22-04-12 14:35 Alter: 14 yrs
VON:KOLJA K.
Herzog am Hafen: 1. Schiff verproviantiert
Premiere bei Berlins Zigarrenhändler Herzog am Hafen. An der „herzoglichen“ Anlegestelle legte erstmals ein Schiff an um Zigarren zu bunkern. Hier der Bericht des Kapitäns Kolja K.
 |   Die herzogliche Anlegestelle im Berliner Osthafen
  Warten an Bord
  Die Geduldigste von allen – Julia
  Was bleibt, ist der Zigarrenring
  Die Zigarren werden in einem wasser- und stoßfesten Humidor an Bord gebracht. Kapitän Kolja (li.) und Erik Krull vom Hafenteam.
  Mit einer Aqua Classic …
  … im Berliner Morgengrauen …
  … am Bundestag vorbei …
  … zur Anlegestelle des Zigarrenhändlers in Berlin. (Alle Bilder: Kolja K. und Julia S.)
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Der diesjährige April vermochte es nun schon an einigen Tagen, uns Aficionadas und Aficionados mit den kläglich ersehnten Sonnenstrahlen zu erfreuen. Bei der Planung unseres nautischen Kurztrips nach Berlin, Potsdam und Umgebung haben meine Freundin und ich in optimistischer Manier darauf gehofft, dass uns auch bei unserem Exkurs in die Hauptstadt das Wetter verwöhnen wird. Besonders wichtig war mir die Wetterbeständigkeit, weil ich für den Spreeabschnitt der Reise eine kleine Besonderheit geplant hatte. Es sollte ein Besuch bei „Herzog am Hafen“ erfolgen, allerdings nicht wie üblich per PKW, sondern per Motoryacht. Eine Unternehmung, die, wie ich im Anschluss an den Besuch erfahren habe, noch kein Kunde vorher durchgeführt hat.
Die am Cityport Werder gecharterte 10,50 Meter lange, 13 Tonnen schwere und mit einem 128-PS-Deutz-Motor ausgestatte „Aqua Classic 1050“ sollte uns für fünf Tage gleichermaßen als Transportmittel und als Dach über dem Kopf dienen. Gestartet in Werder an der Havel begannen wir, nach Proviantaufnahme mit Produkten aus der Region, unsere erste eigenverantwortliche Schiffsreise. Der erste Tag unseres Exkurses durch die Fluss- und Seenlandschaft des Großraums Berlin führte uns durch Potsdam, über den Wannsee und schließlich auf die Spree.
Vor der Einfahrt in den innerstädtischen Bereich der Spree haben wir erfahren, dass der Verkehr für Sportschiffe ohne Funk an Bord zwischen 9:00 und 19:00 Uhr verboten ist. Dieses Verbot ist zurückzuführen auf eine erforderliche Kommunikation mit der Berufsschifffahrt, weil bedingt durch wasserseitige Baustellen eventuell eine koordinative Absprache mit anderen Schiffen erfolgen muss. Über eine bordeigene Funkeinrichtung verfügten wir allerdings nicht und ein Mobiltelefon stellte natürlich keine Alternative dar. Die Berufskapitäne kennen meine und ich umgekehrt ihre Telefonnummer logischerweise nicht. Somit waren wir gezwungen, bis 19 Uhr mit unserer Einfahrt in die Innenstadt zu warten. Problematisch war diese Regelung für uns eigentlich nicht, so schafften wir es noch nach der Verbotszeit, einige Kilometer auf der Spree zu fahren. Mit direktem Blick auf den Bundestag konnten wir anlegen und unser Nachtquartier einrichten. Allerdings mussten wir am nächsten Tag bis neun Uhr die Mühlendamm-Schleuse, unweit von Herzog am Hafen, erreicht haben. Erst ab dort war das genannte Fahrverbot wieder aufgehoben. Dementsprechend haben wir uns entschieden, noch vor dem erneuten Fahrverbot aufzubrechen und vor neun Uhr die Schleuse zu erreichen.
