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15-09-21 14:45 Alter: 248 days

VON:ANDREAS HILMER, HUMIDOR-KONSILIAR

El Credito aus Kuba

Im Nachklang des Habanos Day 2021 auf Schloß Bückeburg will ich dem interessierten Aficionado von einer kubanischen Puro berichten, die hierzulande eher selten gesehen ist.



Seit ca. acht Jahren habe ich einen Kredit in meinem Humidor liegen. Nein – er ist nicht verpfändet. Es ist nur der übersetzte Name der Zigarrenmarke „El Credito“. Diese Marke wird nicht über 5TH Avenue Products vertrieben. Es handelt sich um „Tobacco nacional“ – also ein Zigarrenformat, das für den kubanischen Markt produziert wird. Solche Zigarren sind auch als Peso-Stumpen bekannt.

Das Format meiner El Credito entspricht einer Petit Corona. Der Körper der Zigarre ist nicht allzu fest und das Deckblatt ist auch eher grob. Dennoch lassen sich keine Verarbeitungsmängel finden. Der Zigarrenring ist schlicht und hängt relativ locker auf der Zigarre.

Das Kaltaroma der Zigarre ist unauffällig mit Tee- und Zederaromen, die jedoch durchaus von der Lagerung mit den anderen, vergleichsweise luxuriösen Geschwistern stammen können.

Die Erwartung an den Rauchgenuss ist nicht all zu hoch. So verwundert nicht, dass sich die Zigarre in den ersten Zügen mit einer mäßigen Aromenkomplexität präsentiert. Ganz am Anfang war sogar der Geschmack einer Zigarette im Abgang wahrzunehmen – allerdings wirklich nur für die erste 2-3 Züge. Positiv ist anzumerken, dass die Zigarre entgegen der Erwartung keine grobe Schärfe entwickelte und eher mild startete.

Im ersten Drittel entwickelt sich die Zigarre. Es sind Aromen von dunkler Schokolade und gerösteten Nüssen wahrzunehmen und die Zigarre bekommt eine angenehme Stärke. Durchaus erstaunt führe ich das Experiment weiter.

Eine zunehmende Komplexität ist im zweiten Drittel nicht wahrzunehmen. Es entsteht jedoch eine gewisse Cremigkeit.

Das letzte Drittel lässt in der Zigarre eine pfeffrige Schärfe aufkommen, die am Ende nicht so angenehm ist. Das ist aber auch bei hochwertigen Zigarren meist nicht anders.

Der Zug ist über die gesamte Zigarre hinweg gut. Die Asche ist überhaupt nicht fest. Es bleibt ohnehin zu vermuten, dass es sich um einen Shortfiller handelt. Der gute Zug sowie die sehr geringe Festigkeit und Struktur der Asche sprechen dafür.

Ohne zu übertreiben kann ich sagen, dass ich die Zigarre genossen habe und sie geschmacklich auch Kuba zugeordnet hätte.

Jeder halbwegs erfahrene Zigarrenrauchen weiß, dass man auf Kuba auf der Straße keine Zigarren kaufen sollte. Aber den Weg in eine Bodega, um örtliche Marken zu erwerben, braucht man nicht scheuen. Man kann seinen Horizont dabei nur erweitern und erlebt für sehr kleines Geld vielleicht angenehme Überraschungen. Sollte es doch eine Enttäuschung sein, wird diese nicht so schmerzhaft sein.