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22-02-24 14:36 Alter: 3 yrs

VON:CARSTEN KLEINMAGD

Hamburg • Buslinie 111 • Die heimliche Zigarrenlinie

Hamburg hat viele Sehenswürdigkeiten. Eine davon ist die Buslinie 111 – entlang diverser Zigarrenorte. Carsten Kleinmagd (Habanos-Experte) hat eine solche Tagesreise unternommen.



Buslinie 111 (Quelle:movietapp.com)


Louis C. Jacob


Hamburger Business-Club


Der Zigarrenmacher, Stefan Appel, Altona


Hafen-Klub Hamburg

Die meisten Fahrgäste der Linie 1 wissen nicht, dass zahlreiche Orte mit dieser Buslinie erreicht werden, an denen eine gute Zigarre und ein edler Tropfen genossen werden kann.

Die Buslinie 111 startet am Elbanleger Teufelsbrück, der seinen Namen von einer ehemaligen Brücke über das kleine Flüsschen Flottbek hat. Der Sage nach half der Teufel einem findigen Kaufmann gegen die erste Seele, die die Brücke überschreitet, beim Bau der Brücke durch das morastige Gelände. Als die Brücke fertig war, freute sich der Teufel zu früh, denn der Kaufmann schickte eine Ziege als erstes über die Brücke. Der Teufel fuhr darauf hin zornig in die Hölle hinab.

Zigarrenlounge Hotel Louis Jacob (Täglich geöffnet)
Hinauf dagegen muss man von der Busstation etwa 1500 Meter zum Hotel Louis Jacob, einem 200 Jahre altem Hotel, gehen. Das in der Stadt bekannte 5-Sterne-Haus hat nicht nur eine erstklassige Küche und einen erst vor wenigen Jahren bei Bauarbeiten entdeckten Weinkeller, sondern auch eine im dänischen Stil gehaltene kleine Zigarrenlounge. Der Stadtteil Nienstedten gehörte bis 1864 noch zu Dänemark, daher sind der Baustil des Hotels an den damals üblichen dänischen Baustil angepasst. Die Lounge selber ist ca. 12 m2 groß und befindet sich direkt neben der Hotelbar. Mit einer Messingklingel in der Wand kann der aufmerksame Service gerufen werden. Empfehlenswert ist die Louis Jacob Torte. Zigarren können mitgebracht werden, aber auch aus einem kleinen Sortiment käuflich erworben werden.

Vor dem Hotel befindet sich eine Bushaltestelle (Linie 112) für den der sich den Weg nach Teufelsbrück zu Fuß sparen will. Die Linie fährt natürlich auch den Berg von Teufelsbrück hoch.

Zigarrenlounge Hamburg Business Club (Nicht öffentlich - nur bei Veranstaltungen)
In Teufelsbrück besteigt man dann die Linie 111 in Richtung Hafencity. Es geht vorbei an herrschaftlichen Villen wohlhabender Hamburger Kaufleute und Reeder bis zur Busstation „Susette Straße“. Hier befindet sich der schöne kleine Park „Donnerspark“ in dessen Parkmitte die Plangsche Villa steht. In der Villa selbst befindet sich einer der vielen Hamburger Business Clubs. Wer kein Club-Mitglied ist, findet nur schwerlich Einlass, kann aber bei öffentlichen Veranstaltungen, die regelmäßig stattfinden, auch die hauseigene und elegante Zigarrenlounge mit nutzen. Sie hat die für einen Altbau üblichen hohen Decken, einen kleinen Kamin und stylische Sessel und Stühle.

Der Zigarrenmacher (Alte Königstraße 4, 22765 Hamburg, Geöffnet Di - Sa)
Ein Kleinod ganz besonderer Art ist der Zigarrenmacher in der alten Königstrasse in Hamburg Altona. Kein Wunder also, dass dieser Ort und sein Betreiber bereits häufiger Gegenstand der Zigarrennachrichten war. Der Bus hält hier an der Station „Rathaus Altona“. Hier betreibt Stefan Appel ein gut sortiertes Zigarrengeschäft, welches schon seit 1922 besteht. Das besondere an diesem Geschäft ist ein alter Zigarrenwickelbock, an dem Stefan Appel regelmäßig und nach Voranmeldung für kleine Gruppen die Kunst der Zigarrenherstellung vorführt. Selbstverständlich darf gerolltes Gold auch in der hauseigenen Zigarrenlounge verkostet werden. Diese befindet sich im hinteren Teil des Ladengeschäfts und bietet mit 12 m2 Fläche und vier bequemen Ledersessel ausreichend Platz für genussvolle Momente. Sollten weitere Genießer dazustoßen, werden schnell ein paar Notsitze geschaffen, so dass es mitunter ein sehr geselliges Miteinander im Hinterzimmer gibt. Eben ganz im Sinne alter dänischer Gastlichkeit, denn bis 1863 gehörte dieser Teil Altonas noch zu  Dänemark.

Zigarrenlounge Hafen-Klub Hamburg (Nicht öffentlich - nur bei Veranstaltungen)
Die internationale Gastlichkeit wird ein paar Stationen weiter an der Haltestelle „Landungsbrücken“ gepflegt. Hier befindet sich zwischen zwei alten Brückentürmen ein modernes Gebäude, das den Hamburger Hafenclub beherbergt. Dieser Club, der vorzugsweise Mitgliedern der Hafenwirtschaft vorbehalten ist, besitzt auch eine schöne Zigarrenlounge in den Clubräumen –mit einem offenen Kamin. Wer geschäftlich in Hamburg verweilt und eine Einladung in den Club erhält, sollte diese unbedingt annehmen, denn dieser Club ist leider nicht öffentlich zugänglich.

Casa del Habanos Hafencity
Mit dem Bus geht es weiter entlang der hohen Flutschutzanlage, welche nach der verheerenden Sturmflut von 1963 errichtet wurde, bei der große Teile der Hamburger Innenstadt verwüstet wurden.

In fußläufiger Entfernung finden wir die zweite und neue Casa del Habanos von Christoph Wolters. Sie bietet alles was das Herz des Liebhabers kubanischer Zigarren höher schlagen lässt. In der Tat ist die Anreise mit dem Bus  empfehlenswert, da trotz Parkhäusern zu saftigen Preisen ein chronischer Parkplatzmangel herrscht. Die Casa bietet innerhalb des Ladens die Möglichkeit, zu ausgewählten Spirituosen und Kaffee eine kubanische Zigarre zu verkosten. Hierzu lädt eine feine Sitzgruppe aus hochwertigem Leder ein. Im kommenden Sommer soll es möglich sein, draußen vor dem Geschäft und somit direkt am Boulevard zu rauchen. Maritimes Feeling gepaart mit einer würzigen Havanna – was gibt es Schöneres?

Zwei Stationen weiter endet die Buslinie 111.