15-06-25 12:57 Alter: 1 year
VON:MAXIMILIAN HERZOG
Afrika - ein (noch) unentdeckter Zigarrenkontinent?
Berlins Zigarrenhändler Maximilian Herzog, nunmehr Emeritus und Forschungsreisender, befindet sich derzeit in Rwanda. Hier sein Bericht.
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  Seit seiner „Emeritierung“ als aktiver Zigarrenhändler Anfang dieses Jahres, reist Maximilian Herzog durch die Welt und sucht nach weiteren Zigarrenprovenienzen.
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Vor meiner Reise nach Rwanda im Juni 2025 wusste ich nur, dass aus Kamerun herrliche Deckblätter kommen. Aber afrikanische Zigarren? Waren mir nicht bekannt. In Kigali, der Hauptstadt Rwandas, hatte ich einen sehr angenehmen Aufenthalt und berichte Folgendes:
Bevor ich zu meinem Zigarrenthema komme, seien hier einige Bemerkungen zu Rwanda eingefügt. Heute in Deutschland beinahe vergessen ist die menschliche Katastrophe in Rwanda von 1994, als innert hundert Tagen fast eine Million Tutsis abgeschlachtet wurden. Umso überraschender der Friedensprozess seither. Kigali blühte auf und ist heute eine wunderbar gepflegte und saubere Hauptstadt mit umwerfend freundlichen Menschen (der von den Deutschen und den Belgiern während der Kolonialzeit konstruierte Rassenunterschied zwischen Tutsis und Hutus ist völlig aufgehoben, es gibt jetzt nur noch Bürger Rwandas). Der Touristenstrom hält sich in Grenzen; die meisten wollen sowieso nur die Berggorillas sehen.
In Kigali also begann meine Suche nach Zigarren. Es war schwierig. Im Hotel hätte ich telefonisch und ungeprüft übertrieben teure Havanas bestellen können. Darauf verzichtete ich. Mit Hilfe meines Fahrers fand ich in einem schwer zugänglichen Vorort eine seit 2019 bestehende Zigarrenlounge namens Ishya. (Falls das Loungeverzeichnis von artofsmoke geografisch so weit reicht, müsste Ishya aufgenommen werden.) Hier überraschte mich die lounge-eigene Zigarre mit dem gleichen Namen: Ishya 100% Rwanda full Cigar. Der Puro wird, wie mir gesagt wurde, in Gatsibo gerollt. Ich habe mich für ein Cañonazo-ähnliches Format entschieden, wohlwissend, dass Zigarren ähnlich wie Wein an Ort und Stelle anders schmecken als zu Hause. Hier in Afrika, etwas südlich vom Äquator, gefällt mir diese Zigarre überraschend gut. Leichte, helle, florale Geschmacksnoten bestimmen den rund anderthalbstündigen Genuss. Obwohl offensichtlich ein Shortfiller, hielt sich die Asche bei perfektem Zug sehr gut. Das Deckblatt ist allerdings etwas urig. Und weil neuerdings das sogenannte „Pairing“ in Mode gekommen ist: Ein Wein (ein 22er Merlot von Louis Eschenhauer) mit der landweinartigen Grundcharakteristik des Languedocs passt hervorragend. Und wer auch noch feste Nahrung zur Ishya braucht, sollte Avocado-„Pommes“ versuchen, wie sie hier angeboten werden: Avocadostücke panieren und dann frittieren.
Die zweite afrikanische Zigarre, die ich kennenlernen durfte, ist die Bongani aus Mosambik: handmade in Africa. Der volle Zigarrenring trägt den Schriftzug: Premium Selection Bongani – Spirit of Africa. Deutlich teurer als die Ishya (diese kostet im Cañonazo-Format 15 Rwandafrancs = etwa € 12; die Bongani im kleinen Corona-Format 25 Francs = etwa € 18 – wer bei diesen Preisen in Afrika stutzt, muss wissen, dass Zigarren hier nicht anders als bei uns als höchstpreisiges Luxusprodukt gelten), überrascht dieser sehr gut gerollte Longfiller mit exzellentem Deckblatt, mittelkräftigen, nussigen Aromen im braun-gelben Spektrum. Der Zug ist perfekt.
Innerhalb schon meiner ersten beiden Tage in Kigali habe ich zwei afrikanische Puros entdeckt. Afrika hält also für den geneigten Zigarrenliebhaber positive Überraschungen bereit. Der Kontinent harrt sozusagen der Entdeckung – vielleicht durch einen Dr. Livingston der Zigarre.