Artikel-Single-View
12-04-07 17:13 Alter: 20 yrs

VON:AD

Die HEW Testzigarre und der (Ab-)Brand

Es begab sich, dass ich in München bei Dallmayr am Gründonnerstagvormittag noch eine HEW-Zigarre erstehen konnte. Zuhause, auf dem Lande, nach dem Mittagessen, entschied ich mich, bei strahlendem Sonnenschein mit einem Espresso und einem großen Glas Wasser auf der Terrasse zum Test zu schreiten. Dazu den „Wilhelm Meister“ als literarische Begleitung – einem schönen Nachmittag sowie hoffentlich erfolgreicher Urteilsfindung stand nichts mehr im Wege.



Ich mache mir die ersten Eindrücke von der Zigarre, als zwei Feuerwehrsirenen anlaufen. Ich lausche gespannt, bin ich doch Mitglied unserer kleinen Freiwilligen Feuerwehr.

Erleichtertes Ausatmen. Nicht unsere, sondern die von zwei Nachbarorten.

Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl. Zu Recht. Zwei Minuten später plärrt unser Alarm los. Aufgesprungen und eine kurze Überlegung angestellt: Ein Einsatz kann zwischen 15 Minuten und mehreren Stunden dauern. Lasse ich die Zigarre liegen, wäre der weitere Eindruck hinüber. Also, zwischen die Zähne, zum Auto und mit Bleifuss zum Gerätehaus.

Dort angekommen, muss ich feststellen, dass ich einer der ersten bin. Lediglich das schwerfällige Tanklöschfahrzeug wird gerade besetzt und die Arbeiten, die von diesem Vehikel aus zu verrichten sind, eignen sich nicht zum nebenher Rauchen.

Ich entscheide, in meine Klamotten zu hüpfen und beim Einsatzleitfahrzeug zu warten. Leichte Aufgaben, wie der Funkverkehr im Inneren, würden mir ein Weiterrauchen ermöglichen.

Mich erreicht inzwischen die Alarmmeldung: Brand im Nachbarort. Mein Plan geht nicht auf. Der Kommandant beordert einen Gruppenführer, die Lage mit dem Leitfahrzeug zu erkunden; an mich ergeht der Befehl, eben diesem voraus zu fahren.

Ich bewahre die Nerven. Das Fahrzeug ist klein, leicht und schnell. Das kann man auch rauchend steuern. Ich springe rein, starte, neben mir hüpft der Gruppenführer auf den Beifahrersitz, hinten steigt noch ein Mann zu. Ich spüre Blicke von der Seite und im Nacken. Aber Feuerwehrleute sind tolerante Menschen. Kein Wort. Das braune, inzwischen leicht nasse Etwas in meinem Gesicht wird übergangen.

Wir rasen los, überholen ein langsameres Einsatzfahrzeug innerorts. Ich habe nur einen Gedanken: kräftige Züge nehmen – das Feuerzeug zum Nachfeuern liegt nämlich immer noch auf der Terrasse. Übler Schiefbrand stellt sich ein. Ich ziehe weiter. Wir beschleunigen auf knapp 100 km/h (immer noch innerorts) und ich schalte die Pressluftsirene zu.

Die Zigarre ist nun endgültig heiß geraucht. Wir verlassen den Ort. Scharfer, bitterer Geschmack füllt meine Mundhöhle, das Horn dröhnt in meinen Ohren und der beißende Rauch vernebelt mir die Sicht. Ich fühle mich unendlich männlich.

Wir verlassen den Ort, als der Gruppenführer sich über Sprechfunk bei den Kräften der anderen Feuerwehren am Einsatzort erkundigt und die Meldung bekommt: Brand unter Kontrolle, können wieder einrücken.

Ich entschleunige, schalte die Warnsignale aus und kehre um.

Schade eigentlich. Mein Plan wäre gewesen das Feuer im Alleingang zu bekämpfen und nach getaner Arbeit zwischen Zähnen und Testzigarre hervorzupressen: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“.

So bleibt nur ein stark beeinträchtigtes Urteil über die Zigarre (scharf und bitter!) und eine nette Geschichte.