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12-11-13 08:00 Alter: 13 yrs
VON:DR
Die Onlinemedien und das Rauchen
Eine Bestandsaufnahme.
Merken Sie es auch? Kaum ein Tag vergeht, ohne dass Sie nicht auf den großen Nachrichtenportalen im Internet auf Anti-Raucher-Meldungen stoßen. Rauchgegner können froh sein über die reichenweitenstarken Durchlauferhitzer, die gerne ohne eigene Recherche Nachrichtenagentur- oder PR-Material durchreichen. Nahezu ausschließlich negativ setzen sich viele Medien mit dem Thema Rauchen auseinander und halten mit ihrer Meinung dabei nicht hinterm Berg. Weil etwa der schreibende Journalist selbst oder sein Vorgesetzter Nichtraucher oder gar Rauchgegner ist und es natürlich einfach ist, sich auf die Seite der vermeintlich mehrheitsfähigen Gesundheitsapostel zu stellen. Und hilft alles nichts, weil das Ausgangsmaterial allzu neutral ist, kann man immer noch aus rauchen paffen, aus paffen qualmen und aus qualmen stinken machen, um die eigene Meinung zu verdeutlichen. Rauchen bedeutet in diesem Zusammenhang natürlich Zigarette, Genussraucher, Zigarren oder Pfeifern werden ignoriert - und Cannabis-Konsum, je linker das Blatt wenig überraschend gerne gutgeheißen. Ob diese nicht gerade subtile Art der Beeinflussung der Gesellschaft, die von der Politik bereits bevormundet wird, aber wirklich Aufgabe der Medien ist? Ein Blick in die Archive großer Online-Medien zeigt in einer Stichprobe (eine nicht repräsentative Momentaufnahme ohne Anspruch auf Vollständigkeit), wie einseitig die Berichterstattung übers Rauchen ausfällt. So finden sich zu den Suchbegriffen „Rauchen“, „Rauchverbot“, „Zigarette“ und „Zigarre“ etwa bei „Spiegel Online“ 15 Treffer allein seit September 2013 bis Anfang November. Die Überschriften geben stets die Richtung des Artikels vor: „Fotos entlarven schnelleres Altern von Rauchern“, „So sinnvoll ist die Tabakrichtlinie der EU wirklich“, „Marlboro muss Maybe-Kampagne stoppen“, „Oh mein Gott, Zigaretten“, „EU-Parlament beschließt Schockbilder auf Zigarettenschachteln“, „Wie die Zigarettenlobby Europas Tabakgesetze entschärft“, „Nichtraucher aus Angst“, „Verlorene Lebensjahre“, „Angriff der Rauchmelder“. Alle paar Tage bedient das Portal Gesundheitsapostel mit einer Anti-Rauchermeldung. Süddeutsche.de kommt auf 19 Stücke mit Titeln wie „Landratsamt München stoppt Maybe-Kampagne von Marlboro“, „Zwangsbeglücker mit erhobenem Zeigefinger“, „Noch eine letzte Zigarette“, „Schockierende Bilder sollen Raucher abschrecken“, „Rot wie Risiko“, „Tabakindustrie fürchtet das Gruselkabinett“, „Parteien der Paffer“, „Rauch ins Gesicht blasen ist Körperverletzung“, „Vesuv bald teilweise erkaltet“, „Wir hören lieber auf gute Nachrichten“, „Viel Rauch um viel“ oder „Stinken prinzipiell erlaubt“. Auf mindestens zwei Dutzend (die genaue Zahl ist aufgrund des unübersichtlichen Archivs nicht feststellbar) Texte sogar kommt „Focus Online“, dabei gibt es Klassiker wie „4800 Substanzen im Tabakrauch“, „Staat verdient weiterhin bestens am Rauchen“, „Passivrauchen so gefährlich wie Rauchen“, „Raucher-Krieg in Deutschland“, „Studie über Raucher-Sucht“, „Raucher müssen draußen bleiben“, „Zigarettenqualm, Maßkrug, Besoffene“ oder „EU-Parlament stimmt für Zigaretten-Warnbilder“ - eine Vielzahl der Beiträge sind aber auch Polizeimeldungen wie „Raucher setzt sich mit Spray selbst in Brand“ oder „Im Bett geraucht? Mann stirbt bei Brand“. Bei „Welt Online“ sind es mit 13 Artikel deutlich weniger, zudem ist man offenbar mehr auf wertfreie Information bedacht unter Überschriften wie „Deutscher Tabak ist ein sterbender Wirtschaftszweig“, „New York kämpft gegen Raucher“, „Warum Raucherhusten morgens so richtig fies ist“, „Jeder vierte Deutsche raucht“, „Schocktherapie für Raucher“, „Diese Änderungen kommen auf Europas Raucher zu“, „EU-Parlament stimmt für schärfere Tabakrichtlinie“, „Danke fürs Nichtrauchen“ oder „Tabaklobby verwässert geplante EU-Richtlinien“. In der „Welt Online“ findet sich unter der Überschrift „Zigarre zum Aufstieg“ auch einer der sehr wenigen Hinweise auf eine Zigarre (von Bildunterschriften zu Boris Becker o.ä. abgesehen): Eine solche will der Sportdirektor des 1. FC Köln zum Aufstieg seines Vereins rauchen. Das Schweigen übers Thema Zigarre ist allen Publikationen gemein, ebenso die Zahl der Texte, in denen nicht nur Agenturmaterial nachgeplappert wird oder keine alten Passivrauch-Studien als gegeben hingenommen und kritiklos wiedergekäut werden: null.
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