16-05-10 23:40 Alter: 16 yrs
VON:MS
Interview mit Andreas Stachl zum Rauchverbot in der Schweiz
Seit knapp zwei Wochen gilt nun auch in der Schweiz ein bundesweites Rauchverbot in der Gastronomie. Art of Smoke hat hierzu direkt nach Inkrafttreten der neuen Regelungen ein Gespräch mit dem Zigarrenhändler Andreas Stachl geführt. Für ihn wird sich einiges ändern.
 |   Maggy Wandeler und Andreas Stachl vor dem Humidor des „La Corona“ in Rapperswil.
  Noch steht das neue Geschäft in Uster nur im Rohbau.
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Art of Smoke: Was sind eigentlich die Details des nun geltenden Rauchverbotes und welchen Ursprung hat es?
Andreas Stachl: Das heute in Kraft getretene Rauchverbot geht von der Bundesebene aus. Vorgesehen ist, dass in Beizen, die weniger als 80 Quadratmeter Fläche haben, der Wirt entscheiden darf, ob geraucht wird oder nicht. Dabei zählen übrigens selbst die WCs zur Flächenberechnung.
AoS: Aber es gibt doch auch noch einmal bedeutende Unterschiede zwischen den Kantonen, oder?
Stachl: Ja, viele Kantone haben schon eigene Regelungen eingeführt oder planen dies noch. Hier in Rapperswil (Kanton St. Gallen) gilt ab dem 1. Juli eine Verschärfung. Dann darf auch in kleinen Lokalen unter 80 Quadratmeter nicht mehr geraucht werden, in Fumoirs, max. 1/3 der Ausschankfläche, diese nun natürlich ohne WC gerechnet, darf nicht bedient werden! Im Kanton Zürich gilt diese eigentlich bundesweite Ausnahme schon heute nicht mehr – hier dürfen aber zumindest bediente Fumoirs eingerichtet werden. Am liberalsten ist in der Gegend um den Zürisee zur Zeit der Kanton Schwyz. Dort gelten einfach die Bundesregeln.
AoS: Und wie sind Du und Dein Geschäft hier in Rapperswil nun konkret betroffen?
Stachl: Ab dem 1. Juli wird man hier in meinem Geschäft überhaupt nicht mehr rauchen dürfen. Da ich auch eine Gaststättenlizenz besitze, müsste ich dann einen Teil extra abtrennen. Das ist aber bei 25 Quadratmetern nicht möglich. Im Sommer ist das Rauchverbot jedoch noch kein großes Problem. Wir haben ja einige Sitzplätze auf der Terrasse. Im Winter warte ich dann auf die Massen von Nichtrauchern die Umsatz bringen (lacht).
AoS: Und wie soll es dann ab Juli weiter gehen?
Stachl: Für Rapperswil haben wir noch keine konkreten Pläne. Wir werden uns aber an unserem zweiten Standort in Uster vergrößern und neue Räumlichkeiten beziehen. Hier dürfen wir jedoch lediglich ein Drittel der Fläche für unsere rauchenden Gäste nutzen. Die restlichen zwei Drittel müssen rauchfrei bleiben. Das bedeutet dann für uns, dass wir 80 % des Umsatzes auf einem Drittel der Fläche generieren müssen. So viele Nichtraucher hat ein Zigarrengeschäft ja zumeist nicht als Kunden.
AoS: Werden die neuen Räumlichkeiten dann nicht etwas leer und trostlos wirken? Planst Du spezielle Events für Nichtraucher?
Stachl: Die wird es sicherlich geben, da wir neue Produkte wie Kaffee und Schokolade ins Sortiment nehmen. Auch für den Whisky- und Spirituosenkunden wird unser rauchfreier Laden sicherlich attraktiver! Anna Käppeli, ehemalige Schweizer Barista-Meisterin, wird dort auch Barista-Kurse anbieten. Ebenso sind Schokoladendegustationen geplant!
AoS: Denkst Du, dass mit dem jetzt bundeseinheitlichen Rauchverbot das Ende der Verbotsspirale in der Schweiz erreicht ist?
Stachl: Nein, das wird wohl leider nicht der Fall sein. Die Lungenliga (Speerspitze der Schweizer Nichtraucheraktivisten) hat schon wieder eine neue Initiative gestartet, die bediente Fumoirs und die Ausnahmen für kleine Gaststätten bundesweit abschaffen will. Und ich fürchte, dass diese Initiative auch angenommen werden wird. Zwar hat die „IG Freie Schweizer Wirte“ ebenso eine Initiative gestartet, um die Regelungen zum Rauchverbot wieder zu liberalisieren. Ich glaube aber nicht, dass sich die Wirte durchsetzen werden. Wir planen daher im Moment schon mit unbedienten Fumoirs.
AoS: Vielen Dank für das freundliche Gespräch. Wir wünschen viel Erfolg mit den neuen Projekten.
Links:
www.lacorona.ch