10-06-26 11:17 Alter: 76 days
VON:GH
Henry Clay - War Hawk - Corona — wenn ein Zigarrenname Geschichte macht
Zur Zugfahrt mit Zigarre am 11. Juli gehört eine Zigarre mit einer bemerkenswerten Herkunftsgeschichte. Die Henry Clay War Hawk Corona verbindet einen der ältesten Zigarrennamen Amerikas mit einem Politiker, ohne den die Eisenbahn in den USA vielleicht nie gebaut worden wäre.
Unter den sieben Zigarren, die das Paket zur Zugfahrt mit Zigarre am 11. Juli 2026 enthält, verdient eine besondere Aufmerksamkeit — nicht nur wegen ihres Tabaks, sondern wegen des Namens, den sie trägt.
Die Zigarre
Die Henry Clay War Hawk Corona ist ein Produkt von Altadis U.S.A., hergestellt in der Tabacalera Flor de Copán im nordhonduranischen Copán. Sie misst RM 44 | 127 mm und ist vollständig von Hand gefertigt (Totalmente a Mano, Longfiller). Das Deckblatt stammt aus Ecuador — ein milder Connecticut Shade, seidenmatt mit feinen Adern. Das Umblatt ist ein kräftiger Connecticut Broadleaf aus Honduras; die Einlage besteht vollständig aus honduranischem Criollo 98.
Der deutsche Importeur 5th Avenue Products aus Waldshut-Tiengen beschreibt den Charakter so: mittelkräftig, mit floralen Noten, getrockneten Früchten, Zedernholz, Leder, Mandel, Kaffee, Vanille und Muskatnuss im Aroma; im Geschmack geröstet und holzig, mit süßlicher Walnuss, geräucherter Zeder, Kokosnuss, Zimt und Pfeffer. Der Abbrand sei gleichmäßig.
In Deutschland ist die Marke erst seit Frühjahr 2025 erhältlich — als vierte nichtkubanische Marke im Portfolio von 5th Avenue, nach Vega Fina, Flor de Copán und Capitol. Wer die Zigarre auf der Zugfahrt zum ersten Mal in der Hand hält, raucht also eine sehr frische Bekanntschaft.
Der Mann hinter dem Namen
Henry Clay wurde am 12. April 1777 in Hanover County, Virginia, geboren — sein Vater ein Tabakbauer und baptistischer Prediger, der starb, als Henry vier Jahre alt war. Was aus diesem Jungen werden würde, war zu diesem Zeitpunkt nicht abzusehen. Was tatsächlich aus ihm wurde, ist für eine Zugfahrt durch Niedersachsen von einiger Relevanz.
Clay zog 1797 nach Lexington, Kentucky, wurde Anwalt und Politiker — und stieg so weit auf, dass er mehrfach als Speaker of the House amtierte, als Außenminister diente und dreimal für das Präsidentenamt kandidierte. Dreimal verlor er. Er war offenbar besser darin, andere zu überzeugen, als selbst gewählt zu werden. Die Library of Congress nennt ihn den „The Great Compromiser": Der Missouri-Kompromiss von 1820 und der Kompromiss von 1850 tragen wesentlich seine Handschrift — beide Male verhinderte er, zumindest vorübergehend, dass die junge Nation an der Sklavenfrage auseinanderbrach.
Das American System — oder: Wer baut eigentlich die Eisenbahn?
Clay war kein Mann halber Ideen. Sein wirtschaftspolitisches Programm, das er American System nannte, sah vor, dass der Bundesstaat Straßen, Kanäle — und später Eisenbahnen — finanziert. Die Logik war einfach: Wenn Farmer im Westen ihre Ernte in die Städte des Ostens bringen können, wächst die Nation. Wenn nicht, zerfällt sie. Clay wollte sie zusammenhalten — mit Schienen, wenn es sein muss.
Er selbst erlebte den großen Eisenbahnboom nicht mehr vollständig. Aber sein politisches Erbe wirkte nach. Abraham Lincoln, der Clay als sein großes Vorbild bezeichnete, unterzeichnete 1862 den Pacific Railways Act — den Startschuss für das transkontinentale Schienennetz der USA. Ohne Clays jahrzehntelange Vorarbeit hätte dieser Moment einen anderen Kontext gehabt, oder einen anderen Mann gebraucht.
Der letzte Zug
Henry Clay starb am 29. Juni 1852 in Washington, D.C., an Tuberkulose. Er war 75 Jahre alt. Als erstem Amerikaner überhaupt wurde ihm die Ehre zuteil, in der Kapitolsrotunde aufgebahrt zu werden — Abraham Lincoln folgte als zweiter, dreizehn Jahre später.
Dann fuhr der Zug. Sein Leichnam wurde per Eisenbahn und Dampfschiff von Washington nach Lexington, Kentucky überführt. Die Britannica schreibt, Millionen von Menschen seien entlang der Strecke zusammengekommen, um den Zug passieren zu sehen. „Diese Reise selbst war ein Zeugnis für den Erfolg seines American System bei der Modernisierung der Infrastruktur des Landes", heißt es dort.
Der Mann, der die Eisenbahn politisch möglich gemacht hatte, fuhr mit ihr nach Hause. Es war seine letzte Reise — und wohl auch seine eindrucksvollste.
Und der Krieg?
Den Namen War Hawk trug Clay, weil er 1811/12 als Speaker of the House die treibende Kraft hinter der Kriegserklärung gegen Großbritannien war. Der Begriff wurde ursprünglich als Spottname geprägt — und blieb an Clay haften wie Tabakrauch an einem Wollmantel. Heute bezeichnet er politisch jemanden, der militärische Mittel bevorzugt. Für Altadis U.S.A. war er Anlass genug, 2019 eine neue Zigarrenserie nach diesem Kapitel aus Clays Leben zu benennen.
Auf der Zugfahrt am 11. Juli interessiert uns das eher peripher. Was zählt: Die Zigarre in der Hand trägt den Namen eines Mannes, der Amerika auf Schienen gestellt hat. Das passt.
www.artofsmoke.de/zugfahrt-mit-zigarre/