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25-06-26 08:52 Alter: 61 days

VON:GH

Die Welt der Habanos

Ein Buch, das mehr wert ist als sein Preis.



Es gibt Bücher, die man zur Hand nimmt und sich fragt, warum man nicht früher davon gewusst hat. »Die Welt der Habanos« ist eines davon.

Als Importtitel aus Kuba — einem Land ohne Buchpreisbindung — unterliegt dieses Werk in Deutschland nicht dem Buchpreisbindungsgesetz und ist daher zu einem Preis erhältlich, der seiner Ausstattung und seinem Inhalt kaum entspricht: zwischen 20 und 26 Euro, je nach Händler. Das ist, um es direkt zu sagen, ein Preis, der dem Buch nicht gerecht wird. Eine mittlere Habano bewegt sich in ähnlichen Preisregionen. Und die beiliegende Ringmaßlehre — jene flache, stabile Messschablone mit Öffnungen in allen gängigen Durchmessern, in die man eine Zigarre legt, um ihr Ringmaß zu bestimmen — kostet im Zigarrenzubehörhandel für ein ordentliches Exemplar mitunter mehr als das gesamte Buch, das sie enthält. Das sei zur Einordnung gesagt, nicht zur Werbung.

Im Zigarren- und Buchhandel gleichermaßen erhältlich — eine Kombination, die in diesem Segment nicht selbstverständlich ist —, hat »Die Welt der Habanos« möglicherweise unter genau diesem Preisparadox gelitten: zu günstig, um als ernsthaftes Fachbuch wahrgenommen zu werden, zu unbekannt, um als Geschenk in Frage zu kommen.

Was ist dieses Buch eigentlich?

Es gehört in jene kleine, ehrenwerte Kategorie von Büchern, die man als ewig gültiges Grundwissen bezeichnen darf: Wissen, das sich nicht mit dem nächsten Modelljahr überholt, das man nicht wegwirft, weil ein Update erschienen ist. Auf Kuba wächst noch immer der beste Zigarrentabak. Die Torcedores rollen noch immer auf dieselbe Art. Und die Frage, was eine Habano von einer gewöhnlichen Zigarre unterscheidet, beantwortet kein Wikipediaartikel so anschaulich wie diese 190 Seiten im Schuber.

Das Buch stellt den gesamten Weg einer Habano dar — vom Tabakanbau in der Vuelta Abajo, dem legendärsten Anbaugebiet der Welt, über mehr als 500 manuelle Arbeitsschritte bis zur fertig gerollten Zigarre in der Holzkiste. Diese Zahl ist keine Marketinglyrik: Wer das Buch liest, versteht jeden einzelnen dieser Schritte — von der Trocknung in den Tabakschuppen über die dreifache Fermentation bis zur jahrelangen Reifung.

Besonders gelungen ist das Kapitel über die Torcedores. Die Zigarrenroller Kubas genießen im Land einen Status, den man hierzulande kaum ermessen kann — und das großformatige Bildmaterial, das dieses Kapitel begleitet, macht begreiflich, warum. Wer danach noch eine Habano schnell abbrennt, hat das Buch nicht gelesen.

Das Markenportfolio umfasst auf rund 35 Seiten alle Habanos-Marken in alphabetischer Reihenfolge — von Cohiba bis Vegueros —, jeweils mit Geschichte, Charakteristik und Stärkeangabe. Eine Doppelseite, die den direkten Stärkenvergleich aller Marken zeigt, ist als Orientierungshilfe kaum zu übertreffen. Sie beantwortet in dreißig Sekunden, was ein gut informierter Händler in dreißig Minuten nicht erschöpfend erklären könnte.

Dazu kommen Originalformate im Maßstab 1:1 — man legt die Zigarre aus dem Humidor einfach auf die Seite und weiß, womit man es zu tun hat. Praktischer geht es kaum. Eine Genussanleitung rundet das Werk ab: Anschnitt, Anzünden, Rauchhaltung — und die klare Ansage, dass Benzinfeuerzeuge tabu sind.

Was das Buch nicht ist

Wer eine kritische Analyse der kubanischen Zigarrenindustrie erwartet oder Informationen über Phänomene wie die Sick Phase sucht, wird sie hier nicht finden. »Die Welt der Habanos« ist vom Consejo Regulador de la Denominación de Origen Protegida Habanos (Regulierungsrat der geschützten Ursprungsbezeichnung Habanos) verantwortet — ein Buch, das die Habano in ihrem besten Licht zeigt. Das ist keine Schwäche, solange man es weiß. Es ist ein Buch über die Welt, so wie sie sein soll, und das macht es als Einführung, als Nachschlagewerk für alles Grundsätzliche und als Geschenk zu einem vollkommen verlässlichen Begleiter.

Der Lieferumfang

Im Schuber befindet sich neben der Hardcover-Ausgabe eine CD-ROM mit dem vollständigen Buchinhalt in digitaler Form sowie die bereits erwähnte Ringmaßlehre. Wer ein Buch für 20 Euro kauft und dabei eine Messschablone erhält, für die er separat das Gleiche oder mehr bezahlen würde — der hat ein gutes Geschäft gemacht, auch wenn er es erst beim Auspacken merkt.

Wer das Buch noch nicht kennt, hat etwas verpasst. Wer es kennt, aber noch nicht besitzt, weiß jetzt, was zu tun ist. Und wer es längst im Regal stehen hat: herzlichen Glückwunsch — Sie gehören zur stillen Minderheit der Leute, die wissen, was ein Buch wert ist, bevor es jemand anderes herausfindet.