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25-02-10 00:51 Alter: 195 days

VON:MS

Festival del Habano - Tag 2

Geduld ist die in Kuba wohl am meisten strapazierte Tugend. Dabei ist es nahezu egal, zu welchem Termin man unterwegs ist, der Zeitplan wird fast zwangsläufig gesprengt. Anders verhielt es sich auch heute nicht, beim Ausflug der Teilnehmer des Festival del Habano zu den Tabakbauern im Piñar del Rio. Einmal angekommen, konnte dann aber auch dem „Medio Tiempo“-Tabak nachgespürt werden, welcher ein Alleinstellungsmerkmal der neuen Cohiba-Behike ist.



Pancho Cuba und seine Tabakpflanzen


Sortierung der Blätter nach Qualität


Ein Blatt Media-Tiempo / Alle Bilder: Michael S.

Bei Abfahrt vom Hotel sah noch alles nach einer unproblematischen Angelegenheit aus. Die Reisebusse waren pünktlich eingetroffen und auch der Start verzögerte sich nur wenig. Spannend wurde es für die Reisegruppe dann jedoch auf der Autobahn. Fürsorglich, wie der kubanische Staat nun einmal ist, sollten ab dort nämlich alle Busse in einem von der Polizei geschützten Konvoi bis zum Ziel geleitet werden. Warum dann jedoch für über eine halbe Stunde Stillstand angesagt war, erschloss sich nicht ganz. Offiziell wartete man noch auf einen fehlenden Reisebus, ohne den die Fahrt nicht fortgesetzt werden konnte. Wie gesagt, in Kuba hat man reichlich Gelegenheit die Grenzen der eigenen Geduld auszuloten. 

Als es dann endlich weiter ging, muss sich den Einheimischen ein eindrucksvolles Bild geboten haben. Nicht weniger als 9 Reisebusse donnerten in geschlossener Formation über die Autobahn und durch die Dörfer der Region. Sämtliche anderen Fahrzeuge vom Pferdefuhrwerk bis zum altgedienten Straßenkreuzer wurden dafür von der kubanischen Polizei an den rechten Rand der Fahrbahn verwiesen oder mussten gleich ganz anhalten. Unauffälliges Reisen sieht wohl anders aus, jedoch kam man so zumindest zügig zu der Vega von Francisco Milián Díaz genannt Pancho Cuba.

Señor Díaz baut sowohl Criollo als auch Corojo Tabak an und zieht unter Baumwollplanen tausende Pflanzen, die später den großen Marken als Deckblätter dienen werden.

Besonderen Wert legt Pancho Cuba, der die Tabakaufzucht noch selbst von Eltern und Großeltern lernte, darauf, dass hier noch alle Arbeitsschritte von Hand erledigt werden. Entsprechend aufwändig ist die Aufzucht. Wie viel Tabak eine solche Vega herstellt, konnte anhand der drei großen Trockenschuppen erahnt werden, welche jedoch zum Zeitpunkt der Besichtigung leider leer standen. Der geerntete Tabak befand sich schon im regionalen Verarbeitungsbetrieb. So folgte unsere Gruppe dem Tabak und machte sich diesmal ohne Konvoi auf den Weg.

In einer Escogida lagern die Tabake der Tabakbauern und durchlaufen hier die beiden Fermentationen. Der Geruch kann dabei durchaus als animalisch beschrieben werden, entweicht dem Tabak doch während des Prozesses eine Menge Ammoniak.

Nach der ersten Fermentation sortieren in dem Betrieb etwa 30 Frauen die Blätter nach ihrer Qualität entsprechend welcher der Bauer dann auch entlohnt wird. Wie in den Räumen der Zigarrenroller fehlt dabei auch hier nicht der Platz für den Vorleser. Wenig überraschend stehen vor allem Liebesgeschichten bei den Damen hoch im Kurs.

Da unsere Gruppe von einem Spezialisten in Sachen Tabakverarbeitung begleitet wurde, ließ ich es mir auch nicht nehmen, weitere Informationen über den ominösen „Medio-Tiempo“-Tabak zu erfragen, der in den neuen Cohiba-Behike verarbeitet werden soll. Die Antwort wurde sogleich in Form eines ledrigen, sehr festen und im Vergleich zu den Ligero deutlich dickeren Blattes präsentiert.

Es handelt sich dabei um die obersten beiden Blätter der Tabakpflanze, welche bei der Aufzucht unter freiem Himmel stark der Sonne ausgesetzt sind und so auch im besonderen Maße Nikotin bilden.

Man fragt sich natürlich, was denn bisher mit diesen Blättern geschehen ist, denn diese stellen ja keine Neuzüchtung, sondern einen natürlichen Bestandteil der Pflanze dar. So ganz wollte der freundliche Kubaner jedoch hierzu nicht mit der Sprache herausrücken, erklärte dann aber doch, dass der Tabak aufgrund seiner Stärke bisher vor allem in Zigarren für den nationalen Markt Verwendung gefunden habe. Er sei im Vergleich zum normalen Ligero-Tabak nämlich so stark, dass man schon mehr als eine leichte Mahlzeit als Grundlage vor dem Genuss schaffen sollte. Allerdings kann man wohl auch vermuten, dass der „Medio-Tiempo“ manches Mal als vermeintliches Ligero-Blatt seinen Weg in die Exportzigarren gefunden haben wird.