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20-01-21 11:11 Alter: 272 days

VON:GH

H.Upmann Magnum 56 im Porzellan-Jar …

… und warum es in Deutschland etwas mehr gibt – oder aber / und auch so gut wie nichts.






Im Jahre 2015 tauchte die „Magnum 56“ erstmals als Edición Limitada auf. 150 Millimeter lang und mit einem Ringmaß von 56 – einfach eine haptische Freude.

Geschmacklich war sie ebenfalls eine Wucht. Leicht bis mittelschwer bei üppig cremigem Rauch.

Tempi passati. Also dachte sich Habanos, dass eine Neuauflage für den Zigarrenraucher attraktiv und für die eigene Kasse lukrativ sein könnte. Man konzipierte die Magnum 56 in Verbindung mit einer Keramikdose (Jar) für den Duty-Free-Markt, stellte die ersten Exemplare im Oktober 2019 auf dem Duty Free & Travel Retail Global Summit in Cannes vor … und dann kam Corona. Wenn niemand reist, kann man auch keine guten Preise für seine Produkte erzielen. Also lässt man’s und bietet das Produkt auf einem anderen Markt an.

Und so kommt nun der stationäre Zigarrenraucher an diese Zigarre – über die Casas del Habano.

Der Jar mit 20 Zigarren soll weltweit bei umgerechnet 800 bis 900 Euro kosten. Aufgrund der geringen Menge (manche sprechen von 5.000, andere von 10.00 Einheiten – die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen) strecken jetzt Hyper und Spekulanten die Köpfe heraus und wittern einen Kollateralnutzen. Allen voran Webshops, in denen bereits ein Preis von 1.350 Schweizer Franken offeriert wird. Die Ware ist selbstverständlich „Momentan nicht verfügbar“.

In Deutschland stellt sich die Situation aufgrund des Tabaksteuergesetzes etwas anders dar.

Zum einen gilt die Preisbindung. Der Importeur (5TH Avenue) muss bei der Steuerzeichenstelle in Bünde einen Preis für das Produkt benennen, an den sich alle zu halten haben.

Zum anderen hat die Obrigkeit in Gestalt der Generalzolldirektion Anfang des Jahres 2020 „… entschieden, dass bei entsprechenden Humidoren ein Verstoß gegen das Beipackverbot des § 24 Absatz 1 Satz 1 TabStG vorliegt.“ Immerhin könne solch ein Jar im Rahmen einer Zweitnutzung als Humidor verwendet werden. Und noch eine weitere Verwendungsform ermittelte man: als Urne, deren Wert weit über die gängige Verpackung hinausgeht.

Kein Importeur widersprach dem. Die Konsequenz: In Deutschland gibt es nicht nur den Jar und die Zigarren, sondern zusätzlich eine natürliche, unbehandelte Schiebedeckel-Holzkiste, in der sich die 20 Zigarren befinden.

Der Preis ändert sich dadurch nicht: 850 EUR. (650 für die Zigarren in der zusätzlichen Schiebedeckel-Holzkiste und 200 für den Jar.)

Für die Erstverkäufer (die Casas del Habano) dürfte es sich ein weiteres Mal um ein mittleres Ärgernis handeln. Mal wieder hat man nicht genug für die Nachfrage. An wen soll man verkaufen? Jeder Kunde, der nicht kaufen konnte, wird wissen, dass man „seine“ Kiste jemandem anders verkauft hat.

Andererseits: 42,50 EUR (mit Jar) oder 32,50 EUR (ohne Jar) für eine wenn auch allerbeste Zigarre? Da gibt es wahrlich Alternativen … für den Zigarrenraucher, nicht für den Sammler und Spekulanten.