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26-03-19 08:57 Alter: 235 days

VON:EGBERT WASCHULEWSKI

Zigarrenrauch im Orient

Egbert Waschulewski, polyglotter 11-facher Habanos-Experte, hat sich der Mühsal unterzogen, inzwischen fremdgewordene Welten zu erkunden.





„Do you want to smoke, SIR?” Yes, indeed. Anytime. Aber hier? Ich bin in einem sehr, sehr einfachen, wackeligen Café im Süden von Ägypten. Fast an der sudanesischen Grenze. Mit etwas Nachdenken wird mir klar: Shisha-Rauchen hat Achmed gemeint. Ach danke, nein. Drei große Gefäße stehen hinten an der Wand. Benutzt von vielen Generationen. Kubanische Blätter hat in seiner bescheidenen Hütte bestimmt noch niemand geraucht. Und auch ich wollte damit nicht anfangen. Achmed und ich haben uns dennoch befreundet und sein frischer Pfefferminztee ist Weltklasse.

„And where is your cigar-lounge?” Jetzt bin ich´s, der die Initiative ergreift. Immerhin im allerfeinsten Hotel von ganz Ägypten. Dort, wo auf dem Balkon Agatha Christie ihren „Tod auf dem Nil“ schrieb und  – noch viel wichtiger – wo Sir Winston Churchill viele Dutzend seiner Zigarren in Brand gesteckt hat. „SIR“ – diese Anrede muss wohl sein und sie passt auch hierher – „we have no cigar-lounge“. Es folgt dann einiges mit „law“ und „restriction“ und sehr viel „sorry“. Sowie der Verweis auf schöne Plätze „outside“, wo ich meinem Rauchvergnügen nachgehen könne.

Das Old Cataract Hotel in Assuan, „The Legend!“, ohne Möglichkeit, stilvoll meine Romeo y Julieta Churchill zu rauchen? Habe ich eigens dafür mitgebracht. Welch Verfall von guter Tradition. Weltweit! Sir Winston hätte bei dieser Auskunft kehrtgemacht und das Haus nie wieder betreten. Ich bin da bescheidener und habe draußen geraucht. Das geht. Der Ausblick auf den Nil ist traumhaft. Ich habe ihn genossen. Mit einem Glas Glenmorangie Signet, das bleibt tief in guter Erinnerung. Aber auch da habe ich wieder bemerkt: Dieses einzigartige Raucherlebnis, dieses entspannte Genießen von feinem Tabak, das umfängt einen nur im geschlossenen Raum. Draußen rauchen ist auch in bestem klimatischen Umfeld ein – manchmal – netter Notbehelf, aber eben doch nur ein Notbehelf. Die Zeiten, in denen sich die Herrschaften im „Smoking“ in eigens dafür reservierte Räume zurückzogen, die sind vorbei. Schade, eigentlich.

Mein Urteil zu Ägypten als Zigarrenland? Vier plus. Man ließ mich überall draußen, auf dem Deck des Nildampfers und auf dem Hotelbalkon in Ruhe rauchen. Ich habe das Beste draus gemacht.