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12-07-06 00:01 Alter: 15 yrs

VON:GH

Bremer Tabakbörse 2006 - Teil 2/3

- Fortsetzung -



Die Vertreter Indonesiens entscheiden, wessen gebot das meiste Geld in die Kassen bringt.


Die Bremer Tabakbörse ...

Ein Angebot kann nur von oder über einen von vier Makler abgegeben werden. Jeder Händler hat daher einen Gebotsbogen von seinem Makler und trägt sein Angebot darauf ein.

Es bleibt spannend. Jeder beäugt jeden argwöhnisch. Wer geht zum Briefschlitz und gibt ein Angebot ab? Auf wie viele und welche der in diesem Tempo enthaltenen Ballen hat er wohl ein Angebot abgegeben? Sollte vielleicht schnell ein neues, höheres Angebot hinterher geschoben werden? Die Ruhe im Saal ist höchst trügerisch. Der Adrenalinspiegel eines jeden ist auf höchstem Niveau. Ein zu niedriges Gebot kann immerhin zur Folge haben, nicht den gewünschten oder überhaupt keinen Tabak zu bekommen.

Die Frist zur Abgabe eines Angebotes wird zweimal verlängert, jeweils um eine viertel Stunde. Und so kann es passieren, dass in der allerletzten Minute eine Traube von Händlern und Maklern zum Briefschlitz stürzt, um doch noch „eine gute Partie zu machen“. Daher kommt übrigens dieser Begriff.

Nach Angebotsschluss zeigt eine große rote Lampe an, dass die Vertreter Indonesiens nun ausrechnen, welches der vorliegenden Angebote das meiste Geld einbringt. Da auf unterschiedliche Ballenkombinationen geboten wird, kann dieser Rechenvorgang schon mal bis zu einer Stunde dauern, in der die Händler in höchster Anspannung zwischen den Stells auf und ab laufen, Gespräche führen, oder schon Einschätzungen für das nächste Tempo vornehmen. Die freundliche Atmosphäre bleibt jedoch. In dieser recht kleinen „Familie“ kennt fast jeder jeden. Und wer mit seinen Angeboten daneben lag, kann später per Handschlag von einem Händlerkollegen kaufen – je nach „Notlage“ allerdings zu einem deutlich höheren Preis.

Bewegung gerät in die Menge, wenn die rote Lampe erlischt. Jetzt wird bekannt gegeben, wer welche Ballen bekommen hat. Absolute Ruhe und eifriges Mitschreiben sind angesagt, wenn es z.B. heißt:“ Die vier Ballen PPN 77: Makler Perantara, Käufer Hellmering, Köhne und Co.“.
Wolfgang Köhne von Hellmering, Köhne und Co.kann in diesem Moment erst einmal aufatmen. Alle anderen müssen nun entscheiden, was sie machen. Ganz auf diese Provenienz und Qualität verzichten, andere, vergleichbare Ballen im nächsten Tempo bebieten oder zum Käufer zu gehen, um dort die benötigte Menge zu kaufen.

Wer wegen seiner Größe nur wenige Ballen benötigt, weiß jetzt, wer der neue Eigentümer ist und kann sofort seine Mengen per Handschlag kaufen. Er muss nicht warten, bis der Preis evtl. gestiegen ist.

Den Preis, zu dem der Tabak „weggegangen“ ist, erfahren die Beteiligten erst Tage später. Bis dahin bleibt der Bieter im Ungewissen darüber, ob er eventuell deutlich mehr als für den Zuschlag erforderlich geboten hat. Hat jemand mit seinem Gebot von 60 Euro pro Kilo die Ware erhalten, der darunter liegende Bieter aber nur 40 geboten, so hätte man die Ware auch für 41 statt für 60 Euro bekommen. Aber wer weiß das schon im voraus.

Natürlich sickert immer etwas durch und die jahrelange Erfahrung der Beteiligten verhindert Unterschiede von 50 Prozent und mehr. Aber spannend bleibt es dennoch, denn das, was man hört, kann wahr sein oder aber der Marktverwirrung dienen – wenn man denn darauf hereinfällt.

Ein eisener Grundsatz herrscht jedoch: Vertrag ist Vertrag – und wer sich einmal nicht daran hält, wird nie wieder Tabak auf der Bremer Tabakbörse kaufen können.

- Fortsetzung folgt -