Artikel-Single-View
20-09-16 10:10 Alter: 10 yrs

VON:ECKHARDT WITTIG

Kuba im Sommer 2016

Ein Reisebericht.



Die Partagásfabrik


Die Partagásfabrik


La Casa del Habano Varadero


Marina Varadero


Bacardi-Hochhaus Havanna (alle Bilder: Eckhardt Wittig)

Dass der Inselstaat in der Karibik zu den am meisten nachgefragten Reisezielen vieler Urlauber zählt, erfährt der daran Interessierte spätestens bei einem Besuch im Reisebüro. Und das nicht erst seit diesem Jahr. Schnell nochmal die Athmosphäre eines der letzten sozialistisch regierten Länder der Welt schnuppern. Man weiß ja nicht, was noch kommt.

Und so düsen immer mehr volle Jumbos aus Deutschland und vielen anderen Ländern nach Havanna oder einen der anderen Ankunftsorte auf der Insel.

Wie verkraftet nun ein jahrzehntelang abgeschottetes Land diesen unaufhörlichen Ansturm. Mit Sicherheit nicht völlig problemlos sondern unter großen Schwierigkeiten. Der Hauptstadt-Airport Jose Marti scheint den ins Land strömenden Massen nicht mehr gewachsen und Bedarf dringend einer strukturellen  sowie personellen Überholung.

Die Hotels Havannas sind bestens ausgelastet. Nicht zuletzt auch durch eine steigende Zahl US-amerikanischer „Kurzbesucher“. Offizielle Wege zum Urlaub auf der Insel sind noch stark eingeschränkt, aber im Gespräch mit US-Bürgern ist zu erfahren, dass einem „Kulturaustausch auf privater Ebene“ nicht mehr viel Probleme zum Erhalt eines Visums entgegen stehen.

Ein „langes Wochenende“ ist bei einer reinen Flugzeit von 30 Minuten von Miami bis La Habana ein lohnenswertes und auch preiswertes Ziel für Bürger aus den Vereinigten Staaten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass man im Vergleich zu früheren Besuchen viel mehr der amerikanischen Sprache begegnet, wenngleich 40% der Urlauber auf Kuba aus Kanada kommen. Der US-Dollar wird als Währung noch nicht gern akzeptiert, im Gegensatz zum Euro, welcher zum Beispiel in Varadero angenommen wird. Trotzdem sollte man sich für Havanna und das Landesinnere mit der Touristenwährung CUC (Pesos convertibles) eindecken. Halt die sichere Seite. Tauschen kann man am besten auf dem Airport in Havanna oder in vielen größeren Hotels, da vor den Cadecas (Wechselstuben) ständig größere Menschenmengen an den Schaltern stehen und die (staatlichen) Öffnungszeiten noch nicht dem Prinzip der Marktwirtschaft angepasst sind.

Aus allen Nähten zu platzen scheinen auch die bekannten Bars in Havanna wie das El Floridita oder die La Bodeguita del Medio, wenngleich zu sehr auf touristisch getrimmt und der Daiquiry oder der Mojito keinesfalls zu den besten in der Stadt zählen.

Empfehlenswert ist auch ein Besuch in Sloppy Joe´s Bar, im Stil der dreißiger Jahre renoviert und ausgestattet, zentral gelegen in der Altstadt. Kurzum, das Land wird vom Tourismus eingenommen, Besucherzahlen steigen enorm und es treffen sich Urlauber von fast allen Kontinenten im Land von Fidel und Che.

Kuba als Reiseziel für den Aficionado.

Vorweg sei gesagt, dass nicht-habanophile Zigarrenraucher ihren Bedarf an Puros im Reisegepäck verstauen sollten. Es gibt verständlicherweise nur Zigarren von der Insel. Dabei reicht das Spektrum von selbst gerollten No-Name Produkten über alle Marken bis hin zur teuren Montecristo oder Cohiba. Angeboten bekommt man die Zigarren auf der Straße, in vielen Hotel-Shops und in zahlreichen staatlichen Geschäften. In Havanna und auch Varadero findet der Zigarrenfreund auch mehrere Casas del Habano, meist inklusive einer Lounge zum sofort geniessen. Nicht zu vergessen ist der Verkauf in den fabricas, den Zigarren-Manufakturen. Zur Zeit ist die Produktion in der gegenüber dem Capitolo in Havanna gelegenen Partagas-Fabrik aufgrund von Umbaumaßnahmen ausgelagert und so für den Besucherverkehr geschlossen. Der Fabrikshop im Gebäude ist jedoch geöffnet. Ein Besuch also lohnenswert.

