20-09-10 00:00 Alter: 16 yrs
VON:MS
Lehrstunde in Sachen Zigarren-Lobbyismus
Von Zeit zu Zeit nehmen wir uns ja auch mal die Freiheit, über Dinge zu berichten, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem europäischen Zigarrenmarkt stehen. Und die neueste Anzeigenkampagne des in Miami beheimateten Zigarrenmachers Litto Gomez verdient wirklich Aufmerksamkeit.
Litto Gomez produziert und vertreibt die Zigarrenreihe „La Flor Dominicana“. Die Marke ist zwar auch in Deutschland erhältlich, doch ist Herr Gomez auf unserer Seite des Atlantiks wohl nur wenigen ein Begriff. In den USA zählt er dagegen zu den bekannten Größen der Branche und setzt sich dort als einer der aktivsten Streiter für die Rechte der Aficionados ein. Dass er dies nicht nur in wohlfeilen Interviews tut, hat Herr Gomez nun mit einer doppelseitigen Anzeige im „Cigar Aficionado“ gezeigt.
Das Besondere hierbei? Der Zigarrenmacher bildet weder die eigene Zigarrenmarke ab, noch erwähnt er diese überhaupt. Inhalt ist vielmehr ein Appell an sämtliche Raucher und andere Freunde politisch nicht unbedingt opportuner Genussmittel. Denn mit den in den USA momentan um sich greifenden Rauchverboten auch im Freien ist für Litto Gomez die Grenze zwischen „Gesundheitsschutz“ und bloßer Bevormundung endgültig überschritten.
Und jeder, der denke, dass ihn dies als Nichtraucher nicht betreffe, der sollte sich bewusst sein, dass beim Tabak nicht Halt gemacht werden wird. Grund genug sich endlich zu wehren!
Sicher mag der Stil des Aufrufes in der gediegenen europäischen Zigarrenwelt etwas drastisch und pathetisch erscheinen. Litto Gomez trifft trotzdem den Kern der Sache. Denn wären z. B. in Bayern mehr Raucher und auch andere tolerante Genussmenschen zur Abstimmung gegangen, müssten wir uns heute nicht mit bundesweiten Rauchverboten auseinandersetzen.
Auch wer glaubt, dass Rauchverbote im Freien und hohe Besteuerung „ungesunder“ Genussmittel lediglich in den USA ein Thema seien, sollte sich nicht zu sicher fühlen. Vor Jahren glaubte auch niemand an absolute Rauchverbote in bayerischen Gaststätten. Dass auch die Politik in Europa nur zu gerne bereit ist, Steuern als einfache Antwort auf komplexe Probleme zu erheben, belegt seit Jahren die Sonderbesteuerung von „Alkopops“ zum „Schutze der Jugend“.
Laut dem US-Zigarren-Blog „Stogie Guys“ kostet eine doppelseitige Anzeige, wie sie Litto Gomez geschaltet hat, über 10.000 Dollar. Auch wenn wohl niemand so blauäugig ist und wirklich glaubt, dass die Anzeige vollkommen ohne eigene Marketinginteressen aufgegeben wurde, so würde man sich doch wünschen, dass manch hiesiger Produzent sich ebenso engagiert für die Rechte seiner Kunden einsetzen würde.
Sinngemäße Übersetzung des Anzeigentextes:
Es ist Zeit sich zu wehren. Jedes in dieser Anzeige gezeigte Nahrungs- oder Genussmittel könnte Sie umbringen … wenn Sie es missbrauchen. Wenn wir es jedoch im richtigen Maße genießen, ist es harmlos und macht unser Leben deutlich angenehmer. Aus irgendeinem Grund nehmen unsere Politiker Zigarren jedoch hiervon aus, warum?
Nach meiner Erinnerung war der Grund der Passivrauch. Aber in Parks? An der frischen Luft? Was soll das?
Wenn wir sie damit davonkommen lassen, werden Sie fortfahren, uns weiter unser Leben wegnehmen. Als Erwachsene haben wir das Recht, unsere Lebensführung selbst zu bestimmen. Soweit ich mich erinnere, nennen wir dies Freiheit, und das ist es, was Amerika zum besten Land der Welt macht.
Wenn Sie nicht rauchen und denken, dies betrifft Sie nicht, denken Sie nochmal nach. Denn wenn die Zigarre vernichtet ist, wird ein fetter Abgeordneter bald beginnen, auch ihr Lieblingsessen zu besteuern.
Wir dürfen ihnen nicht erlauben weiter unseren Lebensstil zu reglementieren.
Es ist Zeit, sie aufzuhalten.
Fragen Sie Ihren lokalen Tabakhändler, wie Sie sich engagieren können. Und bitte treten Sie Cigar Rights of America bei.
Ich bin Litto Gomez.
Dies ist meine persönliche Meinung. Ich bin ein besorgter Bürger, der an Entscheidungsfreiheit glaubt. Dies bringe ich meinen Kindern bei.
Links:
www.stogieguys.com/2010/09/09162010-stogie-news-ad-strikes-back-at-anti-smokers.html