Abenteuer Humidorschrank
Die kleine Zigarrengeschichte am Donnerstag.
Lange spielte ich mit dem Gedanken, mir einen vernünftigen Zigarrenschrank zuzulegen. Die stolz vorgeführten Schmuckstücke anderer weckten meine Begierde: Ein Zigarrenschrank muss her. Doch was tun?
Selber bauen kam mangels Geschick und aufgrund von Faulheit nicht in Frage. Also einen Schrank bauen lassen oder einen fertigen kaufen. Bauen lassen ist sehr teuer. Außerdem war ich mir nicht sicher, ob ich dem Schreiner auch die richtigen Vorgaben machen würde. Also lieber einen fertigen kaufen. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Zwar gibt es jede Menge kleine preiswerte Behältnisse zu kaufen, die sich "Schrank" nennen, aber bestenfalls Kommoden sind. Ein Weinkühlschrank sollte es nicht sein, weil auch er mir zu klein und außerdem standardmäßig die Regelung der Feuchtigkeit nicht möglich ist. Der 5th-Avenue-Schrank war mir ebenfalls zu klein. Außerdem hätte er klimatechnisch nachgerüstet werden müssen.
So verging die Zeit mit der Suche nach einem fertigen Schrank, der meinen Vorstellungen entsprach. Bei einer längeren Internetrecherche stellte ich dann fest, dass die Firma Brune Klimatechnik nicht nur Luftbefeuchter, sondern auch Humidorschränke bis hin zum begehbaren Exemplaren herstellt. Für letzteres fehlt mir leider der Platz. So entschied ich mich für ein zweitüriges Modell. Mit den Maßen 210 x 105 x 58 cm sollten erst einmal einige Kisten untergebracht werden. Da ich sowieso aufhöre, Zigarren zu kaufen, sollte er reichen. Also: Angerufen, Ausstellungsstück zu reduziertem Preis bestellt und mit Spannung gewartet.
Der Schrank wurde schließlich per Spedition geliefert. Ich hatte mir gedacht, zusammen mit dem Fahrer trage ich das Teil in die erste Etage. Wenn’s etwas schwerer ist, frage ich den Nachbarn, ob er hilft.
Um 11:00 Uhr klingelte der Fahrer. "Ich soll einen Schrank liefern. Soll der etwa hier ins Haus?" "Ja, nicht nur ins Haus, sondern in die erste Etage." "Das dürfte schwer werden." Der Fahrer hatte recht. Ich hatte das Gewicht total unterschätzt. Der Schrank war in einer Holzkiste verpackt, die aus dicken Spanplatten bestand und mit entsprechendem Furnier selbst als Schrank getaugt hätte. Das Ding war mordsmäßig schwer. Ich schätze, so 250 kg (da ich im Verlag häufig Paletten mit Büchern bekomme, kann ich solche Gewichte ganz gut abschätzen). Ich schaffte es mit dem Fahren und einem Nachbarn gerade mal, die Kiste vor der Eingangstür aufzurichten. An Hineintragen war nicht zu denken.
Also, den Fahrer verabschiedet und ans Telefon geklemmt, Möbelspeditionen anrufen. Es ist natürlich nicht so einfach, schnell eine Möbelspedition zu finden, die mal eben vorbeikommt um einen Schrank hoch zu tragen. Aber natürlich wollte ich das gute Teil nicht länger als nötig vor der Haustür stehen lassen. Da ich ja Gott sei Dank in einer größeren Stadt wohne, standen nach 1,5 Stunden 2 kräftige Möbelpacker vor der Tür. Alleine die Entfernung der Ummantelung nahm einige Zeit in Anspruch, da die Verpacklung vorbildlich war. Nach Entnahme des Schrankes und dem Entfernen der Zwischenböden und des Klimagerätes war der Schrank immer noch extrem schwer. Also wurden zwei weitere Kollegen bestellt. Schließlich wurde das gute Stück von 4 Männern in den 1. Stock geschleppt.
Nun steht er schon seit fast zwei Jahren an seinem Platz und verrichtet mir gute Dienste.
Übrigens: Mit dem Kaufen von Zigarren habe ich doch nicht aufgehört.