Die Preise für Markenzigarren sind nicht wie hierzulande gewohnt einheitlich, sondern sehr unterschiedlich. Im allgemeinen kosten echte Puros ca. 10 % weniger als in Deutschland. An den Verkaufsständen in Hotels kann man aber auch schon mal mehr als hier gekannt ausgeben müssen.

Doch was macht man nicht alles für eine echte Havanna zusammen mit einem Cuba Libre oder Mojito zum Genießen im Mutterland der Zigarre!

Beim Besuch in Kubas Hauptstadt Havanna, wie auch in anderen größeren Städten, wird man häufig als Tourist erkannt, von meist jungen Passanten angesprochen und nach einem Smalltalk (woher man komme u.s.w.) mit dem Angebot preiswerter Markenzigarren zum Schnäppchenpreis konfrontiert. Oftmals findet dieser Verkauf nur einen Tag im Monat statt, gerade heute und endet in 30 Minuten!

Für diese Offerte kann man nach einem kurzen Gang um 3-4 Blocks in einem Hinterhaus eine Wohnung aufsuchen, in welcher die bekanntesten Marken, meist in offenen Kisten präsentiert, zum Verkauf angeboten werden. Inklusive Steuerbanderole und Hologramm von der Rolle. Der Preis ist nicht viel billiger als in den Casas und nicht viel verhandelbar.

Hier heißt es: Finger weg. Günstigstenfalls handelt es sich um geklaute Ware aus den Fabriken, zumeist jedoch um gerollten Abfall.

Geniessen kann man seine (echten) Zigarre fast überall. Jedes bessere Hotel besitzt eine Lounge oder Bar und dort bekommt man zum Rauchen das Getränk seiner Wahl kredenzt. Auch viele Freiflächen, zum Objekt gehörend, laden dazu ein. Ein wie in vielen Ländern Europas übliches Rauchverbot ist in Kuba nicht vorstellbar. Schließlich ist die Zigarrenproduktion nach vielen, ehemals prosperierenden und jetzt zusammengebrochenen Industriezweigen – wie zum Beispiel der einst mächtigen Zuckerrohrindustrie – neben dem Tourismus oder der Rumproduktion eine der größten Devisenbringer des ansonsten als arm geltenden Landes. 

Wer als Tourist beispielsweise das bekannteste Anbaugebiet Vuelta Abajo in der Provinzt Pinar de Rio mit seinen riesigen Tabakplantagen sehen möchte, sollte seine Reisezeit in die Monate Januar bis April verlegen, da im Sommer die Felder abgeerntet sind.

Wie sich Kuba auf eine mögliche Öffnung des Landes vorbereitet sieht man am besten in der Marina Varadero. Der im Jahr 2013 eröffnete Neubau ist der größte touristische Hafen der Insel und zugleich der Karibik. Mehrere hundert Liegeplätze, ein Luxushotel und viele Eigentumswohnungen sowie Einkaufszentren stehen für (noch fehlende zahlungskräftige Besucher) zur Verfügung. Erschreckend ist der Anblick nur dahingehend, dass keine private Yacht, kein ausländisches Boot an den Kais vertaut ist. Offensichtliche Leere in den Shops, die Promenaden menschenleer. Das Hotel scheint auf Gäste und die Wohnungen auf Käufer zu warten. 

Die im Wasser taumelnden Katamerane und Yachten gehören dem staatlichen kubanischen Tourismusunternehmen Cubatur und stehen für Tagesausflüge zum Hochseeangeln, Schnorcheln oder nur zum Sightseeing bereit.

Die Hoffnung vieler, vor allem junger aufstrebender Kubaner, nach einem besseren Leben und der Chance, sich mit ihren Fähigkeiten zu verwirklichen scheint in erreichbare Nähe gerückt zu sein.