mit einem kräftigen Druck ab! Der Kaltzug, oder „fumar a crudo“, wie die Kubaner sagen, bestätigt schon mal die Aromen vom Schnuppertest – leicht tanninige Süße aber auch robuste Erdigkeit, deutlich nach Sherry und etwas Kakao – wow! Gleichzeitig fällt mir die Beurteilung von Min Ron Nee ein: „nicht viel Geschmack ..., eine Zigarre die man vergessen kann...“?
Mal sehen, die Vorfreude lass ich mir auch vom Guru himself nicht nehmen ...

Also ran! Standesgemäß zünde ich sie natürlich mit einem Zedernholzstäbchen an; die Flammannahme ist schon mal außerordentlich gut!
Der erste Zug - wow, holy cow, wow! Sie legt sofort los - und das ist sogar bei Habanos selten. Nichts zu spüren von fad, grasig oder gar scharf. Voller Rauch, volles reichhaltiges Aroma von Beginn an und überraschend für mich .... unwahrscheinlich kräftig! Diese Power behält sie übrigens im ganzen Rauchverlauf. Wie auch die ständig abwechselnden Aromen von leicht süßlich bis erdig, pfeffrig. Mal schmeckt man Cognac und Sherry, mal Kakao oder Bitterschokolade, und jeder Zug ist immens gehaltvoll und von aromatischer Tiefe. Der Rauch liegt samtig und cremig im Mund und hinterlässt jedes mal eine fast berauschende Wirkung. Trotz der enormen Stärke ist sie aber niemals bissig oder scharf!

Der Veterano passt übrigens hervorragend zu diesem kubanischen Leckerbissen, aber auch einen nicht zu kräftigen Rum kann ich mir gut dazu vorstellen.

Zum Abschluss komme ich wieder auf die Haptik zurück, denn auch diesbezüglich hat Davidoff schon auf Kuba gewusst, wie man eine perfekte Zigarre rollt! Erstklassiger Zug, kreisrunder Abbrand und kein einziges Mal Nachfeuern bis zum Ende – nehmt euch ein Beispiel, ihr postrevolutionären Castro-Jünger!

Wieder fällt mir MRN ein! Also - entweder versteh ich nix von Zigarren, oder der Guru hatte einen schlechten Tag ...

Ich jedenfalls hatte eben genüssliche neunzig Minuten lang DEN perfekten Smoke!

Fazit: Ein Mann muss vier Dinge im Leben tun: ein Haus bauen, ein Kind zeugen, einen Baum pflanzen und ... eine Davidoff aus Kuba rauchen!