Die Tabak- und Zigarrenindustrie in Goch

Nach einigen einleitenden Seiten über den Weg des Tabaks nach Europa, die Botanik der Pflanze und die Verbreitung des Rauchens am Niederrhein, schildert sie akribisch und mit vielen Abbildungen versehen die ersten Anfänge mit Tabakspfeifenbäckereien im 17. Jahrhundert sowie der im Anfang des 18. Jahrhunderts zunehmenden Beschäftigung mit dem Tabak selber, der in dieser Gegend auch angebaut wurde. Nach Verlagerung der Tonpfeifenherstellung in andere Gegenden wurde für Goch ab 1850 mit seinen bis zu 29 Cigarrenfabriken dieser Gewerbezweig zu einer lukrativen Einnahmequelle.

Einen wesentlichen Teil der Arbeit widmet sie den Lebens- und Arbeitsbedingungen der dortigen Arbeiterschaft, zu der damals ganz selbstverständlich auch Kinder gehörten.

Aus heutiger Sicht kurios die Werbung des Cigarrenfabrikanten Gerhard Willemsen für seine "Nikotin unschädliche Gesundheits-Cigarren für alle Organe". Kaum glauben mag man auch die bebilderte Darstellung, wonach die Endstücke einer Cigarre mit "Tapetenkleister" befestigt werden, der "den Geschmack nicht beeinflußt und ungiftig ist". (S. 36) Während wir heute lediglich die Chaveta, das halbmondförmige Messer des Cigarrenrollers, kennen, waren damals bis zu sieben verschiedene Cigarrenarbeitsmesser im Gebrauch.

Höhepunkt der Cigarrenindustrie war für Goch die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach einem weiteren Anstieg der Produktion durch den 1. Weltkrieg führte die Zunahme des Zigarettenverbrauchs letztlich jedoch bis zum Beginn des 2. Weltkrieges zum Niedergang.

Insgesamt eine umfassende Darstellung eines Mikrokosmos der Cigarrenwelt mit umfangreicher Schilderung der Lebensbedingungen. Ursprünglich mit 18,90 DM erschienen, ist das Werk nach nunmehr 24 Jahren für wohlfeile 2,50 Euro zu bekommen.

 

Schriftenreihe der Stadt Goch, Bd. 3

Buschmann, Jutta

Die Tabak- und Zigarrenindustrie in Goch

Goch 1990, 21,5 cm

138 Seiten, 63 s/w Abbildungen

ISBN: 3-926245-08-5

Preis: 2,50 Euro