23-12-25 10:14 Alter: 245 days
VON:DR
Jahresrückblick 1/2
Ein Jahr Zigarrenwelt im Überblick. Die große Jahresrückschau …
Teil 1 von 2
Januar: Das Jahr 2025 beginnt mit einem Paukenschlag: Dr. Maximilian Herzog gibt die Verantwortung für seine drei Geschäfte von Zigarren Herzog an Jan Hundsdorfer und Krzysztof Czarny weiter, die künftig als geschäftsführende Gesellschafter fungieren. Sie wollen an Bewährtem festhalten, haben aber auch ein paar Ideen zur Zukunft des Unternehmens. Man darf gespannt sein. Maximilian Herzog hat sich derweil wieder auf Reisen begeben, diesmal nach Nicaragua. Aus Condega berichtet er, dass in den beiden Manufakturen Mangel an Mitarbeitern und Zeitungen herrscht. Zu einer Zeit, zu der noch kein Mangel an Habanos herrschte, stellte Paul Alternau bereits fest, wie schwer es ihm fiel, neue Kisten anzubrechen, insbesondere wenn es sich um Sonderhumidore handelte. 2006 war das. Heute gibt es wohl nur noch jene, die in der Hoffnung auf Wertsteigerung nie auf den Gedanken kommen würden, einen solchen zu öffnen und die Zigarren zu rauchen. Und die anderen treibt die Verzweiflung über den Habanos-Mangel dazu. Zwar kündigt 5th Aventue die Auslieferung der neuen Saint Luis Rey Belicoso an, viele werden sie aber nie zu Gesicht bekommen. Wie viel kann eigentlich ChatGPT mit Zigarren anfangen? Wir haben die KI aufgefordert, das Zitat "Wenn man im Himmel keine Zigarren rauchen darf, dann will ich da nicht hin." von Mark Twain in ein Bild zu übersetzen. Über Kunst kann man streiten - aber kann man das Ergebnis überhaupt als solche bezeichnen? Mehr Mühe gemacht hat man sich im Excelsior Hotel Ernst in Köln. Dort wurde die Zigarrenlounge neu gestaltet, der Humidor ist unter anderem mit Zigarren von Davidoff und Plasencia in bestem Zustand bestückt. Für uns ein Reisetipp.
Februar: Rund 100 Jahre Habanos-Erfahrung haben die Bedauernswerten Burschen. Unter diesem Namen sprechen in einem neuen YouTube-Kanal ab sofort regelmäßig vier Aficionados unter anderem über ihre gemeinsame Leidenschaft: kubanische Zigarren. Womöglich steht auch einmal die Marke Quai D'Orsay auf dem Programm. Wer nicht so lange warten möchte, bekommt von uns seinen täglichen Zug Zigarrenwissen. Apropos: Was ist eigentlich - Costero? Von VegaFina kommen derweil zwei neue Formate auf den deutschen Markt: Die Serie 2 Short Magnum sowie die Nicaragua Terra. Es gibt einige Orte, an denen man eine Zigarre rauchen kann - aber nur wenige bezeichnen wir als "höchst besuchenswertes Juwel mit besonderer Leuchtkraft". Die Smokers-Lounge in Cloppenburg kann nicht nur einen prallvoll mit Non-Cubans gefüllten Humidor vorweisen, sondern 15 bequeme Sessel, vier Barhocker und eine Bank für ungefähr drei Personen sowie einen üppig bestückten Tresen mit Wein, Bier, Rum und Portwein neben all den anderen und üblichen Tresengetränken. Ein Traum, ganz im Gegensatz zu dem, was Maximilian Herzog in Havanna erdulden muss. Die Terrasse des Hotel Nacional, auf der Generationen von Zigarrenrauchern den Blick aufs Meer genossen, ist vollgepackt mit Quietscheentchen, Plastik-Pandabären und Ballons in Bonbonfarben sowie dem überdimensionalen Text: „Nihao China“, was soviel bedeutet wie „Hallo China“. Damit man das auch nachts gut sieht, ist der Kitsch selbstverständlich beleuchtet. Deutlich bodenständiger geht es im kleinen 220-Seelen-Örtchen Dienethal im Hintertaunus zu. Bürgermeister Oliver Steinhäuser ist Deutscher Vizemeister im Langsamrauchen und Habanos-Champion und weiß die Zigarre auch in Fernsehberichten über seine Gemeinde in Szene zu setzen.
