15-09-07 08:00 Alter: 19 yrs
VON:RD
Großbritannien – armes Britannien
Das einstmals so stolze und große Britannien geht den Bach runter. Ein Reisebericht.
Es sollte geschäftlich wieder einmal nach London gehen; das erste Mal nach In-Kraft-Treten des Rauchverbots.
Da ich wusste, dass Rauchen nun überall in England (außer zu Hause, im Auto oder draußen) verboten ist, hatte ich bereits vor der Reise meine Bedenken und versuchte über verschiedene Internetforen herauszubekommen, ob nicht eine Sondererlaubnis (Clublösung, Flüsterkneipe) existiert, die mir zu einem entspannten Zigarrenrauchen verhelfen könnte.
Niet, No, Non, Nein ...mein verzweifelter Ruf verhallte wie der Ruf des Verdurstenden nach Wasser in der Wüste.
Erst eine E-Mail an http://www.aficionado.org.uk/ wurde hoffnungsvoll beantwortet; man könne in der La Casa del Habano, London, Wardour Street noch Zigarren „sampeln“.
Die LCdH war mir schon von vorherigen Besuchen her bekannt und zum Shopmanager Andrew habe ich einen guten Draht, da ich ihm immer wieder etwas aus meiner Schatzkiste mitgebracht hatte. Also machte ich mich frohen Mutes auf den Weg.
Was für ein (Rauch-)Kulturschock wenn man dann in GB ankommt.
Rauchverbotsschilder überall, an jedem Shop, Gebäude, Pub, Geschäft und auch ... auf der Eingangstür zur Casa.
Ich wollte doch nun wenigstens Andrew begrüßen und dem geschätzten Zigarrenfachmann eine meiner Zigarren schenken.
Nach herzlicher Begrüßung versichert mir Andrew dann: „Natürlich kannst du hier rauchen!“. Ich suche mir etwas aus und lege los. Um in den Genuss eines Drinks zu kommen, muss man allerdings durch eine Verbindungstür in den Barbereich. Die Zigarre wartet so lange im Aschenbecher und wenn man wieder zurückgeht, bleibt der Drink in der Bar.
So geht das mit dem „Zigarre-Sampeln“.
Da die LCdH nur acht Plätze hat, ist das mit dem „Sampeln“ nur bedingt und bei ruhigem Geschäftsbetrieb möglich.
Auf meinen Wegen durch die Londoner Innenstadt musste ich dann häufig größere Ansammlungen von Rauchern umrunden, die vor den Pubs ihrer Leidenschaft frönten.
Was für eine elende Situation, wenn man Englands Rauchkultur und Tabakhistorie bedenkt.
Beginnend mit Sir Walter Raleigh über Oskar Wilde, Winston Churchill, Alfred Dunhill bis hin zu J.J.Fox; und was für eine Ignoranz und Gleichgültigkeit in einem Land, in dem jeder Blumentopf der älter ist als 5 Jahre, vom National Trust geschützt wird.
Great Britannia? Poor Britannia!
Ich habe übrigens während meiner 4-tägigen Reise nur 4 Zigarren geraucht. Ohne Smoking Ban wären es 10-12 gewesen.
Fazit: Der Smoking Ban drückt ganz schön aufs Geschäft. Die Folgen sind abzusehen.