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20-05-20 12:17 Alter: 6 days

VON:GH

Zigarren rauchen in der frühen Post-Corona-Ära

Die frühe Post-Corona-Ära hat in dieser Woche begonnen. Was heißt das für Restaurants und Zigarrenraucher? Wir haben das in „Elianes Esszimmer“ ausprobiert.



Coronagerechte Bestuhlung der Tische.

Das Hamburger Restaurant „Elianes Esszimmer“ ist ganz im Stil der 1920er Jahre eingerichtet. Die allermeisten Möbel hat der Patron Mirko Sachs aus dem Erbe seiner Großmutter Eliane bekommen. Der Rest wurde mühsam auf Antik-Möbelmärkten erworben.

Das ging auch wohl nicht anders, denn Mirko Sachs ist quasi die Inkarnation der 1920er Jahre. Jedes seiner Kleidungsstücke ist im Stil dieser Zeit geschneidert. Lediglich beim weiblich dominierten Service des Esszimmers vermisst man die großen Rüschenschürzen, wie sie die perfekte Hausfrau damals trug.

Da passt es allerbest, dass der Patron selber ein Freund der Zigarre ist. Aber auch für ihn gelten die jeweils aktuellen Corona-Vermeidungsvorschriften.

Das bedeutet: Tisch und Stühle sind desinfiziert, der Service trägt neben dem Mund-Nasenschutz auch Handschuhe und auf dem Tisch steht ein Fläschchen Desinfektionsmittel.

Mit acht Personen ist der Raum, der sonst bis zu 30 Personen fassen kann, coronagerecht besetzt. Je nach Haushaltsstatus der Anwesenden können es auch 16 Personen sein.

Eintritt und Platz nehmen erfolgen kontaktfrei, das Zigarrenkonvolut liegt vorbereitet auf einem Tisch am Eingang. Etwas ungewohnt, keinen wirklichen Tischnachbarn zu haben. Dafür hat man aber genügend Platz für seine Zigarren, Getränke und was sonst noch so auf den Tisch gehört. Prädestiniert für diese Situation ist natürlich die Doppelcorona – nicht nur wegen Ihres Namens.

Am ersten Abend der frühen Post-Corona-Ära gab es die Doppelcorona von Hoyo de Monterrey. Die passte. Leichter geschmeidiger und cremiger Rauch umwaberte die Geschmacksnerven. Je nach Gusto gab es weißen oder roten Wein dazu.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist das Tragen der Masken beim Service. Da erkennt man kein Lächeln mehr. Eine für den normalen Mitteleuropäer ungewohnte Kommunikationsform. Es sei denn „Frollein Jenny“ serviert; dann erkennt man die Freundlichkeit an den strahlenden Augen.

Summa summarum: Es geht. Und es macht sogar Spaß. Die qualifizierte Einzelmeinung geht nicht mehr in der Masse vielfacher Gesprächsfetzen unter. Der niveauvolle Einzelvortrag gewinnt an Gewicht.

Eins allerdings ist auch klar. Wer dauerhaft nur ein Drittel der kalkulierten Kundenzahl bedienen darf, wird entweder den Betrieb einstellen oder aber seine Preise erhöhen müssen.

https://www.elianes-cuisine.de/