11-03-26 12:03 Alter: 41 days
VON:EFDE
Authentizität (2) • Physische Sicherheitsmerkmale
Was heute bereits möglich ist.
Der erste Teil dieser Reihe befasste sich mit den Sicherheitsmerkmalen des grünen Garantiesiegels. Wir erinnern uns: Das Siegel besitzt bereits hochwertige Sicherheitsmerkmale und hat sich über Jahre als Herkunftszertifikat bewährt. Doch Tradition allein schützt nicht vor Fälschungen. Deshalb lohnt sich ein Blick auf Technologien, die die Produktsicherheit unmittelbar erhöhen können – ohne die Ästhetik der Kiste zu verändern, ohne Mehraufwand für den Genießer, aber mit deutlichem Mehrwert in Bezug auf die Produktsicherheit und -echtheit. Die in diesem Teil beschriebenen Methoden sind allesamt technisch ausgereift und werden bereits teilweise bei Zigarren, vor allem aber in anderen Branchen erfolgreich eingesetzt.
Seriennummern & Mikrogravuren – die einfachste Form der Individualisierung
Der fachkundige Habanosgenießer, der auch dem Boden der Zigarrenkiste Betrachtung schenkt, weiß, dass sich auf der Unterseite der Kisten eingebrannte Kürzel befinden, die Rückschluss auf Manufaktur und Produktionsmonat geben. Sie sind fest mit dem Holz verbunden und lassen sich nicht entfernen, ohne Spuren zu hinterlassen oder den Boden zu beschädigen. Die Herausforderung besteht für Aficionados lediglich darin, die Kürzel hinsichtlich Produktionsstätte korrekt zu interpretieren.
Eine sicherheitstechnische Erweiterung bzw. Vertiefung dieses Prinzips wäre naheliegend: Eine serienmäßige, individuelle Gravur oder Mikrocodierung, die jede Kiste eindeutig identifizierbar macht. Wird das Garantiesiegel kopiert, fehlt für eine weitere Nutzung des Siegels die passende Gravur auf dem Holz. Wird die Gravur kopiert, fehlt die individuelle Nummer des Siegels. Voraussetzung für diese kriminalistische „Doppel-Schloss“-Logik ist eine verlässliche, hinterlegte Datenbankstruktur. So würden Holzkiste und Siegel zu einer untrennbaren Einheit verbunden werden.
Arturo Fuente versieht bereits heute ausgewählte Limited Editions mit einer Seriennummer und liefert sogar ein Echtheitszertifikat mit. Dieses System zeigt, wie sich traditionelle Präsentation und moderne Identifikation elegant verbinden lassen.
Ultraviolett- (UV-) und Infrarot- (IR-)-Markierungen – unsichtbar für den Genießer, sichtbar für Profis
UV- und IR-Markierungen sind bei Tageslicht unsichtbar, offenbaren unter UV-Licht jedoch fluoreszierende Linien, Muster oder Mikrotexte – Elemente, die Fälscher nur schwer exakt nachbilden können. Man könnte sagen, sie sind eine moderne Weiterentwicklung der optisch variablen Elemente, wie sie bereits heute auf dem aktuellen Garantiesiegel zum Einsatz kommen.
Solche Merkmale sind bereits seit Jahrzehnten erprobt: Bei Banknoten, Ausweisdokumenten und anderen Wertpapieren arbeiten Wertdruckereien routinemäßig mit dieser Art der Papiersicherung. Eine Übertragung auf Zigarrensiegel wäre daher aufgrund der großen Verfügbarkeit weder teuer noch experimentell. Für Zoll und Behörden bedeuten sie schnelle Prüfungen vor Ort und eine klare, laboranalytisch abgesicherte Aussage hinsichtlich der Echtheit.
Für den Zigarrenraucher ändert sich hingegen wenig: Eine einfache Sichtprüfung unter einer UV-Lampe ist möglich, für eine fundierte Zuordnung und Echtheitsanalyse ist jedoch tiefgreifendes Fachwissen erforderlich. Zumindest ermöglicht es eine Prüfung auf das Vorhandensein des Merkmals – und bietet dabei sogar ein kleines Erlebnis.
Das aktuelle Garantiesiegel stellt dieses Erlebnis sogar bereit. Seit einigen Jahren befindet sich ein Emblem auf dem Siegel, das nur unter UV-Licht zum Vorschein kommt. Dies ist als starkes Sicherheitsmerkmal zu erwähnen; erweitern lässt sich dieses Prinzip dadurch, dass neben dem bereits vorhandenen auch Zeichen aufgenommen werden, die auf andere Wellenlängenbereiche reagieren.
Klebstoffe mit Mikropartikeln – die kriminalistische Spur am Siegel
Der Klebstoff eines Siegels ist ein oft unterschätztes Sicherheitsmerkmal, macht sich aber auch zum Teil das Prinzip der UV- und IR-Elemente zu Nutze. Moderne Kleber können mikroskopisch kleine Taggants enthalten – winzige Partikel mit einer spezifischen chemischen oder optischen Signatur. Die Industrie bietet inzwischen eine beeindruckende Bandbreite: von Feinstpulvern bis zu UV-anregbaren Mikropartikeln, deren Wellenlängenbereich sich gezielt auswählen lässt und dadurch unter verschiedenen Lichteinflüssen unterschiedlich reagiert. Die diesbezügliche Technik ist mittlerweile derart ausgereift, dass zur Detektion handliche Scanner bereitstehen, um die entscheidenden Mikropartikel identifizieren zu können.
Wird ein Siegel abgelöst oder erneut verklebt, hinterlassen diese Marker eindeutige Spuren. Für den Genießer unsichtbar und realistischerweise auch nicht auswertbar – für forensische Labore jedoch ein klar zuordenbarer „Fingerabdruck“.
Was kann der Aficionado selbst prüfen – und was nicht?
Nach diesen verschiedenen, teils sehr wirkungsvollen Ansätzen stellt sich die entscheidende Frage: Was lässt sich ohne technisches Fachwissen und Labor prüfen?
Die Antwort ist ernüchternd, aber realistisch: Praktisch überprüfen lassen sich für den Aficionado Seriennummern und Gravuren bei einem Abgleich mit Händlerunterlagen oder einer digitalen Datenbank. Die einfache Sichtüberprüfung auf Vorhandensein ist sowieso möglich, gleiches gilt für die UV- bzw. IR-Merkmale bei Nutzung einer UV-LED-Lampe.
Wenig praktikabel bzw. nicht möglich ist hingegen die Echtheitsanalyse derartiger Muster. Die konkrete Überprüfung und Zuordnung erfordert Fachwissen und Laborgeräte, die eine zuverlässige Vergrößerung der Muster sicherstellen. Ähnlich verhält es sich zu den Mikropartikeln im Klebstoff. Diese sind überhaupt nur mit Labormethoden auf Vorhandensein zu überprüfen und entsprechend auszuwerten.
Der Schlüssel ist daher klar: Sichtbare Merkmale unterstützen den Genießer – unsichtbare nützen den Profis. Beide Ebenen zusammen erhöhen die Fälschungssicherheit erheblich.