26-11-07 18:25 Alter: 4 yrs
VON:ARA
Wettbewerb um die längste Zigarrenasche
Wie weit kann man eine 166 Millimeter lange nicaraguanische Cameroon herunter rauchen, ohne dass die Asche ein einziges Mal fällt? Auf 14 Millimeter, denn dann wird es an den Fingern verdammt heiß.
 |   BRB – Bester Raucher Berlins – das alljährliche Ereignis bei Maximilian Herzog.
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Eigentlich raucht der Berliner Arzt Dr. Henning Rosenberg seine Zigarren sonst nicht bis zur Schmerzgrenze. Das tut er nur ein Mal im Jahr, wenn es im Raucherzimmer von „Zigarren Herzog“ um den Titel „Bester Zigarrenraucher Berlins“ geht. Diesmal flog der Mediziner sogar aus der Schweiz ein, um teilzunehmen. Und um zu siegen.
Es ist Donnerstagabend. 14 Männer und eine Frau haben ihre Stühle mit genügend Beinfreiheit um die Tische im Raucherzimmer von Maximilian Herzog in Stellung gebracht. Manchmal braucht es eben Platz für Verrenkungen, um visitenkartenlange Zigarrenasche zu balancieren.
Der Rauchabzug ist auf ein Minimum herunter geregelt: Lieber atmen die Teilnehmer des Wettbewerbs weniger Sauerstoff als einen schrägen Abbrand zu riskieren. Denn die meisten wissen aus den vergangenen fünf Wettbewerben, dass Gastgeber Herzog schwierig zu rauchende Zigarren auswählt.
Diesmal reicht er eine Cameroon Selection Lonsdale aus Nicaragua (165 Millimeter) und eine Fonseca Cosacos aus Kuba (135 Millimeter), doch das erfahren die Konkurrenten erst später. Denn Herzog verbindet den Raucherwettbewerb zum ersten Mal auch mit einem Blind Tasting. Einer der Teilnehmer errät wenigstens beide Herkunftsländer.
Aber in erster Linie geht es um eine goldene Trophäe, die ein wenig anmutet wie ein Oscar. Es ist schon der zweite Wanderpokal, den Maximilian Herzog sponsert. Den ersten durfte nach drei Siegen hintereinander schon vor zwei Jahren Dr. Rosenberg dauerhaft mit nach Hause nehmen. Damals war auch ein Kubaner angetreten, um die längste Zigarrenasche zu errauchen. Eine verrückte Sache sei dieser Wettbewerb, war der Kommentar von Rafael Perez, so etwas gäbe es selbst in Kuba nicht.
Aber Geschäftsinhaber Dr. Maximilian Herzog schwimmt ohnehin gern gegen den Strom. Genau mit dem Inkrafttreten der deutschen „Tabak-Prohibition“ eröffnet er demnächst ein weiteres Zigarrenlager in der Hauptstadt. Da passt auch ein Wettbewerb um eine lange Zigarrenasche. Denn diese, sagt Herzog, sorge nicht nur für ein besseres Aroma in einer Zigarre, sondern entlarve auch den versierten Raucher, der perfektes Anzünden, permanentes Drehen der Zigarre, gleichmäßige und nicht zu heftige Rauchzüge beherrscht.
„Schiedsrichter“ Herzog hat in den vergangenen Jahren auch die Teilnahmebedingungen weiter verfeinert. Feuerzeuge sind nicht mehr zugelassen, das An- und Nachzünden wurde mit Streichhölzern erschwert. Auch Pappmundstücke, die die Hitze beim Halten des letzten Stumpens dämpfen sollten, sind abgeschafft. Denn einige Kontrahenten des ersten Wettbewerbs hatten sie einfach mitgeraucht. Geblieben ist, dass Herzog nur einheitlich gecuttete Zigarren ausgibt.
Aller Erschwernis zum Trotz hält die Asche beim späteren Sieger dennoch so ungewöhnlich lange, dass einer seiner Konkurrenten vermutet: „Da ist bestimmt ein Draht drin.“ Dabei sind Witze eigentlich auch verboten, denn das Lachen könnte ja die eigene Asche ins Wanken bringen. Aber ganz so ernst nimmt den Wettbewerb sowieso keiner, schließlich geht es in erster Linie um Zigarrengenuss.
Den hat der Sieger übrigens erst im Alter von 35 für sich entdeckt. Die Liebe, beziehungsweise seine heutige Ehefrau und Gründerin des Ladys Cigar Clubs Berlin hatte ihn einst zum Rauchen verführt. Inzwischen zündet sich der Mediziner oft eine Zigarre an und dann meistens eine Juan Lopez Seleccion Nr. 2.
Warum? „Ich bin konservativ und probiere nicht viel“, sagt Dr. Henning Rosenberg, „denn Rauchen hat für mich etwas mit der Persönlichkeit zu tun.“
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