26-04-07 10:32 Alter: 19 yrs
VON:HM
Aus der Tiefe der Jahre • Punch Triunfos
Schätze aus der Tiefe von Zeit und Raum.
 |   Punch Triunfos – 30 Jahre alte Zigarren
 
|
Bei einem Besuch des Zigarrenhändlers meines Vertrauens entdeckte ich sie.
Punch Triunfos – fünf Stück in einem kleinen, unscheinbaren Pappschächtelchen.
Auf die Frage, ob noch mehr davon auf Lager seien, meinte die nette Verkäuferin: „Oh, die sind alle für einen Kunden reserviert – aber der weiß sowieso nicht, wie viele hier noch liegen“. So waren sie mir für 12,50 EUR schnell verkauft.
Die erste Zigarre wurde sofort entfacht und ein wunderbar kubanisches Aroma entfaltete sich schon mit den ersten Zügen. Aber was waren das für gute Stücke? Noch nie hatte ich von ihnen gehört, geschweige denn, sie irgendwo gesehen.
Kaum zu Hause angelangt wurde die vorhandene Fachliteratur nach dieser Zigarre durchsucht. Min Ron Nee gibt Auskunft: „Machine-made. Discontinued in the 1970's“.
Meine Eroberungen waren also gut und gerne 30 Jahre alt. Die ansonsten obligatorische Behandlung in der Tiefkühltruhe ersparte ich ihnen daraufhin, denn nach so langer Zeit sollten Sie vollständig frei von Tabakkäfern oder Larven sein. Sie kamen umgehend in den Humidor.
Das war vor ca. drei Wochen. Jetzt habe ich den Mut gefasst und erneut eine der Triunfos ausgewählt und entzündet. Wie schon beim ersten Mal erfuhr ich auch jetzt, wie kubanische Zigarren schmecken können.
Das Bewusstsein, dass es sich um eine sehr alte Zigarre handelte, ließ mich vorsichtige, aber intensive Züge nehmen. Sie war nicht scharf, nicht bitter, schmeckte nicht nach Holzkohle oder dergleichen – sie war Kuba pur und vermittelte einen Eindruck davon, was gemeint ist, wenn von einem klassischen Havanna-Aroma gesprochen wird. Eine wunderbare weiße und stabile Asche, gleichmäßiger Abbrand und ein leichter Zug rundeten das Erlebnis ab. Dass ihr am Ende ein klein wenig das Deckblatt aufriss, sei der alten Dame verziehen.
Sicher, die Triunfos war seinerzeit bestimmt keine Luxuszigarre, die man mit Bedacht lange eingelagert hatte. Dennoch konnte sie eindrucksvoll beweisen, dass preisgünstige Zigarren mit einer langen Lagerung und Reifung gewinnen können.
Meine Triunfos sind nicht machine-made, sondern augenscheinlich in Handarbeit
hergestellt, und in Folie waren sie auch nicht verpackt. Die Indizien für Handarbeit: der flache Kopf und die Art wie der Kopf gearbeitet ist. Außerdem die schöne, gleichmäßige Verarbeitung der ganzen Zigarre und das feine Deckblatt. Was ich sonst an maschinell hergestellten Zigarren gesehen habe, hat oft ein grobes Deckblatt und vor allem einen spitz zulaufenden Kopf. Bei diesen Zigarren wurde allenfalls der Wickel maschinell hergestellt – sie sehen auch besser aus, als die auf den Bildern bei Min Ron Nee. Sollten sie maschinell hergestellt sein, sollten die Kubaner zusehen, dass sie genau diese Maschine wieder zum Laufen bekommen – das wäre nämlich die erste, die Zigarren herstellt, die aussehen wie von Hand gemacht.
Selten habe ich für derart kleines Geld einen solchen Spaß und Genuss gehabt.
Leider werden es wohl die letzten gewesen sein, die ich erstehen konnte – drei habe ich noch ...