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12-07-11 14:51 Alter: 15 yrs

VON:GH

Hafenfest – wenn der Osthafen zum Malecón wird

Berlins Zigarrenhändler Maximilian Herzog feierte auch in diesem Jahr wieder sein Hafenfest.



Berlins Zigarrenhändler Maximilian Herzog – Willkommen auf dem Hafenfest.


Ausschnitt


Helmut Audrit und Frau


Rainer Speer, Ex-Innenminister von Brandenburg und Zigarrenraucher


Forever young: Christine Haberstock, quirlige Südafrikanerin mit den „Cigar Beauties“ im Hintergrund.


Henry de Winter


v. l.: Ino Mühlmann, Vertriebsleiter Habanos Deutschland; Thomas Hammer, Key Account 5th Avenue; Konstantin Loskutnikov, Erfinder und Mentor der Bossner-Zigarren; Andrei Tsipkin, Verkaufsdirektor der Bossner-Zigarren.


Vom helllichten Tag …


bis in die späte Nacht.

Seit Bestehen des Geschäftes „Zigarren Herzog am Hafen“ gibt es einmal jährlich in der Sommerzeit ein Hafenfest, zu dem in diesem Jahr rund 400 Freundinnen und Freunde der Zigarre erschienen.

Die Lage am Ufer des Osthafens lädt geradezu ein, Havanna-Feeling zu entwickeln, wenn kubanische Zigarrendüfte sich bei Windstille in den Himmel kräuseln.

Die diversen Vertreter der Botschaft müssen sich daher wie zu Hause gefühlt haben, als sie in Vertretung des verhinderten Botschafters Raoul Becerra die Grüße nicht nur des Botschafters sondern auch der kubanischen Regierung überbrachten. Handelsrat Infante wies unter anderem darauf hin, dass derzeit wieder viele Cohiba-Fälschungen auftauchen. Man könne jedoch sicher sein, bei Max Herzog nur Originale und daher beste Ware zu bekommen.

Wie landverbunden und meeresfern Berliner sind, lässt sich erkennen, wenn eine leichte Brise den Verdacht erweckt, es könnten drei bis zehn Regentropfen fallen. Wie eine aufgescheuchte Herde treibt es sie in die Zelte, wo dann auf den Regen gewartet wird – der aber nicht kommt. Und auch der Wind ebbt nach wenigen Sekunden wieder ab. Erlöst zieht der Berliner an der Zigarre und begibt sich vor das Zelt.

Viele dieser Zelte gibt es auf dem Festplatz. Einige sind nur mit Aficionados, andere mit Bars, Buffet und Zigarrenrollerin gefüllt. Max Herzog muss seinen Caterer in der Vergangenheit gut behandelt haben, denn der serviert bis Mitternacht aus vollen Töpfen und Pfannen alles, was man von einem mediterranen Buffet erwarten kann. Dazu ausgezeichneten Rot- und Weißwein. (Z. B.: Barolo 1996 aus der Magnumflasche, weich und samt und bestens zur gereichten Lusitanias passend.) Nicht zu vergessen: Ein eigenes Zelt mit einem Berg von Minze für Mojitos.

Um rund 1.000 % sei seine Miete angestiegen, „jammerte“ Berlins Zigarrenhändler in Anwesenheit des Vermieters Helmut Audrit, lobte aber gleichzeitig nicht nur das angenehme Mietverhältnis, sondern auch den Stil, in dem der Chef der Fernsehwerft das gesamte Hafengelände in den vergangenen Jahren restauriert hat. Weder Audrit noch Herzog wollten zur vorherigen Miethöhe etwas sagen.

Rainer Speer, Ex-Innenminister von Brandenburg hat nun etwas mehr Zeit – und sie dazu genutzt, einige Bonmots aus der Literatur zum Thema Zigarre zusammenzutragen. Diverse Schriftsteller und andere Geistesgrößen kamen zu Wort – nicht ohne in einer für einen Politiker logischen Konsequenz auf Menschen- und Freiheitsrechte zu verweisen. Die europäische Menschenrechtskonvention, so Speer, gewährleiste die freie Religionsausübung. Und genau genommen sei das kontemplative Rauchen einer Zigarre das, was andere in ähnlichen oder grundverschiedenen Gottesdiensten auch machen würden. Wir sollten also als Zigarrenraucher uns schlicht und ergreifend auf die freie Religionsausübung berufen, wenn wieder einmal Nörgelanten und Verbieter im Wege stehen.

Auch dabei: Christine Haberstock, die seit Jahren mit ihrer Serie „Cigar Beauties“ nicht nur das künstlerisch geschulte Auge erfreut. Die gebürtige Südafrikanerin arbeitet seit etlichen Jahren in Berlin. Sie war die Erste, die den Zedernholzblättchen aus Zigarrenkisten ein „Überleben“ sicherte, indem Sie sie mit kleinen Kunstwerken versah.

Henry de Winter, der Berliner Sänger, der einer Zeitmaschine aus den 1920er Jahren entstiegen zu sein scheint, kommt wie immer perfekt gekleidet mit Monokel und Hund.

Vielleicht nicht die weiteste Anreise, dafür aber den entspanntesten Aufenthalt hatte ein Paar aus Ulm, welches für ein Wochenende der Tristesse seines Heimatortes entfliehen wollte; hat es doch mit dem bayerischen Neu-Ulm täglich vor Augen, zu welcher sozialen Langweiligkeit und Intoleranz die Hatz auf Zigarrenraucher führen kann.

War in den ersten Jahren die Anzahl der exaltierten und von neuem Fest zu neuem Fest ziehenden „Partyhopper“ größer, so ist das Hafenfest jetzt in der Mitte der Zigarre rauchenden Bevölkerung angekommen. Nicht nur die 400 Besucher sind ein Zeichen dafür, dass das Hafenfest in Berlin angekommen und zu Hause ist.

Und dann wäre da noch: Die Zigarrenring-Sammelsäule des Hafens. Doch dazu später mehr …