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26-07-19 09:54 Alter: 28 days

VON:THOMAS METZLER

Sommergedanken: Habanophil vs. Habanophob

Sind kubanische Premium-Zigarren, im allgemeinen Sprachgebrauch „Habanos“, die göttliche Krönung jedweden Genusses oder ist „Habano“ nur ein Synonym für schlecht brennende, nicht ziehende oder sonst wie nicht rauchbare Zigarren?

Thomas Metzler macht sich so seine Gedanken.



Habanos - Fluch oder Segen. (Bild: Thomas Metzler)

Wie fast immer, wenn eine Frage stark polarisiert, ist die Antwort: Weder noch!

Jeder Habanos-Liebhaber wird mit Vehemenz versichern, dass kubanischer Tabak geschmacklich ein Alleinstellungsmerkmal hat und mit Fug und Recht zu den besten dieser Welt gezählt werden kann, eigentlich überhaupt der beste schlechthin ist!

Man könnte dieser Aussage entgegnen: „Auch andere Mütter haben schöne Töchter!“ Insbesondere die Zigarrenproduzenten in der Dominikanischen Republik, später auch viele in Honduras und Nicaragua, haben in den letzten Jahren sehr viel dazugelernt. Sie kultivierten neue und bessere Tabaksorten und entwickelten immer raffiniertere Blends, häufig mit Bestandteilen aus gleich mehreren Provenienzen. So ist es ihnen inzwischen gelungen, die Herzen von immer mehr Aficionados und damit immer größere Anteile des Weltmarktes zu erobern.
Es lohnt also durchaus für jeden Habanophilen – und das nicht erst seit Kurzem – einmal über den kubanischen Tellerrand zu schauen.

Die andere Fraktion, nennen wir sie die Habanophoben, behauptet dagegen ebenso vehement, dass die traditionelle Rollmethode auf Kuba Zigarren automatisch anfällig für Zugprobleme macht! Bei dieser Form der Herstellung werden die Blätter für den Wickel einfach gebündelt.
Außerdem, so sagen sie, würde die kommunistische Planwirtschaft und deren sehr demotivierende Auswirkung auf die Torcedores ihr Übriges tun.

Diesen Aussagen kann man wiederum mit dem Hinweis auf eine immer effizientere Qualitätskontrolle auf Kuba begegnen. Daneben folgt die Produktion der Premium-Zigarren für den Export dort schon lange eher marktwirtschaftlichen Regeln.

Und schließlich, so sagen die Habanophilen, fordern Habanos halt eine gewisse Reifung. Die o.g. Probleme treten angeblich bei ausreichend gelagerten Zigarren kaum auf, sind also eher ein Indiz für fehlende Erfahrung und/oder fehlende Geduld bzw. unzureichende Ressourcen des Rauchers.

Es ist also weder sinnvoll, Hanbanos zu verteufeln, noch, sie zu glorifizieren. Gerade in der Welt des Genusses sollte man stets offen für Neues und vor allem auch für Anderes sein. Zur Schulung der Sinne und zur Erweiterung des Horizontes ist Voreingenommenheit, egal aus welcher Richtung, keineswegs hilfreich.

Jemand, der noch nie eine gut gelagerte Montecristo No. 2 aus Kuba geraucht hat, ist vermutlich ebenso arm dran (oder eben auch nicht), wie jemand, der noch nie eine Oliva V Melanio Torpedo aus Nicaragua in Händen hielt.

Man kann zwar voller Hoffnung vermuten, dass beide dieses Defizit verhältnismäßig schadlos überstehen würden, dennoch hätte jeder von ihnen wohl eine sehr schöne Erfahrung verpasst …