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23-10-13 00:01 Alter: 13 yrs

VON:GH

Lob der Havanna in ruchloser Zeit

Wolf Paul ist emeritierter Professor für Rechtstheorie, Rechtsmethodologie und Rechtsvergleichung an der Universität Frankfurt am Main.

In der Zeitschrift „myops“ (griech.: Stechfliege) hat er unter dem Titel „Lob der Havanna in ruchloser Zeit“ einen höchst lesenswerten Artikel über das Recht des Staates geschrieben, „den Atemraum zum Gegenstand politischen Streits und juristischer Vereinbarung“ zu machen.



Den ersten Stachel setzt er gleich zu Anfang.

 „Wie selbstverständlich beanspruchen Gesetzgeber und Gerichte das letzte Wort. Die Frage aber ist, ob man es ihnen überlassen sollte. Denn nicht immer ist auf Weisheit und Judizium der Staatsgewalt Verlass, zumal dann nicht, wenn es wie hier um Emotionen und Glaubensfragen geht.“

 Im Folgenden sucht er nach Gründen, die den Staat bewogen haben könnten, von einem allseits tolerierten Sozialverhalten zu einer Haltung zu kommen, nach der der Raucher des Nichtrauchers Feind ist. 

„Wo unilaterale Interessen zum allgemeinen Gesetz erhoben werden, ist es um den sozialen Frieden geschehen.“ – schreibt Paul und prangert die Entmündigung des Rauchers an. 

Nicht die gesundheitliche Komponente sei Motivation des zufälligen Gesetzgebers, sondern das (eventuell unbewusste) Verlangen nach der „Lufthoheit in öffentlichen Räumen“.

Zugleich moniert er die Inkonsequenz des Gesetzgebers. Wenn im Tabakrauch all die schädlichen Substanzen enthalten wären, wie die Antiraucher es beschrieben, müsste das Rauchen aufgrund der Immissionsschutzgesetze verboten werden. Allüberall und ohne Ausnahme. So weit wolle die Gesetzgebung aber wohl doch nicht gehen und so stigmatisiere man den, der raucht und stelle ihn ins soziale Abseits.

Gänzlich unbehelligt von all diesen Anfeindungen sieht Paul die kubanischen Zigarren, die Havannas. Auch die widrigsten Umstände hätten ihr nichts anhaben können, denn sie lebe vom „Zauber, den der wundersame Duft des Rauches verströmt …“. Habanos, den lokalen Importeuren und erst recht den Casas del Habano müssen bei diesen Worten die Ohren klingen.

Seine Apotheose endet mit einem Ratschlag (nicht nur) für Juristen: „Wer sie mit allen Sinnen raucht, erfährt am eigenen Leib das kulinarische Glück des selbstbestimmten Seins und sein ewiges Menschenrecht auf uneingeschränkte Autonomie und unbevormundetes Leben.“

Der Aufsatz erstreckt sich über 16 Seiten. Eine Doppelcorona sollte man dennoch zur Hand haben, denn er ist es wert, zwei- bis dreimal gelesen zu werden.

Wer dies möchte, dem sendet Berlins Zigarrenhändler Max Herzog gegen einen frankierten und adressierten C5-Umschlag unter dem Stichwort „Wolf Paul“ ein Exemplar.


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