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08-02-17 08:32 Alter: 50 days

VON:HANS BOCKHOP

Puro Sabor • Zigarrenfestival in Nicaragua • Teil 1

Graue — Düsseldorf — Atlanta — Managua — Granada — Estelí und zurück.



„Cigar moments“ auf dem Puro-Sabor-Festival in Nicaragua.


Granada – Blick auf die Vulkane


VIP-Feeling: Polizeieskorte für Festivalteilnehmer


Ein Blick in den Masaya-Vulkan (alle Bilder: Hans Bockhop)

Von der Heimat Abschied nehmen vor einer großen Reise, das geschah dieses Mal bereits einen Tag zuvor. Denn der Reiseplan und der im Wintermonat Januar für viele überraschende Wintereinbruch machten es notwendig, die Reise am Montag morgen bereits vor dem Aufstehen zu beginnen.

Und so suche ich meine Buchungsunterlagen, den Reisepass, die Restdollars der letzten Reise und ein paar nützliche Accessoires bereits am Sonntag zusammen. Mein Zigarrenascher scheint mir mit seinem Schriftzug "Die ganze Welt des Tabaks" auf der goldrandverzierten, chamoisfarbenen Keramik zuzurufen: Gönn Dir noch einen maschinenpräzise gefertigtes Zigarillo aus Deutschlands Zigarrenstadt, so etwas bekommst Du in Estelí sicher nicht. Da wird er wohl recht behalten. 

Am Montag Abend beginnt bereits das offizielle Programm des sechsten nicaraguanischen Zigarrenfestivals „Puro Sabor“. Nach den ersten eher unaufwändig bis chaotisch organisierten Veranstaltungen ist dieses Festival inzwischen eine feste Größe im Terminkalender der Zigarrenwelt.

Die Ankunft in Nicaragua jedenfalls beginnt mit einem professionellen Eindruck. Während ich gemeinsam mit zwei Aficionados aus den USA und einem honduranischem Tabakbauern das erste Toña-Bier und die erste Zigarre in der VIP-Lounge genieße, kümmern sich die Festivalorganisatoren um alle Einreiseformalitäten und das Gepäck. Nach einer unterhaltsamen Busfahrt in der bereits vertrauten Runde endet die Anreise nach 26 Stunden gegen Mitternacht im Hotel.

Eine der ältesten und kolonial geprägten Städte Mittelamerikas ist Granada. Die Stadt selbst ist auf jeden Fall einen Besuch wert und zusammen mit dem Nicaragua-See und den Nationalparks mit den teilweise noch aktiven Vulkanen bereits Grund genug für eine Reise nach Nicaragua. Wir haben (nur) einen Tag dafür und meine Entscheidung fällt auf die Kaffeeplantage am Mombacho und den Blick in den Krater des Masaya-Vulkans. 

Die Führung durch die nachhaltig bewirtschaftete Kaffeeplantage erinnert mich an die Besonderheiten des honduranischen Waldkaffees: Mit einer arbeitsintensiven Bewirtschaftung, Ernte und Verarbeitung sowie der  Leidenschaft für Qualität und Genuss wird dort ein erstklassiger Kaffee hergestellt, den wir natürlich ausgiebig probieren.

Wie beeindruckend das Naturschauspiel ist, das wir am Nachmittag sehen, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Die Fahrt zum Kraterrand des Masaya ist bereits von den Lavaströmen des letzten Ausbruchs von 1772 auf beiden Seiten des Weges geprägt. Auf dem Areal Nicaraguas befinden sich 25 Vulkane, von denen acht als aktiv bezeichnet werden. Der Masaya ist nicht nur aktiv, sondern bietet von seinem Kraterrand einen Blick in die Energie aus dem Inneren der Erde: Andächtig lauschen wir einem leichten Blubbern und Summen, während unsere Augen (oder ersatzweise die Smartphone-Objektive) in den glühendroten See aus Lava starren. Unglaublich.

Während der Zigarrengenießer sich an vielen Orten der Welt bereits von der Nichtraucher-, Gesundheits-, Moral- oder sonstigen Polizei verfolgt fühlen muss, ticken die Uhren in Nicaragua anders. Wenn wir mit unseren Festivalbussen Polizeiautos mit Blaulicht im Einsatz sehen, dann nur, weil sie den Verkehr so regeln, dass die Aficionados aus 28 Ländern freie Fahrt haben. Aus Sicherheitsgründen ist diese Polizeibegleitung in Nicaragua nicht (mehr) nötig, die sogenannten Reisehinweise des Auswärtigen Amtes lesen sich für Nicaragua deutlich harmloser als für viele andere mittelamerikanische Staaten. Und so haben ein paar Polizisten immer Zeit, unsere Busse zu eskortieren statt Verbrecher zu jagen. 100% VIP-Feeling!

Dieses „VIP-Feeling“ wiederholt sich am Abend mit einer weiteren Überraschung. Juan Martinez, der Präsident der nicaraguanischen Zigarrenhersteller und Chef von Joya de Nicaragua, begrüßte alle Gäste des Festivals bei der offiziellen Eröffnung. Im Anschluss schnappte er sich die „deutsche Delegation“, um sie der deutschen Botschafterin Ute König vorzustellen. Frau König freute sich über die deutsch-nicaraguanischen Wirtschaftsbeziehungen, die wir dort repräsentierten. Und wir freuten uns, als Vertreter des Zigarrengenusses von einer Vertreterin der deutschen Regierung so positiv wahrgenommen zu werden. Diese „deutsche Delegation“ besteht übrigens zu diesem Zeitpunkt aus drei Personen, aus drei Regionen Deutschlands und ebenso aus drei Generationen: Michael aus dem Schwarzwald, Malte aus Westfalen und Hans aus dem hohen Norden. 

Immer wieder werden wir eingeladen, einen „Moment mit den Anderen zu teilen“ – einen „shared moment“. Dann genießen wir alle zeitgleich die gleiche Zigarre und können uns darüber austauschen. Auch wenn nicht alle Teilnehmer bis zum fünften „shared moment“ während des Abendessens mit- und durchhalten, bleiben dem geneigten Aficionado immer genügend Gesprächsmöglichkeiten unter Gleichgesinnten. Über die Zigarren, aber auch über „Gott und die Welt“.

Nach diesem offiziellen Begrüßungsabend wird morgen der zigarrenhaltige Teil des Programms beginnen.