März: Traditionell schließt das Zigarrenlager Ende November, nun öffnet es wieder. Von der Fehlerkorrektur bis zum aufwendigen Beitrag wird Mitarbeit bei Art of Smoke honoriert. So zum Beispiel auch der Reisetipp von Mark Riemann. Er war im Landhaus Höpen Schneverdingen. Die Abluft der Zigarrenlounge ist zwar nicht optimal und es fehlen Zigarrenaschenbecher, sie überzeugt durch ihren gediegenen Stil nach Art eines Jagdzimmers. Auch Maximilian Herzog ist weiter - oder immer noch? - auf Reisen, diesmal in der Dominikanischen Republik. In Nachbarschaft zu Davidoff besucht er Günther Schichl, der unter anderem für Laura Chavin Tabak anbaut und Zigarren produziert und ihm die Geheimnisse der traditionsbewussten Tabakproduktion zeigt. In Deutschland wird unterdessen bekannt, dass die Casa del Habano Nürnberg den Eigentümer gewechselt hat. Die Dominique London Gruppe übernimmt. Zu kaufen sein wird dort wie in allen Casa del Habanos die neue Trinidad Cabildos. Laut 5th Avenue passt sie mit mittlerer Stärke und ausgewogener Aromenfülle zu hochwertigen Spirituosen. Wem die pro Zigarre aufgerufenen 110 Euro zu viel sind, für den lohnt sich ein Blick auf die Marke Henry Clay, die 5th Avenue nun auch nach Deutschland bringt. Mitte des 19. Jahrhunderts in Kuba gegründet, werden die Zigarren heute in der La Flor de Copán-Manufaktur in Honduras produziert. Die Linéa War Hawk kommt zu erfreulichen Preisen zwischen 7,10 Euro für eine Corona und 12,30 Euro für eine Churchill auf den Markt. Zu kaufen und rauchen sind die neuen Zigarren womöglich auch im Zigarrenhaus Friedrich in Karlsruhe. Auf circa 50 Quadratmetern gibt es 14 bequeme Sessel, ein begehbarer Humidor sowie Regalwände voller Accessoires. Ein Reisetipp. Wer lieber zuhause Videos schaut, dem sei ein Blick in die "YouTube-Bibelstunden" von Pastor Gunnar Engel aus Kiel empfohlen. In einem Beitrag beschreibt er den Wochenplan seines berühmten Kollegen Charles Spurgeon, der einer Londoner Gemeinde zu enormer Berühmtheit und Größe verhalf. Teil dieses Plans: Sonntagmorgens eine Zigarre zu Ehren Gottes. Es lohnt nicht nur historisches, sondern auch Zigarrenwissen aufzufrischen, um die Frage beantworten zu können: Was ist eigentlich - Filete?
April: Das Sommerfest im Juli wirft seinen Schatten voraus. Thema wird Nicaragua sein, die Marke Oliva ist mit ihrer Serie V bereits gesetzt. Double Robusto, Lancero und Belicoso werden die Gäste rauchen können. 15 Testraucher, überwiegend aus dem Humidor-Konsilium, haben die Oliva Serie V vorab getestet. Das Urteil für die drei Formate ist durchweg hervorragend. Aber auch VegaFina darf nicht fehlen, aus der Serie Nicaragua stehen die Gran Toro und die Gran Vulcano auf dem Programm. In Estelí in Nicaragua produziert auch Horacio. Die SLED und COLOSSO aus der Edición Especial, einer in geringer Stückzahl gefertigter Serie, kommen ebenfalls aufs Sommerfest-Zigarrenmenü. Wer sich intensiver mit Zahlen, Daten und Fakten zur Zigarrenproduktion in Nicaragua befassen möchte, dem empfehlen wir unseren Überblick. Einen Neuzugang verzeichnet unsere Loungekarte. Gilt Österreich ob seiner restriktiven Antirauchergesetzgebung gemeinhin als eher zigarrenfeindlich, überrascht Das Hoyer, ein Viersterne-Hotel in Schladming, mit 70 Quadratmeter großer Lounge, in der 25 Personen Platz finden. Die Zigarrenlounge des Atlantic Hotels in Heidelberg wird derweil auf vier von fünf Tabakblätter hochgestuft, und das nicht nur für ihren Blick über das Heidelberger Schloss, die Heiliggeistkirche und die Universitätsbibliothek.
