Artikel-Single-View
16-03-20 09:37 Alter: 19 days

VON:EGBERT WASCHULEWSKI • MULT. HAB.-EXP.

Kuba überwältigt

Egbert Waschulewski, polyglotter Habanos-Experte, ist weiterhin auf Reisen. Zur Zeit weilt er auf Kuba.

Teil 5



Egbert Waschulewski (mult. Hab.-Exp.) mit einem typischen Individualformat für Habanos-Experten.











Ich mag es mir nicht vorstellen, wie es hier aussah zu Obamas und zu Rauls Zeiten, als die Insassen von fünf, sechs Kreuzfahrtschiffen im Hafen von Havanna die Stadt eroberten. Die Altstadt war Partyzone, das stille Viñales – eine Weltwunderlandschaft – auf dem Weg zum Rummelplatz.

Viele meiner Habanos-Freunde hatten da beschlossen: muss man nicht mehr haben. Verständlich. Aber ich kann Allen versichern, von der „Partyzone“ sind nur noch wenige Hinterlassenschaften da. Kuba improvisiert wieder. Muss es auch. Bei sehr geringer Auslastung, mit sehr viel Charme, Witz und Herzlichkeit. Gleich hinter dem Zaun, der alle Touristen umgibt, wartet ein überwältigendes Land.

Kommen wir zum Wesentlichen, zur Faszination der kubanischen Zigarre. Wir haben sie alle besucht, die großen Fabricas de Tabacco in Havanna: Partagás, El Laguito und La Corona. (Seit gestern für jeden Publikumsverkehr geschlossen, auch Kuba hat’s erwischt). Für uns war es jedes Mal spannend und erkenntnisreich, wir haben mit den Rollerinnen gescherzt und die feinsten Produkte des Hauses getestet. Welch eine Sinnenfreude! Es gibt dutzende Fotos, die uns mit dem zufriedensten Gesichtsausdruck der Welt zeigen.

Höhepunkt, eindeutiger Höhepunkt der habanophilen Reise war der ganztägige Besuch der Finca von Frank Robaina. Wir waren private Gäste, wir haben uns mit Frank und José Robaina viele Stunden über Gegenwart und Zukunft der „Puro“ ausgetauscht und wir sind überzeugt, dass diese beiden auch in der künftigen Tabakwelt eine wichtige Rolle spielen werden. Wenn das Unternehmertum wieder eine Chance auf Fidels Insel erhalten wird. Dazu gibt es, auch auf Kuba, keine Alternative. Anfänge sind gemacht, die Märkte sind da, Investoren warten. Frank Robaina, zum Beispiel, sagt, dass er seine Produktion in wenigen Jahren verdoppeln kann. Selbstverständlich bei gleicher Qualität. Wenn man ihn denn ließe.

Qualität? Wir konnten sie sehen, anfassen, riechen, schmecken. So geht Premium. 90 % seiner Tabakernte holt „der Staat“ bei ihm ab. Zu festgelegten Preisen. Das deckt seine Grundkosten gerade mal ab. In normalen Jahren. Manchmal eben nicht. Er und die große Familie der Finca leben von den restlichen 10 %, die er selbst vermarkten kann. Klar, das sind die Blätter der besten Lagen. Das haben wir gelernt: wie beim Wein, das „Terroir“ spielt eine entscheidende Rolle.

Um es kurz zu machen: Wir haben in der Finca, auf den Tabakfeldern, in den Trockenschuppen und anderswo frisch gerollte Zigarren geraucht. Frisch! Etwas anderes rauchen auch die Robainas nicht. Das sind Tabakbauern, die sammeln nicht. Wir haben mehrere Formate probiert. Wir haben genossen. Wir waren uns einig: Wir hatten sie in der Hand, die besten Zigarren Kubas.