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05-05-15 06:12 Alter: 11 yrs

VON:ANNEMARIE SCHUSTER, SCHUSTERCIGARS, BÜNDE

Blending • Das Spiel mit den Gewürzen

Annemarie Schuster berichtet von der anspruchsvollen Arbeit beim Komponieren einer Zigarre.



Orthonasale Prüfung eines Tabakbündels


Blattzubereitung


Probieren, probieren, probieren …

Meine erste Zeit in Esteli habe ich damit verbracht, so viele unterschiedliche Tabake wie möglich zu probieren. In Form der sogenannten „churritos“ (einfach gerollte, kleine Cigarren ohne Deckblatt, aus nur einer Sorte Tabak) habe ich zunächst mit den Tabakregionen Nicaraguas begonnen – Esteli, Jalapa, Condega und Ometepe. Aus jeder Region habe ich dann jeweils Seco, Viso und Ligero(*) getestet und mir Notizen dazu gemacht. Danach kamen Tabake aus Honduras, Mexico, Brasilien, den USA, und vielen anderen Ländern. Nachdem ich eine Idee der Eigenschaften der einzelnen Tabake hatte, fing ich an zu kombinieren. Wie mein Vater immer so schön sagt, ist es ähnlich der Arbeit eines Kochs, der mit seinen Gewürzen experimentiert. Natürlich muss man vorher eine ungefähre Idee haben, in welche geschmackliche Richtung es gehen soll. Welche und wie viele Tabake sollen in die Einlage (tripa) und welches Mengenverhältnis ist passend? Was eignet sich als Umblatt (banda) und Deckblatt (capa)? Beide können einen großen Einfluss auf den Geschmack der Cigarre haben.

Habe ich nun einen Blend zusammengestellt, wird er direkt gerollt und frisch probiert. Gefällt er mir, werden weitere Muster gerollt, für 3–4 Wochen in den Aging-Room gelegt und danach noch einmal probiert. Übersteht der Blend auch diesen Test, werden Muster nach Deutschland geschickt und dort probiert. Der Geschmack einer Cigarre in Deutschland kann auf Grund des anderen Klimas durchaus stark von dem in Nicaragua abweichen.

Die Kreation einer neuen Cigarre ist immer ein längerer Prozess, der mitunter auch Jahre dauern kann. Manchmal ist es sehr frustrierend, wenn man einen Tag im Blending-Room verbringt, und einfach kein Blend gut zu werden scheint. Manchmal ist man überrascht, wenn die Kombination aus Tabaken, die man einzeln nicht so gerne mochte, doch ein gutes Ergebnis bringt.

Ein Blend trägt natürlich immer die Handschrift seines Blenders, Geschmack ist und bleibt nun einmal subjektiv.

(*) Seco, Viso und Ligero beschreiben die Struktur eines Tabakblattes, wobei Seco die dünneren, Viso die mittleren und Ligero die dickeren Blätter bilden. Seco-Blätter finden sich meist im unteren, Ligero im oberen Bereich der Tabakpflanze.