05-10-11 10:00 Alter: 230 days
VON:THOMAS KÄSTNER
WANGGUANXUEJIA • Chinesische Zigarren
Ein Reise- und Rauchbericht.
 |   Chinesische Shortfiller-Zigarren
 
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Im Land der aufgehenden Sonne gib es alles zu kaufen. Dies ist eine Erfahrung, die man bereits nach wenigen Stunden in China machen kann. Zum umfangreichen Warenangebot gehören auch Zigarren – kubanische und solche aus anderen Provenienzen. Aber wie sieht es mit chinesischen Zigarren aus? Made in China? Tabak aus China?
Laut Wikipedia steht China Zitat: „(…)derzeit weltweit an der Spitze in der Tabakproduktion, auch der Konsum von Tabak ist mit einer Anzahl von rund 300 bis 350 Millionen Rauchern ungeschlagen.“
Also machten wir uns auf die Suche nach original chinesischen Zigarren. Die erste Hürde, die es zu nehmen galt, war das Auffinden eines Tabakwarengeschäftes. Kein leichtes Unterfangen in einer Metropole mit rund 8 Millionen Einwohnern (Ballungsraum: ca. 12 Millionen Einwohner). Nach intensivem Suchen mit Hilfe eines Dolmetschers und Taxifahrers betraten wir einen Tabakladen, der bis unter die Decke mit Zigarettenschachteln gefüllt war. Keine Anzeichen von Zigarren. Wir baten um chinesische „Longfiller“-Zigarren. Die großen Augen der Verkäuferin nach der Übersetzung ließen keinen Zweifel daran, dass wir weder mit dem Begriff „Longfiller“ noch „Shortfiller“ Erfolg haben würden. Selbst das Wort „Zigarre“ – auf Chinesisch „xuě jiā“ – schien keine Wirkung zu zeigen.
Doch dann, nach bangen Momenten, die Erlösung: „āi“ – was so viel heißt wie „Ja; richtig, na klar“. Man würde circa zwei Tage benötigen, um Zigarren zu besorgen. Wir bestellten zwei Kisten, ohne Preis, Anzahl Zigarren pro Kiste und Inhalt zu kennen.
Nach zwei Tagen überreichte man uns feierlich und mit Stolz zwei Kunststoffkisten mit je 20 Zigarren, einzeln in Cellophan eingewickelt. Hersteller der Zigarren: die Firma Wang Guan. Auf Grund der deutlich erkennbaren Tabakkrümel in der Cellophan-Verpackung ließ sich schließen, dass wir Shortfiller vor uns hatten. Auf die Frage, warum die Zigarren nicht wie üblich in einer Holzkiste verkauft würden, antwortete man uns: „Holz? Kunststoff ist doch viel moderner!“
…
Vor wenigen Tagen war es dann endlich soweit. In kleiner Runde öffneten wir die chinesischen „Kostbarkeiten“ in Hamburg. Ein leichter Ammoniakgeruch stieg uns nach dem Öffnen in die Nase. Die 13 cm langen und etwa 2 cm im Durchmesser messenden Zigarren sahen alle unterschiedlich aus. Keine Farb- oder andersartige Sortierung scheint stattzufinden. Das Deckblatt war ungleichmäßig gewickelt und schien recht dünn zu sein. Der Tabak der recht lose gerollten Zigarren rieselte leise aus den Zigarren. Der Schnitt war feiner als für einen Pfeifentabak. Einzig der Duft war bisher positiv aufgefallen.
Nach dem Anzünden und den ersten Zügen waren alle Raucher einig: Besser als erwartet, ein „Shortfiller“-typisches Rauchvolumen. Das Aroma war von einem süßlichen Ton bestimmt, den keiner so recht benennen konnte und der sicherlich untypisch ist für alles, was es auf dem europäischen Markt zu kaufen gibt.
Die Frage nach Deckblatt und Umblatt galt es noch zu beantworten. Sind es wirklich Tabakblätter die den Tabak zusammen halten? Wir schnitten eine Zigarre der Länge nach auf und entfernten das sehr dünne Deckblatt mit starker Aderung und heftigen Farbunterschieden – geradezu fleckig. Beim Umblatt handelte es sich um homogenisierten Tabak (HTP), also kein richtiger Tabak, sondern ein aus Tabak hergestelltes Papier. Nicht unüblich für Shortfiller.
…
Fazit: Für umgerechnet zwei Eurocent (!) pro Zigarre eine kostengünstige, seltene und interessante Erfahrung. Sicherlich keine Zigarre im klassischen Sinne, jedoch eine authentische Abwechslung zu den mitgebrachten Rauchwaren.