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30-10-16 18:17 Alter: 10 yrs

VON:NORBERT MÖHRING

Impressionen eines leicht enttäuschten Siegers

Von der Bonner Meisterschaft im Langsamrauchen



Rico Schumacher


Die Zigarre des Bonner Stadtmeisters Norbert Möhring

Nachdem unter den Stammgästen des Bonner Rauchwerks genügend Interesse bekundet worden war, meldeten wir eine regionale Vorentscheidung an. Sie sollte zugleich die Bonner Meisterschaft sein. Gerhard Heimsath kam persönlich und überbrachte die Wettbewerbszigarren und das nötige Handwerkszeug. Da das Rauchwerk direkt neben dem größten Parkhaus Bonns liegt, brauchte er auch nur wenig Telefonunterstützung, uns zu finden und wir starteten mit nur einigen Minuten Verspätung, die allerdings auf das Ergebnis nicht angerechnet wurden.

Moritz Quiske, unser Meister im vorzeitigen Abaschen hatte sich so auf Langsam konditioniert, dass er es trotzdem nicht rechtzeitig schaffte. Damit war das Thema des vorzeitigen Aschenfalls schon einmal erledigt. Keiner der verbliebenen 10 Teilnehmer erhielt dafür Strafpunkte.

Allerdings schied unser hoch gewetteter Favorit Kurt Gertz schon frühzeitig aus. Er war so ambitioniert langsam, dass das Material dies nicht mitmachte und einfach verlöschte. Schade für ihn, wir hätten ihm den Sieg gegönnt. Hat er doch familiäre Beziehungen nach Hamburg und ist dort Stammgast des Weißen Hotels an der Elbchaussee. Wie der Name Quiske bei uns im Rauchwerk für unkontrollierten Ascheverlust steht, steht sein Name für leichten Zugwiderstand. Er würde nie auch nur den Ansatz einer hohlen Wange riskieren. Um es vorweg zu nehmen, der Name Butz steht für einen langen, schönen Aschekegel, ist also eine Art Anti-Quiske und mit Möhring wird langes und sorgfältiges Anzünden verbunden.

Jürgen Butz verabschiedete sich allerdings nach einer halben Stunde ebenfalls wegen fehlender Rauchentwicklung. Kurz danach schied aus dem gleichen Grund Fabian Profittlich aus, unser einziger Teilnehmer mit internationaler Erfahrung. So eine Montecristo verlangt halt nach mehr Feingefühl als eine Macanudo in Split. Fast eine Stunde schaffte danach Heinz-Georg Gierlich. Damit hatten dann 6 Teilnehmer die 60-Minuten-Hürde geschafft. Nicht schlecht für die Rhein-Provinz.

Als Nächster schied Matthias Dame aus, der sein Ziel von einer Stunde locker erreicht hat, gefolgt von Marius Weiss, einem ausgewiesenen Habanos-Kenner. Wie gemalt stand bei ihm ein wunderschöner Aschekegel, aber er hatte dazu sein Material doch zu schnell verbraucht. Er ist als Informatik-Dozent auch der verantwortliche Gestalter unserer speziellen Wettkampfuhr, für die sich Herr Heimsath ganz besonders interessierte. Sie soll nach ein paar Feinabstimmungen dann auch für andere Wettkampfveranstalter zur Verfügung stehen.

Recht kurios schied dann mit 1:07:35 Ulrich Winkler aus, der auf der Liste schon mit 56:56 wegen Rauchmangels notiert war. Doch der zog und zog und hauchte in einem unglaublichen Kraftakt irgendeinem Funken noch einmal Leben ein. Allerdings war die Konzentration jetzt hin und es gab einen undankbaren 4. Platz. Ulrich Winkler ist der Inhaber des Bonner Rauchwerks und lies sich auch etwas von seinen Gästen ablenken.

Dritter wurde Josef Eichner, der die Wettbewerbszigarre bestens kennt, da sie zu seinen Liebligsstumpen zählt. Er hat sie jedoch noch nie unter diesen Bedingungen geraucht und war selbst überrascht, dass er damit auch 1:17:41 zubringen kann. Dazu beigetragen hat sicherlich die unglaubliche Ruhe und Gelassenheit, mit der er das Geschehen um ihn herum weitgehend ausschloss.

Eine ganz große Überraschung für mich waren die 1:30:07 des zweitplatzierten Rico Schumacher. Wohl niemand im Rauchwerk hat ihn bisher als besonders still oder voller innerer Gelassenheit erlebt. Aber wenn man gesehen hat, wie sorgfältig und liebevoll er sein Rauchgerät umhegte, weiß jetzt: der Mann kann auch anders. Er wäre sicher ein würdiger Vertreter des Rauchwerks bei der Deutschen Meisterschaft gewesen. Aber zu diesem Zeitpunkt qualmte meine Mareva noch.

Ich hatte nicht nur noch gute 2 mm, sondern plötzlich einen Coach, Gerhard Heimsath persönlich. Der riet mir zunächst, meine Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft als Führender nicht durch Ansengen des Zigarrenrings zu gefährden. Aber wer bin ich denn, gutes Zigarrenmaterial zu verschwenden. Herr Heimsath rückte näher, um den Zigarrenring und die Rauchentwicklung meiner Zigarre genau im Auge zu behalten. Dabei erzählte er, dass es durchaus üblich sei, als letzter verbliebener Teilnehmer abzubrechen und einen ungefährdeten Sieg einzufahren. Fünf Minuten später erzählte er mir dann, dass ich neuen deutschen Rekord erreicht hätte, und ich legte mein Teil bei 1:35:15 ab. Ein Nachlesen in seinen geposteten Beiträgen belehrte mich dann aber, dass zum Rekord doch noch einige Sekunden fehlten. Diese Zeit hätte ich meine Zigarre auch ruhig noch ausglimmen lassen können. Es sei denn, den Zigarrenring hätte es doch noch erwischt!

Abgesehen von diesem kleinen Wermutstropfen wurde ich glücklicher Sieger, nicht zuletzt, weil ich ein Superexemplar der Wettbewerbszigarre ausgesucht hatte. Es war eine tolle Veranstaltung und ich habe in Herrn Gertz Lieblingshotel schon ein Zimmer gebucht.

Auf ein Neues am 19.11. in Hamburg.