Die Casa del Puro in Nürnberg gilt längst als Institution in der Zigarrengesellschaft und hat sich ihren Ruf weit über die Stadtgrenzen hinaus erarbeitet. Stilvoll, großzügig gestaltet und mit einer Auswahl an Zigarren, die ihresgleichen sucht, setzt sie eigene Maßstäbe. Und auch wenn die bayerische Gesetzgebung den öffentlichen Zigarrengenuss streng reglementiert, büßt die Casa nichts von ihrer Anziehungskraft ein.
Unmittelbar am Hauptmarkt gelegen, erstreckt sie sich über zwei Stockwerke. Im ersten Stock befinden sich das Ladengeschäft, eine helle Tageslounge sowie der begehbare Humidor mit Schätzen aus Nicaragua, Honduras und der Dominikanischen Republik. Die kubanischen Schätze hingegen residieren eine Etage höher, separiert in einem eigenen großzügigen begehbaren Humidor. Zugang zu diesem zweiten Stockwerk erhielt man bis vor Kurzem nur als Käufer kubanischer Zigarren oder im Rahmen privater Veranstaltungen. Man munkelte allerdings, dass dieser Bereich in den Wintermonaten aufgrund des Andrangs häufiger geöffnet wurde.
Als ich ankam, konnte ich gerade noch einen der begehrten Plätze ergattern. Nach einem kurzen Abstecher in den kubanischen Humidor fiel meine Wahl auf eine Hoyo de Monterrey Epicure Especial – klassisch, ausgewogen und dem Besuch der Casa absolut angemessen. Die Zigarre erwies sich durchweg als treue Begleiterin. Ein überaus positives Raucherlebnis, welches ich nicht in allen Nuancen sezieren möchte – eigenes Probieren geht über Studieren. Nur so viel: Eine klare Empfehlung sei an dieser Stelle ausgesprochen.
Der Besuch der Casa ist weit mehr als das bloße Rauchen einer Zigarre. Die Augen wandern unweigerlich über die aufgebahrten Humidore und Accessoires, die zum Begutachten und zum Gespräch einladen. Die offene Gestaltung des Loungebereichs tut ihr Übriges: Fremde bleiben hier selten lange fremd, Gespräche entstehen beiläufig, getragen von der gemeinsamen Leidenschaft.
Das Flair der Lokalität ist schwer in Worte zu fassen – vielleicht am ehesten mit Gastfreundschaft auf Augenhöhe. Man fühlt sich hier weniger als bloßer Kunde, vielmehr als willkommener Kollege in einem Gespräch unter Aficionados. Fachsimpeleien gehören zum guten Ton und obwohl sich im Laufe des Nachmittags die Belegung der Plätze sichtbar veränderte, blieb die Atmosphäre stets entspannt, nie gedrängt oder gar unruhig.
Die Bewirtung erfolgt, den gesetzlichen Vorgaben entsprechend, ausschließlich in Form warmer Getränke. Zwar warten in den Regalen der Casa zahlreiche edle Spirituosen und Raritäten auf ihre Erwerber, doch zum Verkosten bleiben sie dem Gast vorenthalten. Ein kleiner Wermutstropfen, der dem Gesamterlebnis jedoch keinen Abbruch tut. Tee oder Kaffee werden angeboten und erweisen sich als dezente, unaufdringliche Begleiter des Rauchgenusses. Für diesen Service fällt eine geringe Pauschale an; der Aficionado erhält im Gegenzug Heißgetränke in wohltuender Unbegrenztheit – so viel, wie dem eigenen Genuss zuträglich ist. Insgesamt ein mehr als fairer Obolus, bedenkt man, wie sehr diese Geste den Aufenthalt aufwertet und sich dabei im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben bewegt.
Neues Raumkonzept zur Freude der Aficionados
Inzwischen wurde die Casa im Rahmen der Übernahme durch die Dominique London Group auch neu konzipiert. Der Eingangsbereich mit dem Humidor der „Non-Cubans“ dient mittlerweile als reiner Verkaufsraum. Der lang gehegte Wunsch der Aficionados wurde erhört und die Lounge im Obergeschoss installiert. In gediegener Atmosphäre und unmittelbarer Nähe zum kubanischen Humidor konnte durch diese Umstrukturierung der Zigarrengenuss nochmals erhöht werden.
Fazit
Am Ende bleibt festzuhalten: Die Casa del Puro dürfte den meisten Lesern dieser Seite vermutlich ein Begriff sein. Doch gerade das macht den Reiz aus – denn ein Besuch bedeutet nicht, Bekanntes einfach abzuhaken, sondern es jedes Mal aufs Neue zu erleben. Durch den Wechsel der Tageslounge in das atmosphärischere Obergeschoss dürfte sich ein neuerlicher Besuch für viele Aficionados lohnen. Für mich war es ein rundum gelungener Nachmittag, geprägt von feinen Zigarren, guter Stimmung und einer Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Nichts weniger war zu erwarten – und doch kann man der Casa eine klare Besuchs- und Einkaufsempfehlung aussprechen.