30-07-15 06:01 Alter: 11 yrs
VON:GH
125 Jahre Woermann • Teil 4
 |   Heinz-Dieter Woermann – die 4. Generation
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Vermutlich war es eine Mischung aus den Charaktermerkmalen der westfälischen Sturheit und der „jetzt-erst-recht“-Mentalität, die Hildegard Woermann dazu brachten, mit einer kleinen Belegschaft von 2-3 Personen weiter die in der Region beliebten Marken wie „Erlkönig“ oder „La Regenta“ zu produzieren und zu verkaufen. Die wirtschaftliche Not war es nicht, denn einige Jahre später hat sie einen Lehrer geheiratet. Aber da war noch Heinz-Dieter und für den wollte sie eine Basis bewahren, die an die bisherige Familientradition anknüpfte. Voraussetzung dafür war ihrer Ansicht nach eine fundierte Ausbildung an verschiedenen Stellen und Orten, die den notwendigen tiefen Einblick in den Tabak und das Zigarrengeschäft geben sollte, um später das Unternehmen erfolgreich zu führen.
Heinz-Dieter, geboren 1936, ging 1953 daher zunächst bei der Zigarrenfabrik Wellensiek und Heimsoeth für zweieinhalb Jahre in die Lehre. Anschließend verbrachte er sechs Jahre in der Firma Otto Beckmann + Co., die ihr Geld im wesentlichen mit Türkenkosttabaken verdiente. Nach dieser tabakfachlichen Ausbildung war Heinz-Dieter ein Jahr lang Geschäftsführer in der Blasheimer Zigarrenfabrik Schmidt, um auch die notwendigen Verwaltungskenntnisse zu erlangen. In der heutigen Zeit hätte der verwaltungsorientierte Teil seiner Ausbildung einen wesentlichen größeren Anteil haben müssen, aber damals war es noch die Zeit des Aufbaus und der Arbeit. Verwaltung spielte eine deutlich untergeordnete Rolle.
In all diesen Jahren konnte Heinz-Dieter seinen Hang zu technischen Arbeiten nicht verhehlen. Am liebsten nahm er Maschinen auseinander, wenn sie einmal defekt waren, reparierte sie und baute sie dann wieder zusammen. „Lehrmaterial“ gab es insbesondere ab 1958 genügend, denn das Maschinenverbot aus der Nazizeit war aufgehoben und die ersten Maschinen, die damals in die Produktionssäle kamen, funktionierten nicht immer ohne Probleme. Das ständige Zerlegen und Aufbauen hat ihn viel gelehrt und war in den späteren Jahren von deutlichem Vorteil.
1963 überschrieb Mutter Hildegard dem 27-jährigen die Firma und Heinz-Dieter Woermann machte sich an die Arbeit. Der Kundenkreis, der der Woermann-Zigarre in den Nachkriegsjahren durch die Arbeit der Mutter treu geblieben war, bildete eine gute Grundlage für den Betrieb, der nun mit zwei Wickelmaschinen und der Deckblattauftragung per Hand an den Markt ging. Das Angebot umfasste die „Woermann-Linie“, die „Hanseatenklasse“ und die „404“. Das Halbfaconformat für 30 Pfennige und für gehobenere Ansprüche die Keule für 40 Pfennige. 400 Zigarren konnte ein Roller pro Tag im Durchschnitt herstellen, so dass man mit der vorhandenen Belegschaft auf rd. 1.000 Zigarren pro Tag kam.
Fortsetzung folgt …
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