Mai: Auf Reisen empfiehlt es sich grundsätzlich, einen Vorrat der bevorzugten Zigarren mit sich zu führen. Dies gilt für Deutschland wie den Rest der Welt. In Portugal etwa findet man zwar Cohiba und Trinidad, teure Marken, die überall in der Welt reichlich zu bekommen sind. Nach Spezialitäten muss man aber ein wenig suchen - oder wissen, wo man sie findet. In Spanien, genauer gesagt in Valencia, sieht es hingegen besser aus. Wir empfehlen zwei Geschäfte mit sehr guter Habanos-Verfügbarkeit. Wer lieber hierzulande eine Zigarre genießt, kann dies in Berlin beispielsweise bei Minow's Tabak Depot. Bereits seit 1898 gab es den Vorgänger des Geschäfts. Heute hält der Habanos Point im begehbaren Humidor allerlei gute Zigarren nicht nur aus Kuba für den Aficionado bereit. Daneben gibt es passende Getränke und Accessoires. Zigarren kann man gleich vor Ort in der klimatisierten und gut belüfteten Lounge im Untergeschoss auf 18 Sesseln rauchen. Nur eine Minimalbewertung von einem Tabakblatt hat hingegen das Hotel Munte am Stadtwald in Bremen verdient. Man muss sich einen kleinen Glaskasten mit Zigarettenrauchern teilen, und so riecht es dort dann auch, wobei die nicht geleerten Aschenbecher in Verbindung mit untermotorisierter Abluft ihren Teil dazu beitragen. Über eine ordentliche Belüftung verfügt Zigarren Herzog am Hafen in Berlin. Und die wird auch benötigt, wenn 37 Aficionados an der Berliner Regionalmeisterschaft zur Deutschen Meisterschaft im Langsamrauchen antreten. Klaus-Peter Kuhlow sichert sich mit 1 Stunde, 50 Minuten und 59 Sekunden nicht nur den Titel des Hafenmeisters, sondern auch seinen Platz am begehrten Meisterschaftstisch in Bückeburg. Beim Wettbewerb geht es - im Gegensatz zum Habanos Champion - nicht um ein breites Wissen. Wüssten Sie denn, was 10/40 in der Fachsprache bedeutet? Nur so viel: Es hat mit 6 7 nichts zu tun. Beantworten könnte die Frage mit Sicherheit Heinrich Villiger. Der Hombre del Habano, eine Auszeichnung, die er dereinst von Fidel Castro bekam, wird 95 Jahre alt.
Juni: Wir bleiben auch im Juni reisefreudig. Luft nach oben bleibt im Hotel Steglitz International, dessen Lounge den Charme eines gehobenen Wohnzimmers in den 80er Jahren versprüht. Statt J.R. Ewing trifft man dort jedoch vor allem Zigarettenraucher und muss abends recht laute Fernsehgeräusche erdulden. Besser als nichts und mit Potential. Eine positive Überraschung in der Bundeshauptstadt ist hingegen die Matrosenstube am Märkischen Ufer. Abseits des Mainstreams ist sie ein Rückzugsort für Zigarrenliebhaber – ein Ort, an dem Genuss, Gespräch und Geselligkeit ihren Raum haben. Nicht steril oder überdesignt, sondern mit Seele. Dass es auch anders geht, zeigt der kleine Raucherraum im Restaurant Room in Ulm. Gut gemeint, aber nicht gut gemacht - zumindest wenn man kein Restaurantgast ist. Auch in Afrika kann man Zigarren rauchen. Und in Rwanda werden sogar welche produziert. Maximilian Herzog hat sich auf die Suche nach einer Lounge gemacht und wird in Kigali fündig. In einer Lounge namens "Ishya" wird er mit einer hauseigenen Zigarre überrascht, deren leichte, helle, florale Geschmacksnoten ihm gut gefallen. Thomas Mann, der am 6. Juni 150 Jahre alt geworden wäre, war sicherlich ein ähnlich passionierter Zigarrenraucher. Zigarren waren für Manns Figuren wie auch den Autor selbst nicht bloße Genussmittel, sondern existenzielle Begleiter, ein stilles Ritual, intellektuelles Schmiermittel und der Humus seines großen Geistes. Derweil gibt ein als antiker Zigarrenständer in einer Auktion angebotener Gegenstand Rätsel auf. Art of Smoke-Leser teilen ihre Gedanken, die Bandbreite reicht dabei von der knappen Feststellung einer Zigarrenablagefunktion über persönliche Erinnerungen an die Nutzung bis hin zu ausführlich recherchierten Hinweisen auf die eigentliche Herkunft und Funktion. Beim 6. Regionalwettbewerb zur Deutschen Meisterschaft im Langsamrauchen setzt sich in Dithmarschen mit einer Stunde und 37 Minuten Sabine Riemann durch und beeindruckt das Publikum mit ihrer Gelassenheit und Technik. Zwei Journalisten sind unterdessen vom Langsamrauchwettbewerb beim Barbier von Neukölln begeistert und widmen ihm nicht nur in der Bild-Zeitung, sondern auch in der B.Z. einen Beitrag. Berichtenswert außerdem: Das Sommerfest ist ausgebucht, ab sofort gibt es nur noch Wartelistenplätze.