22-07-15 09:15 Alter: 11 yrs
VON:GH
125 Jahre Woermann • Teil 2
 |   Gustav Woermann der Ältere führte nach dem im 1. Weltkrieg gefallenen Heinrich zusammen mit dem Bruder Wilhelm die Zigarrenmanufaktur weiter.
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Heinrich sen., der Gründer, verstarb im Jahre 1906. Sein Nachfolger hieß ebenfalls Heinrich und war einer seiner drei Söhne. Heinrich jr. war Erbe und beschäftigte seine beiden Brüder Gustav und Wilhelm im Familienbetrieb. Bald darauf unternahm ein Krieg zum erstenmal den Versuch, die Unternehmensgeschichte zu beenden. Heinrich jr. wurde im 1. Weltkrieg eingezogen und fiel. Gustav und Wilhelm führten den Betrieb fort. Das vom Gründer entwickelte und eingeführte Geschäftsmodell wurde konsequent beibehalten. Die Rohtabake wurden über Tabakimporteure aus Brasilien und Sumatra eingeführt. Die Zigarren wurden in Heimarbeit hergestellt. Man wurde damit nicht reich, aber das Geschäft ernährte seine Leute. Über die Zeit bis 1920 liegen keine Zahlen oder verwertbare Aufzeichnungen vor. Weder ist in den Unterlagen der Familie Woermann noch beim Statistischen Bundesamt verlässliches Zahlenmaterial vorhanden. Eine genaue Erfassung der Zigarrenproduktion erfolgte erst ab 1920.
In diesem Jahr lag der jährliche Zigarrenkonsum in Deutschland bei rd. 5 Milliarden Stück. Zum Vergleich: Das sind nur eine Milliarde Zigarren weniger, als im Boomjahr 1957, in dem rd. 6 Milliarden Zigarren in Deutschland konsumiert wurden. Zwischen 1920 und 1930 stieg der Zigarrenkonsum kontinuierlich an und hatte sich letztlich auf knapp 10 Milliarden Zigarren hochgeschraubt. Selbst die Tabaksteuererhöhung auf 30% im Jahre 1925/1926 konnte an diesem unaufhaltsamen Anstieg nichts ändern. Woermanns hatten natürlich ihren Anteil hieran und reagierten mit der Beschäftigung weiterer Heimarbeiter. Die Jahre zwischen 1930 und 1934 brachten eine weitere Veränderung in der Familien- und Manufakturgeschichte. Eine Tabaksteuererhöhung auf 38% brachte der gesamten Tabakbranche erhebliche Umsatzeinbußen. Nicht nur die Zigarre, auch alle anderen Tabakerzeugnisse wie Zigaretten und Schnupftabak erfuhren einen drastischen Einbruch. Innerhalb eines Jahres ging der deutschlandweite Zigarrenkonsum von rd. 10 Milliarden auf ca. 6 Milliarden Stück zurück. Woermanns waren hiervon nicht in diesem Verhältnis betroffen, weil das Hauptabsatzgebiet die nähere und weitere Umgebung war, eine Gegend, in der die Leute Treue zum Lieferanten an den Tag legen und allenfalls die Menge ein wenig den Gegebenheiten anpassen.
Fortsetzung folgt …
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