28-07-15 11:11 Alter: 11 yrs
VON:ALF BUSCH, SMOKÜN FRIENDS
Hier liegen meine Gebeine …
… ich wollt, es wären Deine.
 |   Purzelbäume am Grab des lachenden Philosophen (Bild: Alf Busch)
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Auch in diesem Jahr purzelte man wieder über das Grab des Philosophen Carl-Julius Weber.
Geboren 1767 in Langenburg, entwickelte Carl-Julius Weber nach seinem Studium und seiner Tätigkeit als gräflicher Privatsekretär und Landtagsabgeordneter eine außergewöhnliche literarische Tätigkeit.
Mit einer stets gestopften Pfeife begann er mit der Schriftstellerei, 1819 veröffentlichte er sein erstes Werk über die „Die Möncherei“, es folgte das 4-bändige Werk „Deutschland oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen“, das sich zum Reiseführer des Biedermeier entwickelte. Die bekannteste Publikation war der 12-bändige „Demokritos“, der sich im 19. Jahrhundert zum Bestseller entwickelte. Am 19. Juli 1832 verstarb er in Kupferzell, wo er auch begraben wurde. Sein Grabstein steht heute noch an der Friedhofmauer.
Er hatte für diesen Grabstein als Text "Hier liegen meine Gebeine, ich wollt´, es wären Deine" gewählt.
Seine Familie verwarf diese Grabinschrift und wählte statt ihrer:
Jocosus, non impius vixi,
Incertus morior, non pertubatus,
Humanum est nescire et errare,
Ens entium misere mei.
Ich scherzte gern, doch gottlos lebt ich nicht.
Ich weiß im Sterben Nichts, doch fürcht ich kein Gericht.
Der Menschheit Los ist: Irrend, unwissend seyn.
Du Wesen aller Wesen! Erbarm Dich mein!
Über ein anderes Vermächtnis konnte sich die Familie jedoch nicht hinwegsetzen. Auf des Philosophen Geheiß hin soll man an seinem Grab Zigarren rauchen und Purzelbaum schlagen.
Vor Jahren hat der Kupferzeller Gemeinderat an Tagen, an denen die Gemeinderatssitzung auf den Todestag fiel, die Gelegenheit genutzt, des „lachenden Philosophen“ mit Zigarren am Grab zu gedenken. Im Jahre 2009 wurde von Mitgliedern der SmoKÜN Friends die Idee geboren, dieses Ereignis jährlich zu begehen. Mittlerweile zum 7. Mal zum 183. Todestag wurden wieder zahlreiche Philosophieverehrer von der politischen Gemeinde und von den SmoKÜN Friends eingeladen. Es wurden Zigarren angezündet, der Bürgermeister legte eine eingetopfte Tabakpflanze am Grabstein ab und überraschte mit einer gereimten Festrede. Der Sänger Peter Baudsch trug mit tiefgründigen Liedern zum Gelingen der Veranstaltung bei. Nebenbei wurden einige Purzelbäume geschlagen und man legte die Zigarrenstummel am Grabstein ab.
Das Ganze wurde von einem Kamerateam des SWR 3 aufgezeichnet und im Rahmen der Landesschau am 20.07.2015 ausgestrahlt. Anschließend traf man sich zum traditionellen Umtrunk mit Mouschd (Apfelwein), Wein und Schmalzbrot und natürlich Zigarren. Getreu dem Motto des Carl-Julius Weber feierte die fröhliche Gesellschaft bis in die frühen Abendstunden.
Die nächsten Purzelbäume werden unter umfangreichem Zigarrenrauch am Dienstag dem 19. Juli 2016 auf dem Friedhof von Kupferzell geschlagen.