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16-12-14 06:59 Alter: 12 yrs

VON:M. J.

Humidor als Eigenbau

Ein lehrreicher Weihnachtsbrief.













Die besten Ideen werden aus der Not heraus geboren. So war das auch mit meinem Humidor. Beim Stöbern auf der Seite von Marc André bin ich über seine Humidor-Bauanleitung gestolpert – und schon habe ich das fertige Stück vor meinem geistigen Auge gesehen.

Angefangen hat alles, nachdem mein Tischhumidor zu klein wurde. Ich brauche das wohl keinem erzählen, denn vor diesem Problem standen Sie alle schon.

Also einfach mal etwas Zedernholz bestellt. Das alleine gestaltete sich schon etwas schwieriger als erwartet, denn die meisten Händler liefern nur Bohlen und einen Schrank wollte ich nicht unbedingt fertigen.

Kurzum: Drei Adressen kann ich Ihnen empfehlen, so Sie denn auch einmal Hand anlegen möchten: humidorbau.de, nebelheim-tonholz.de und espen.de.

Das Lustige an beiden letzteren Firmen ist, dass Sie so viele Nachfragen erhalten, dass sie extra eine Sparte für die Humidorbauer eingerichtet haben.

Erwerben können Sie hier die klassische spanische Zeder (cedrela odorata – welche im Übrigen zur Gattung der Mahagoni-Hölzer gehört) oder auch andere Mahagoni-Hölzer, die regelmäßig im Humidorbau Verwendung finden.

Mit den gelieferten Holzbrettern habe ich die Kiste mal provisorisch „zusammengesteckt“.

Da es das Zedernholz mit einer Brettdicke von 1,5 cm nicht breiter als 15 cm gab, habe ich mehrere Bretter bestellt und diese dann zu zwei Platten verleimt.

Für die Holzverbindungen habe ich mich an den Kanten für den einfachen Gehrungsschnitt entschieden.

Eine Dübel- oder Fingerzinkenverbindung wäre sicherlich auch machbar gewesen, erschien mir jedoch nicht nötig.

Zuerst wurde die geschlossene Kiste gefertigt. Mein Exemplar hat die Maße 45 x 23 x 20 cm (L x B x H).

Für die Oberflächengestaltung habe ich tatkräftige Unterstützung in Form eines großen Kartons mit einer Menge leerer Kabinettkisten erhalten. Mein besonderer Dank an dieser Stelle geht nach Waldshut-Tiengen zu Christoph Puszkar (5THAvenue). Es war eine ganze Menge Arbeit, die Kisten von allem Papier zu befreien und in Einzelteile zu zerlegen.

Mein Tipp: alles im Backofen moderat (50-80° C) erwärmen. Dann sparen Sie sich den Umgang mit dem Föhn oder gar Chemikalien und die ganzen Aufkleber lassen sich sehr gut abziehen.

Um stabile Kanten zu erhalten, habe ich mich für eine Randeinfassung aus einem sehr harten Holz entschieden. Amarant war meine Wahl. Eine Holzart, die sich zumeist in einem tief lila Farbton präsentiert.

Dazu habe ich meine Box an jeder Seite 6 mm abgefräst, anschließend 12 mm Kanthölzer aufgesetzt und an jeder Ecke auf Gehrung geschliffen.

Der sich daraus ergebende Überstand von 6 mm fasst alle Embleme wie eine Art Rahmen ein.

Ausführungen zur anschließenden Sisyphusarbeit erspare ich Ihnen und lasse lieber Bilder sprechen.

Nachdem nun alle Seiten fertig waren, übergab ich mein Werk an einen befreundeten Restaurator. Ich wollte eine gelungenes Oberflächenfinish und nicht meine Arbeit von zwei Jahren zunichte machen.

Schelllack, Harzfinish oder Politur, ich habe mich eingehend erkundigt und kam zu dem Schluss, dass ich es eigentlich nur versauen könnte, wenn ich selber Hand anlegen würde.

Schlussendlich sollte ich Recht behalten. Denn was ich in Empfang nehmen durfte übertraf all meine Erwartungen. Vorerst jedoch mit einem faden Beigeschmack. Denn die aufgetrennte Kiste war nicht nur außen sondern auch innen lackiert.

Wie man aber auf dem Bild mit dem Befeuchtungselement sehen kann, ist das Holz nicht lange genug gelagert worden und harzt noch ziemlich aus. Von daher schließt der Lack dieses Problem ein und ist doch so dünn, dass man das Holz noch riechen kann. Daher bin ich nun gar nicht mehr so traurig, dass der Humidor innen auch lackiert ist. So riecht man also nichts außer dem unverfälschten Zigarrenaroma.

Deckel und Unterteil werden durch zwei große Quadrantscharniere verbunden, mit denen sich der Humidor öffnen und schließen lässt. Diese habe ich per Ständerbohrmaschine und einem 10 mm Holzfräser eingelassen.

Aufgrund der inneren Lackierung habe ich mir die Auskleidung des Humidors mit einem kompletten Lining erspart, da der direkte Kontakt der Zigarren mit dem noch ausharzenden Zedernholz nicht gegeben ist. Zur Abdichtung wurde im Deckel ein Lining aus Zedernholz angebracht.

Als Befeuchtungselement habe ich mich für aktiv bzw. elektrisch entschieden. Zum Hydrocase von humidorbau.de brauche ich eigentlich nicht viel schreiben, außer: Installieren und vergessen.

Da es sich um einen Tageshumidor handelt und dieser relativ oft geöffnet wird, wollte ich einfach eine Sorglos-Lösung, ohne ständig auf das Hygrometer schauen zu müssen, ob die relative Luftfeuchtigkeit passt.

Die Bauzeit betrug über drei Jahre und ich bin der Ansicht, dass das Ergebnis entsprechend meiner beruflichen „Bleistiftspitzerdaseinsberechtigung“ doch brauchbar geworden ist.

Ich hoffe, Sie ein wenig unterhalten zu haben und eventuell auch einen Anreiz geschaffen zu haben, so dass doch einige einmal selber zum Werkzeug greifen werden.