04-04-14 13:23 Alter: 12 yrs
VON:GH
Davidoff Chateau Haut Brion • Wenn man Geschichte rauchen kann.
Es gehört zu den Sternstunden eines Zigarrenrauchers, wenn er eine Davidoff in Händen hält, insbesondere, wenn sie 30 Jahre alt ist.
 |   Davidoff Chateau Haut Brion – mit erhabenem Zigarrenring. Ca. 30 Jahre alt. (Dieses Exemplar gibt es natürlich nicht mehr.)
|
Havanna 1946 – Obwohl auf Kuba keine nennenswerten Weltkriegs-Scharmützel stattgefunden haben, kann man die Folgen des Krieges deutlich sehen. Unmengen der besten Zigarren der Welt lagern in den Hallen. Ihr Verkauf ist in den Kriegsjahren ins Stocken geraten. Es wird Zeit, die Bestände an gut betuchte Zeitgenossen zu verkaufen.
Genf 1946 – Die Schweiz hat den 2. Weltkrieg im Vergleich mit anderen europäischen Ländern relativ unbeschadet überstanden. Hier führt der 1906 in Kiew (Ukraine) geborene Zino Davidoff seinen kleinen Zigarrenladen. Zu dieser Zeit ein schwieriges Geschäft, denn nach den Wirren des Krieges haben die Leute etwas anderes im Kopf als Zigarren. In Genf aber geht es. Die Stadt ist Metropole für Diplomaten und Geschäftsleute aus aller Herren Länder.
Auf Kuba erinnert man sich an Zino Davidoff, der vor dem Kriege etliche Lehrjahre dort verbracht und sich einen Namen als engagierter Zigarrenhändler gemacht hat. Eine Delegation der kubanischen Zigarrenproduzenten trifft sich in Genf mit ihm.
Nach einigen Tagen bei inspirierendem Zigarrenrauch ist man sich einig. Davidoff wird die vorhandenen kubanischen Zigarren verkaufen und zugleich eine in der „Hoyo de Monterrey“-Manufaktur gefertigte Zigarrenserie exklusiv für sich erhalten: die Chateau-Serie. Diese wird zudem nicht in den üblichen Zigarrenkisten sondern in Cabinet-Kisten angeboten. In diesen Vollholzkisten mit Schiebedeckel haben die Zigarren mehr Luft, können besser atmen und sich entfalten. Außerdem bleiben die Zigarren in diesen Kisten rund. Das nur selten beliebte „boxpressing“ entfällt.
Ab 1975 wird die Chateau-Serie mit dem Namen „Davidoff“ versehen. Wie üblich, tragen die Zigarren in den Cabinet-Kisten keine Zigarrenringe. Erst ab 1980 werden Zigarrenringe in der Davidoff-Chateau-Serie angebracht.
Aber nur für kurze Zeit. In den 1980er Jahren kriselte es mehr und mehr zwischen Davidoff (das Unternehmen war inzwischen durch seinen Chef Dr. Ernst Schneider zu einem europaweit agierenden Unternehmen geworden) und den Kubanern. Die Streitigkeiten kulminierten in der Verbrennung von 130.000 kubanischer Zigarren in der Baseler Müllverbrennung, weil sie nicht mehr dem Qualitätsstandard von Davidoff entsprachen.
Jedoch: Nicht der ganze Vorrat verbrannte. Etliche Kisten waren vorher von vorausschauenden und kapitalkräftigen Personen – vielleicht der Erinnerung wegen oder aus anderen Emotionen heraus – sorgsam eingelagert worden. So auch eine Kiste Davidoff Chateau Haut Brion – gefertigt etwa 1984.
Kubanischer Tabak, nach Davidoffs Qualitätsmaßstäben auf Kuba gerollt – da weht bei jedem Zug an der Zigarre ein Hauch Geschichte mit und das Kopfkino gerät in Wallung. Runde 30 Jahre – so lange halten selbst Ehen und Konkubinate nur, wenn sie etwas ganz Besonderes sind.
Mittlerweile sind die raren Restexemplare in die gierigen Blicke einiger Sammler geraten. Auf einer Londoner Auktion im November 2010 wurden drei Zigarren aus einer Kiste Davidoff Chateau Haut Brion für 320 ₤ verkauft. Das macht umgerechnet etwa 130 € pro Zigarre.
Die Chateau Haut Brion verströmt ein breites Aroma, ist vollmundig und sättigend. Die präzise handwerkliche Rollung garantiert einen optimalen Zug. Aber das verwundert nun wirklich nicht.
Davidoff Chateau Haut Brion
ca. 1984
Ringmaß 40 bei 102 Millimeter Länge
Preis: unbezahlbar