Künzelsau – Ein warm-würziger Duft liegt im Raum, Schwaden ziehen zur Decke. Jeder hier hält eine Zigarre in der Hand, an der er – oder sie − hin und wieder zieht. Es herrscht Genuss-Atmosphäre. Und Feierstimmung: Der Zigarrenclub Smokün Friends hat beim neunten Habanos-Experten-Wettbewerb am erfolgreichsten in Deutschland, Österreich und der Schweiz abgeschnitten. Von knapp 1000 Teilnehmern erkannten nur 134 die richtige Zigarre − 17 von ihnen gehören den Smokün Friends an.
„Als die Nachricht kam, machte ich vor Freude einen Luftsprung“, erzählt Vorstand Willi Brückbauer. Denn der Wettbewerb ist alles andere als einfach: Die Teilnehmer bekommen Zigarren, von denen sie nur eines wissen − sie stammen aus Kuba. Die Zigarrenringe wurden entfernt. Es gilt herauszufinden, um welche Zigarre es sich handelt − wer das schafft, erhält eine Ehrennadel und darf sich Habanos-Experte nennen.
„Dann geht zunächst einmal das Vergleichen los“, erläutert Willi Brückbauer: Schließlich lassen sich so schon viele Zigarren von Fidels Insel ausschließen. Dicke, Länge, Form helfen hier schon beträchtlich weiter. Danach stand für die Künzelsauer fest: Es kommen nur noch fünf in Frage. Die wurden dann besonders unter die Lupe genommen, im Vergleich zu den Testexemplaren geraucht. „Dadurch haben wir nochmals drei ausschließen können, die einfach zu verschieden im Geschmack waren“, berichtet der Vorstand weiter.
Letztendlich blieben nur noch die Montecristo No. 2 und die Diplomatico No. 2 übrig. Beide stammen aus der gleichen Manufaktur, haben die gleichen Einlage-Tabake, unterscheiden sich nur durch die äußeren Schichten, Umblatt und Deckblatt genannt. Da ging es um Nuancen, um das Bauchgefühl, um Diskutieren und Argumentieren. Manch einer setzte auch auf Indizien: „Ein Freund von mir wollte in Stuttgart so eine Diplomatico kaufen und bekam keine − sie sei im Moment schwer zu bekommen, hieß es“, erzählt Thomas Wirth. „Da ja nicht für den Wettbewerb mehr Zigarren hergestellt werden, war das schon ein gewisser Hinweis.“
18 der 21 Clubmitglieder hatten mitgemacht, 17 von ihnen hatten die richtige Antwort − Diplomatico No. 2 − eingesandt. Dafür gab es am Freitagabend in feierlicher Runde die Ehrennadeln, eigens kreierte Cocktails und reichlich Tabakgespräche.
Einige, wie Stadträtin Marion Dümmler als einzige Frau oder eben Thomas Wirth, sind erst seit kurzem Freunde der Zigarre. „Eigentlich bin ich Nichtraucher“, sagt der 38-Jährige. „Aber Zigarre raucht man ja nicht auf Lunge.“
Andere, wie etwa Alf Busch, haben schon viel Erfahrung. Der Geschäftsführer aus dem Spessart ist bei einer Messe auf die Künzelsauer gestoßen und hat sich spontan angeschlossen − „hier stimmt die Atmosphäre einfach“. Seit 1987 raucht er Zigarre, während er keine Zigaretten anrührt. „Für mich ist das einfach Genuss, so wie andere in die Natur spazieren gehen“, sagt der Familienvater. Für diesen Wettbewerb zahle sich das aus: „Mit der Zeit entwickelt man auch eine gewisse Sensorik, man fühlt, wie die Zigarre abbrennt, wie die Konsistenz der Asche ist“, erläutert Alf Busch. „Man entwickelt ein gewisses Gespür. Und dann kommen auch noch die Meinungen der Mitstreiter hinzu.“
In einem sind sich die Künzelsauer Zigarrenfreunde einig: Nächstes Jahr wollen sie wieder mitmachen. Und wieder Nadeln errauchen.