Nach dem Passieren der Schleuse erreichten wir Zigarren Herzogs Privatanlegestelle schon gegen halb zehn, was somit noch über eine Stunde vor der Öffnungszeit war. Auch diese kleine zeitliche Diskrepanz stellte kein Problem für das Team von Dr. Herzog dar. Nach einem Telefonat am Vortag wurde es uns erlaubt, schon vor der Öffnungszeit anzulegen.
Wie bestellt, hatte sich die triste und regnerische Witterung des vorherigen Tages zu wolken- und windfreiem Kaiserwetter entwickelt. Ein Grund mehr, ein spätes Frühstück, eine gute Puro und einen Irish Coffee an Deck des Schiffes zu genießen. Sollten sich Beamte der Berliner Wasserschutzpolizei unter den Lesern dieser Zeilen befinden, so ist der Konsum des Irish Coffee erfunden. Allen anderen kann ich gerne das vorzügliche Rezept per E-Mail zukommen lassen.
Durch das ausgedehnte Frühstück und das beschriebene „Dessert“ (siehe Bild) war es uns ein Leichtes, die Zeit bis zur Öffnung des Ladens zu überbrücken.
Prompt um kurz nach elf wurden wir freundlich von Herrn Krull begrüßt und das Tor der Anlegestelle wurde uns geöffnet. Gut gestärkt und in bester Laune betraten wir darauf die, für die habanophilen unter uns, „heiligen Hallen“. Erneut wurden wir von Herrn Krull willkommen geheißen und schnell wies er mir den Weg in den Klimaraum. Mein Eifer, mich in das braune Gold zu stürzen, stand mir wohl ins Gesicht geschrieben. Nach längerer angeregter Unterhaltung und Fachsimpelei über die zweitschönste Sache der Welt wurde mir bewusst, dass ich meine Freundin Julia nicht wirklich gentlemanlike auf einer der schweren Ledercouchen habe „sitzen lassen“, ohne Getränk und ohne Vitola.
Glücklicherweise bin ich mit einer nicht allzu nachtragenden besseren Hälfte gesegnet, die mir lächelnderweise nur ein gespieltes Augenrollen entgegnete, als Herr Krull und ich wieder aus dem Humidor heraustraten. Reumütig bestellte ich ihr einen Latte Macchiato und sogar die Nutzung der zuvor in Werder gekauften Frischmilch im Heissgetränk war für Herrn Krull kein Problem. Auch diesen Wunsch hat er ihr mit einem Lächeln auf dem Gesicht gerne erfüllt.
Nachdem wir im wunderbar warmen Sonnenlicht unsere Puros genossen haben, ist natürlich auch die „Art of Smoke Zigarrenring-Sammelsäule“ nicht zu kurz gekommen und um drei weitere Ringe bereichert worden. Im Anschluss an den Genuss meiner Upmann Noella aus dem Glasjar habe ich noch einige limitierte Raritäten und „Casa“-exklusive Zigarren erstehen können. Mit diesen wurde der wasser- und stoßfeste Bordhumidor befüllt, welcher mir von Herrn Krull bei der Verabschiedung übergeben wurde. Für uns und vor allem für mich war es eine tolle Erfahrung, exzentrisch zwar, vielleicht auch etwas zu hedonistisch, aber wir wären keine Genussmenschen, wenn wir nicht genau wegen solcher extravaganten Erfahrungen Freude an den schönen Dingen des Lebens finden würden.
Besonderen Dank noch einmal an Erik Krull, der unseren Aufenthalt zu einem wirklich schönen Erlebnis gemacht hat.
An Bord von Schiffen gilt übrigens für den Fall, dass das Schiff sinkt und die Rettungsboote bestiegen werden müssen: „Frauen, Kinder und Zigarren zuerst.“