31-01-08 09:49 Alter: 19 yrs
VON:GH
Kistenverfolgung
Preisunterschiede von 50% oder mehr sind für jeden Markenartikler ein Ärgernis. Und erst recht, wenn er keinen Einfluss darauf hat. Habanos will dieses nun ändern.
Wenn auf kleinen Inseln in der Welt Partagás Lusitanias für weniger als 6 Euro pro Zigarre angeboten werden, während der KVP in Deutschland 13,50 Euro beträgt, dann kann sich jeder ausrechnen, dass dies nicht lange gut gehen kann.
Derartige Preisunterschiede sind auch nicht damit zu erklären, dass die beteiligten Händler einfach so viel „verdienen“. Entweder handelt es sich bei den 6-Euro-Lusitanias um Fälschungen oder aber um so genannte Graumarktware.
Im ersten Falle ist der Preis von 6 Euro recht üppig angesetzt und der Käufer hat selber schuld. Möge der Tabakkäfer ihn ereilen.
Im zweiten Falle ist es für den Käufer schon interessanter. Er bekommt Originalware – in der Regel von ausgezeichneter Qualität – und zahlt weniger als die Hälfte. Berichte von Verhaftungen unter kubanischen Fabrikdirektoren deuten an, wie der günstige Preis zustande kommt. Die Ware wird auf dubiose Weise der Fabrik entzogen und dann unter der Hand verkauft.
Auch auf manchen Märkten wundert sich Habanos. Da tauchen erhebliche Mengen von Zigarren in Ländern auf, in die sie zumindest nicht durch einen von Habanos autorisierten Importeur gelangt sind.
Im Einzelfall wird sich der Ver(b)raucher über auf diese Weise zustande gekommene „Preissenkungen“ freuen. Aber eine derartige Undurchsichtigkeit des Vertriebsweges birgt auch die Gefahr der Fälschungen oder des Austausches von Waren. Und dann wiederum ist selbst der niedrigste Preis für eine Kiste Zigarren noch zu hoch.
Logischerweise muss sich daher auch Habanos gegen so etwas wappnen. Und erst recht, wenn man dort davon ausgeht, dass es bei diesen „Geschäften“ nicht eben um einzelne Kisten geht.
Eine kleine Begebenheit mag dies belegen: Etwa 100 Millionen Zigarren werden auf Kuba pro Jahr produziert. Auf einem der letzten Habanos-Festivals erklärte der Chef des lokalen Alleinimporteurs eines kleinen Landes mit 7 Millionen Einwohnern, er verkaufe jährlich 7 Millionen Zigarren. Also eine pro Einwohner und Jahr. Bei diesen Worten schluckten die Vertreter des deutschen Alleinimporteurs schwer, brachten sie es bei 80 Millionen Einwohnern und 6 Millionen verkaufter Zigarren doch nicht einmal auf eine Zigarre pro 10 Einwohner.
Um nun festzustellen, welchen Weg welche Kiste genommen hat, will Habanos jede produzierte Kiste mit einem Code versehen. Dabei wird es sich voraussichtlich nicht um einen leicht abziehbaren, jederzeit frei erstellbaren EAN-Code handeln, wie er aus logistischen Gründen von einigen Großhändlern verwendet wird. Ob man aber gleich auf RFID-Chips setzt, ist unklar. Dagegen sprächen vor allem die Kosten. Momentan hält man sich in Havanna diesbezüglich arg zurück.
Bestätigt wird jedoch, dass man an einem System arbeitet, das die Rückverfolgbarkeit der Kiste an jeder Stelle der Handelskette erlaubt.
Glaubt man der Gerüchteküche, so wird im Herbst dieses Jahres damit begonnen, die Kisten zu codieren.
Die zentrale Datei, in der die Daten gespeichert werden, dürfte bald den Rang eines Staatsgeheimnisses einnehmen.