30-09-16 10:37 Alter: 10 yrs
VON:GH
Hof Bockhop – über Serpentinen in die Zigarrenlounge
Links – Rechts – Links – Rechts – 34 Produzenten buhlen um die geneigte Aufmerksamkeit.
 |   Innenansicht: Zigarrenlounge auf Hof Bockhop
  Björn Bertram, Evangelist von und für MACKMYRA
  Die reetdachgedeckte Zigarrenlounge auf Hof Bockhop (alle Bilder: Petra Hahn)
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Es beginnt im kleinen Hofladen mit einem Holunderlikör. Hier ist die große Flasche ratsam. Zum einen weil der Likör eh recht wenig Alkohol beinhaltet, zum anderen, weil der Inhalt nicht nur den Weg in die Lounge sondern auch den Aufenthalt in der Lounge „durchhalten“ muss.
Käse, Kuchen, Kaffee, Gurken, Essig, Senf, Fleich, Wurst, Brot – alles was ein Bauernhof so produzieren kann, wird feilgeboten. Man muss nur dem roten Teppich folgen. Ist der zu Ende, kommt Wiesengras, dann noch ein Häuschen mit handgefertigtem Schmuck – und endlich die Zigarrenlounge. Mit Reetdach. Da hat auch die örtliche Feuerwehr keine Bedenken. „Zigarrenraucher können mit Feuer umgehen. Da passiert nichts.“
Drinnen ein paar gemütliche Sessel, die mehr an einen Thron denn an ein bäuerliches Sitzmöbel erinnern. Gegenüber eine üppige Phalanx von Whisky. Nicht irgendeiner, sondern einer aus Schweden. Mackmyra. Ist neu und offenbar gut. Sonst hätte Björn Bertram dafür nicht seinen genussreichen Job bei Arnold André aufgegeben.
Daneben eine kleine und feine Auswahl nicaraguanischer Zigarren. Die Bandbreite ist zwar deutlich schmaler als beim Whisky, aber für den Nachmittag eines Hoffestes reicht es allemal.
Hinsetzen, Zigarre anzünden – und in den folgenden Stunden ein wahres Panoptikum menschlicher Verhaltensweisen erleben. Milieustudien beginnt man am besten so.
Typ Altbauer mit Ehefrau: „Oh, das riecht aber gut hier“, freut sich die Frau. „Wie früher, als Du noch Zigarren geraucht hast.“ Das Gesicht des Altbauern ist schwer zu interpretieren. Träumt er von Zeiten, in denen er mit einer Tropenschatz auf dem Trecker saß und die Felder pflügte oder weiß seine Frau nicht, dass er inzwischen bei Buena Vista angelangt ist?
Typ Veganer 3.0 (Ich esse nichts, was einen Schatten wirft) mit pubertierendem Sohn. Das ausgemergelte und gegerbte Gesicht Gesicht des Vaters erzählt von einem entbehrungsreichen und genusslosen Leben. Er hatte maximal einen lustvollen Moment im Leben. Das Kind ist sichtlich irritiert, fast schon verstört. Menschen, die in Sesseln sitzen und etwas in der Hand halten, an dem sie offenbar mit Genuss ziehen und dann auch noch Qulam ausblasen – von so etwas hatte man ihm noch nie erzählt, geschweige denn, es ihm gezeigt. Das Gesicht des Vaters spiegelt blankes Entsetzen wieder – als sei der Leibhaftige über ihn gekommen. Er nimmt seinen Sohn bei der Hand und zerrt den neugierigen Jungen gegen dessen Willen vom Sündenpfuhl weg.
666 Jahre ist Hof Bockhop jetzt alt. Von den meisten Jahren kann Hans Bockhop Geschichten erzählen oder auch Vorträge halten. Er macht einen recht zufriedenen Eindruck. Kann er auch. Seine Ländereien werden via Telefon bewirtschaftet, hin und wieder wird etwas Holz verkauft und: Ehefrau Melanie arbeitet Stunde um Stunde und Tag für Tag auf dem Hof und produziert all das Süße, was zur Zigarre passt. Likör, Gelee und Fruchtsaft vom eigenen oder benachbarten Hof.
Die Zigarrenlounge ist einmal jährlich anlässlich des Hoffestes geöffnet. In der übrigen Zeit nur nach Absprache.