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29-04-06 23:41 Alter: 15 yrs

VON:GH

Interview mit Michael Beck • CEO Villiger

„CEO“ steht als Funktionsbezeichnung auf seiner Visitenkarte. Hinweis auf die internationalen Auftritte des Michael Beck, der nun seit einem Jahr Geschäftsführer der Villiger Söhne GmbH in Waldshut-Tiengen ist. Zuvor war er Vorstand der Gilde Gruppe Hannover und baute die Marke Hasseröder auf. Nach Übernahme durch die Interbrew wurde Michael Beck die Deutschland-Verantwortung für den Konzern übertragen, er wechselte dann jedoch zu Villiger nach Waldshut.



Michael Beck


CEO Villiger


Seit einem Jahr im Amt

AoS: Herr Beck, vor Ihrem Eintritt bei Villiger waren Sie hauptsächlich im europäischen Biergeschäft tätig. Vom Alkohol zum Tabak – wo liegen die Unterschiede?

Michael Beck: Die Unterschiede sind gar nicht so groß. Auch wenn es sich etwas überheblich anhört, nach wenigen Monaten war ich in den wesentlichen Themen drin. Ich habe einmal eine Liste der Identitäten von Bier und Zigarren aufgestellt und kam immerhin auf 24 Punkte.

AoS: Können Sie uns die wesentlichen davon nennen?

Michael Beck: Da ist zum einen der Genuss. Sowohl beim Bier als auch bei der Zigarre geht es um das Thema Genuss, der im Vordergrund des Produktes steht. Bei beiden handelt es sich um Naturprodukte und beide Produkte setzen Emotionen frei, alleine schon deshalb, weil es um Genuss geht. Darüber hinaus haben sowohl das Bier als auch die Zigarre sehr ähnliche Vertriebswege, nämlich den Fachhandel, den Großhandel, den Lebensmittelhandel und – soweit es bestimmte Villiger Produkte angeht – die Tankstellen. Daraus resultiert, dass man in beiden Produktbereichen oftmals identische Gesprächspartner hat. Ebenso gleichen sich bei beiden Produkten die politischen Anfeindungen, denen sowohl das Produkt als auch die damit beschäftigten Personen und die Käufer ausgesetzt sind. Man findet sowohl bei der Zigarre als auch beim Bier im wesentlichen mittelständische Unternehmen, die am Markt auftreten und man sieht letztlich auch einen vergleichbaren Wettbewerb am Markt.
Keinerlei Identität jedoch herrscht beim Ausgangsprodukt, dem Tabak. Da werde ich sicherlich noch einige Jahre tüchtig lernen müssen, bevor ich weiß, aus welchen Tabaken man geschmackvolle Zigarren oder Zigarillos machen kann. Gott sei Dank ist das Familienunternehmen Villiger mit seiner Gründung im Jahre 1888 ja schon lange am Markt. Da gibt es genügend Mitarbeiter, die das Thema Rohtabak perfekt beherrschen. Und last but not least ist ja auch Heinrich Villiger selber noch da........

AoS: Welche Themen standen im Focus des ersten Jahres?

Michael Beck: Als erstes habe ich eine Bestandsaufnahme des Unternehmens und Marktes gemacht. Weltweit verkaufen wir ca. 500 Millionen  Zigarren und Zigarillos. 24% davon verkaufen wir in der Schweiz und stehen dort auf Platz zwei. 41% unserer Produkte gehen nach Deutschland, wo wir damit auf Platz drei stehen und 35% gehen in den Export. Insgesamt gehört unser Unternehmen zu den top ten der Branche. Beim Export stehen Frankreich und die USA zur Zeit im Mittelpunkt. In Frankreich haben wir zum 1.1.2006 die Villiger France S.A.R.L gegründet und sind in den USA eine 90%ige Beteiligung an der Villiger Stokkebye International Ltd. eingegangen.
Zum Ende des Jahres 2005 haben wir unsere 65%ige Beteiligung in Irland verkauft.
Zugleich habe ich zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine mittelfristige Unternehmensstrategie aufgestellt. Dabei ging es um die Festlegung, welche Marken strategisch wichtig für uns sind, welche gefördert werden müssen und welche als Mitläufer nicht im Mittelpunkt unserer Betrachtungen stehen werden. Diese Reduzierung auf weniger Marken ist letzten Endes aufgrund des Tabakwerbeverbotes notwendig.
Die Vertriebsorganisation wurde nach den Anforderungen des Marktes für die unterschiedlichen Vertriebskanäle ausgerichtet. 20 Mitarbeiter kümmern sich um die Absatzwege Tankstellen und Lebensmittel, 20  um den Fachhandel und 5 Personen um die Spitzengeschäfte.

AoS: Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Michael Beck: Ich sehe mich als Moderator eines Teams von engagierten und fähigen Führungskräften mit der Pflicht, Ziele und Visionen zu entwickeln, zu vermitteln und umzusetzen.

AoS: Wenn das Tabakwerbeverbot in Europa durchgängig gilt, wie werden Sie dann mit Ihren Kunden kommunizieren?

Michael Beck: Wir versuchen zusammen mit anderen Herstellern und Importeuren, die Politik davon zu überzeugen, dass ein solches Werbeverbot den Interessen der mittelständischen Unternehmen zuwider läuft. Interessanterweise ist dabei immer wieder festzustellen, dass die Politiker bei diesem Thema ausschließlich die Zigarette im Auge haben und ganz überrascht sind, wenn wir darauf hinweisen, dass der Gesetzestext so formuliert ist, dass auch Zigarren und Zigarillos betroffen sind. Letztlich müssen wir aber der Tatsache ins Auge sehen, dass das Werbeverbot kommen wird.
In diesem Falle bleiben auch uns nur die Möglichkeiten der direkten Informationsaussendung – also Direct Mailing -, der Streuwerbung und der Unterstützung von Veranstaltungen mit den Produkten von Villiger und El Mundo del Tabaco.

AoS: Welche Ziele haben Sie mittelfristig?

Michael Beck: Ich sehe ein erhebliches Wachstumspotenzial im Export, hier insbesondere in Asien.
Darüber hinaus werden wir unsere größten Märkte – Deutschland und die Schweiz -, die zugleich unsere Heimatmärkte sind, konsequent pflegen und ausbauen. Mit der umfangreichen Markenpalette von El Mundo del Tabaco sowie den bekannten Marken Villiger Kiel und dem recht jungen Produkt Curley Culebras haben wir dafür auch allerbeste Möglichkeiten.

 

Mit Michael Beck sprach Gerhard Heimsath