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27-06-26 08:08 Alter: 57 days

VON:GH

Aufschlag auf Habanos: Was anderswo per E-Mail geht, scheitert in Deutschland am Steuerzeichen

Phoenicia TAA Cyprus erhebt seit dem 23. Juni 6,5 Prozent Frachtaufschlag auf alle kubanischen Zigarren. In Deutschland bleibt dem Importeur derselbe Weg — aber er führt nicht per Rundschreiben zum Händler, sondern über eine formelle Preisanmeldung beim Zollamt in der Zigarrenstadt Bünde.



Phoenicia TAA Cyprus Ltd., nach Eigenangaben weltweit zweitgrößter Vertreiber kubanischer Zigarren, erhebt seit dem 23. Juni 2026 einen Aufschlag von 6,5 Prozent auf alle Angebote und Bestellungen kubanischer Zigarren. Grund: Der Seefrachtverkehr nach Kuba ist infolge verschärfter US-Sanktionen weitgehend zusammengebrochen. Die verbleibende Luftfracht ist teurer und kapazitätsbeschränkt — Transportkosten können laut Phoenicia bis zu 15 Prozent des Warenwerts übersteigen. Die Maßnahme gilt als vorübergehend und soll entfallen, sobald Seefracht nach Kuba wieder verfügbar ist.

Phoenicia TAA Cyprus Ltd. wurde 1999 gegründet und hat seinen Sitz in Limassol, Zypern. Das Unternehmen ist exklusiver Habanos S.A.-Distributor in mehr als 56 Ländern Afrikas, Europas und des Nahen Ostens, darunter Zypern, Griechenland, Malta, Ukraine und Türkei — ausgenommen Algerien, Marokko und Südafrika.

Was das für Deutschland bedeutet

Der direkte Weg, den Phoenicia gewählt hat — ein Rundschreiben an den Handel, Aufschlag ab sofort — ist in Deutschland so nicht möglich. Das Tabaksteuergesetz (TabStG) bindet den Endverkaufspreis an das Steuerzeichen: Der Importeur legt den Kleinverkaufspreis fest, dieser wird bei der Zentralen Steuerzeichenstelle Bünde beim Hauptzollamt Bielefeld angemeldet und auf das Steuerzeichen gedruckt — der einzigen Dienststelle dieser Art in ganz Deutschland. Jede Abweichung vom aufgedruckten Preis ist dem Händler gesetzlich verboten — weder Rabatt noch Aufschlag.

Gestiegene Logistikkosten können also auch in Deutschland weitergegeben werden — aber nur auf einem Weg: Der Importeur muss neue Preise bei der Steuerzeichenstelle in Bünde anmelden, woraufhin neue Steuerzeichen produziert und ausgegeben werden. Bei einer umfassenden Kleinverkaufspreisänderung sind dabei Vorlaufzeiten von mindestens acht Wochen einzuhalten. Was Phoenicia per E-Mail an einem Tag erledigt, erfordert hierzulande einen formellen Verwaltungsakt mit gesetzlich vorgeschriebenem Vorlauf.

Habanos S.A. meldete für 2024 einen Rekordumsatz von 827 Millionen US-Dollar, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Europa bleibt mit 54 Prozent Umsatzanteil der wichtigste Markt. Der Phoenicia-Aufschlag ist nach aktuellem Stand die erste konkrete Weitergabe der kubanischen Logistikkrise an den internationalen Fachhandel.