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29-07-15 09:07 Alter: 11 yrs

VON:GH

125 Jahre Woermann • Teil 3



Gustav Woermann jr., die 3. Generation

Im Jahre 1934 verstarb Gustav Woermann, einer der drei Söhne des Unternehmensgründers. Erbe und Nachfolger war sein Sohn, der ebenfalls Gustav hieß.

Der Einstieg von Gustav jr. – inzwischen die dritte Generation – erfolgte in einem glücklichen Marktumfeld. Der Einbruch des Zigarrenkonsums hielt nur in den Jahren von 1930 bis 1932 an. Seit 1933 boomte es wieder und innerhalb zweier Jahre, bis Ende 1934, war der Konsum erneut auf 9 bis 10 Milliarden Stück im damaligen Reichsgebiet angestiegen. Hatte Gustav jr. hierauf nur geringen Einfluss, so war die Eheschließung mit seiner Frau Hildegard im Jahre 1935 für die Unternehmensgeschichte doch wesentlich nachhaltiger, wie sich Jahrzehnte später herausstellen sollte.

Die Zigarrenproduktion in Deutschland ab dem Jahre 1934 war weiterhin im wesentlichen Handarbeit. Zwar gab es bereits Maschinen für die Produktion, aber das 1933 von den Nationalsozialisten erlassene Maschinenverbot (1933 – 1958) verhinderte deren Einsatz. Es war aber auch die Zeit der sogenannten Arisierungen. Betriebe mit Eigentümern jüdischen Glaubens sollten diesen genommen und die Hände „arischer“ Unternehmer gegeben werden. Für Gustav Woermann spielte diese Politik keine Rolle. Zum einen gab es – im Gegensatz zum badischen Zentrum der Zigarrenmanufaktur – kaum „jüdische Betriebe“ in Ostwestfalen, zum anderen war das Aufkaufen anderer Betriebe nicht Teil seiner Expansionsstrategie. Die kontinuierliche Steigerung der eigenen Produktion und deren Absatz waren seine primäre Zielrichtung.

Wie den allermeisten Kleinunternehmern erging es auch Gustav. Er konnte seine Einberufung zur Wehrmacht nicht verhindern. Seine Frau Hildegard führte, so gut es ging, den Betrieb fort. Seit 1940 fiel der Zigarrenabsatz im gesamten Deutschland kontinuierlich ab. Im Jahre 1944 wurden deutschlandweit ca. 3,5 Milliarden Zigarren verkauft. Aber das war noch nicht das Schlimmste. Damit konnte man als bodenständiger, zäher und anpassungsfähiger Ostwestfale fertig werden. Den schwersten Schlag gab es ihr und dem Unternehmen, als im Jahre 1944 die Nachricht kam, ihr Mann Gustav habe „den Heldentod“ im Kampf um Deutschland gefunden.

Das Ende schien erreicht. Der Mann und Unternehmer tot, Sohn Heinz-Dieter gerade einmal 8 Jahre alt und die wirtschaftliche Kraft der Bevölkerung gerade für nicht lebenswichtige Produkte fast am Ende.

Fortsetzung folgt …