01-01-08 14:10 Alter: 19 yrs
VON:GH
Im Jahre 1 der Prohibition
Elf Bundesländer haben mehr oder weniger umfangreiche Rauchverbote beschlossen, fünf werden im Laufe des Jahres nachziehen.
Keine Frage: Das Leben wird sich auch und gerade für Zigarrenraucher deutlich ändern. Aber das muss nichts Schlechtes bedeuten.
Die gegen die Zigarette gerichteten Verbotsmaßnahmen treffen in gleicher Weise, wenn nicht sogar heftiger, auch den Zigarrenraucher. Im angeblichen Kampf gegen den Tabak wird die gute Zigarre, der Humus großen Geistes, als Kollateralschaden aus dem öffentlichen Bereich verbannt werden. (Dabei ist Tabak nur in Zigarren. In Zigaretten dient er als Trägersubstanz für Designerdrogen.)
So richtig treffen wird es uns nicht. Waren wir nicht in den vergangenen Jahren schon genügend Anfeindungen ausgesetzt, wenn wir in Gegenwart Zigaretten rauchender Massen den Duft einer Zigarre durch den Raum wabern ließen? Zigarette, dieser fein getunte Qualm, den selbst Kleinkinder, ohne zu husten, tief einatmen können, das ist in Ordnung. Aber Zigarre – um Gottes willen, nein.
Was soll´s. Einer Horde rasender Büffel stellt man sich nicht in den Weg. Man tritt vornehm zur Seite und lässt sie ins Leere laufen.
Der Flickenteppich, der in Sachen Raucherdiskriminierung im vergangenen Jahr in den Bundesländern geschaffen wurde, wird nicht von langer Dauer sein. Stellen wir uns auf bayerische Verhältnisse ein.
Ziehen wir uns dahin zurück, wo die Zigarre vor fünfhundert Jahren herkam und wo sie als Sinnbild einer Elite auch wieder hin sollte – in die Clubs, die Lounges, Genießervereine, geschlossene Gesellschaften und Refugien anderer Art, wie sie in der Vergangenheit entstanden sind und jetzt erst recht entstehen werden. Die Zigarre geht in den privaten Bereich – unbenörgelt von Gesundheitsaposteln, die uns vorschreiben wollen, welchen Lebenswandel wir zu führen haben.
Sage niemand, das werde schwierig. Es wird nur anders.
Restaurants und Gaststätten, die nicht mit einer ausgewiesenen Zigarrenlounge aufwarten können, werden einfach von der Liste besuchbarer Orte gestrichen. Ich brauche kein Lokal, das mir erst ein Sterne-Menü vorsetzt, mich dann zum Digestif nebst Zigarre aber nach draußen schickt. So gut kann ein Essen niemals sein, um dieses hinzunehmen. In solche Lokale geht man nicht, wenn man nicht muss. (Wenn Sie geschäftlich dorthin gehen müssen, betrachten Sie Ihr Gehalt einfach zum Teil als Schmerzensgeld.)
Der Aufschwung der privaten Rauchgelegenheiten ist unaufhaltsam. Die ersten Marken sind gesetzt.
- Die Davidoff-Lounge in der Münchener Allianz-Arena ist, wie alle anderen Loungen dort auch, privater Bereich. Dort wird es weiterhin Zigarrenservice vom Feinsten geben.
- Christine Klever von der Casa in Nürnberg wird den unteren Bereich ihres Refugiums zur Einzelhandelszone machen. Die edlen Räumlichkeiten in der oberen Etage werden Clubmitgliedern vorbehalten sein. Kein Zutritt für Temperenzler und ähnliche Misanthropen.
- In der ersten Etage des Hauses „Rauchkultur Seiler“ in Bensheim stehen bestens ausgestattete private Räume zur Verfügung.
- Die Davidoff-Depositäre und Casas del Habano haben bereits seit längerem Räumlichkeiten für den ungestörten Rauchgenuss.
- Das neue Zigarrengeschäft von Maximilian Herzog in Berlin wird als ausgewiesenes Refugium etabliert.
Das „Event-Rauchen“ wird zunehmen. Freunde des alten Rauchtums werden sich häufiger treffen, um die eine oder andere Zigarre ihrer Bestimmung zuzuführen. Der Kontakt innerhalb dieser kleinen Gemeinschaft wird enger sein und häufiger stattfinden.
Selbst „Pisa-Geschädigte“ können mit den vier Grundrechenarten die Zukunft in wesentlichen Zügen vorhersagen. Die Gastronomie wird insgesamt einen Umsatzrückgang von 15-20% haben. Einige Lokalitäten werden vom Markt verschwinden. Gesamtwirtschaftlich wird dies keine Auswirkungen haben, weil den Vermietern größere private Räumlichkeiten abgenommen werden, die Möbelindustrie Clubräume fein gestalten und der Getränkegroßhandel als Dauerversorger des privaten Rauchers einen entsprechenden Umsatzanstieg erleben wird.
Der Zigarrenraucher wird durch die ersparten Aufwendungen in gastronomischen Betrieben mehr Geld für gute Zigarren haben. Und die Atmosphäre, in der er diese genießen kann, wird sehr viel angenehmer sein, als in der Vergangenheit. Garantiert nörgelfreies Rauchrefugium.
Fast könnte man der hysterischen Horde noch dankbar sein, wäre da nicht der gesamtgesellschaftliche Schaden ... aber das ist ein anderes Thema.