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20-01-16 08:00 Alter: 11 yrs

VON:GH

„Mein Kampf“ ist nicht so wichtig – Kriegswichtiger Genuss

Viel tiefere Einblicke in die NS-Zeit als die derzeit allenthalben hochgejubelte „Mein Kampf“-Kommentierung bietet „Kriegswichtiger Genuss“.



Das im renommierten Wallstein-Verlag als Band 17 der Beiträge zur Geschichte des 20. Jahrhunderts erschienene Buch über „Tabak und Kaffee im »Dritten Reich«“ bohrt tief in die Geschichte nationalsozialistischer Konsumpolitik am Beispiel der beiden Genussmittel Tabak und Kaffee hinein. Selbst kleine Gesprächsfetzen wurden ans Licht gezerrt, schienen sie auch noch so gut in den Archiven versteckt zu sein.

Nicole Petrick-Felber, 1981 geborene Wirtschaftswissenschaftlerin, promovierte mit diesem Thema an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sie seziert das auf „Führerwillen“ und vermeintlichem „Führerwillen“ beruhende System der Antiraucherbewegung und kommt zu dem Schluss, dass hinsichtlich der Rauchverbote, abgesehen vom österreichischen Traffikantensystem der Sozialhilfe, „… kaum ein Unterschied zur heutigen Tabakpolitik erkennbar …“ sei. [S. 494]

Dass sie dabei höchst differenziert und detailverliebt ans Werk geht, zeigt beispielsweise die Betrachtung der Frage, wie die Zigarre von einer preiswerten Alternative zur Zigarette im Jahre 1939 zu einem „Requisit des Generaldirektors“ im Jahre 1950 wurde, welches man nicht mehr mit dem Alltag, sondern mit dem Sonn-, Fest- und Feiertage in Verbindung brachte. [S. 518]

Obwohl allen wissenschaftlichen Ansprüchen genügend, liest sich das Werk flüssig und geschmeidig wie ein Roman – mit dem Vorteil, dass man aufgrund der sauberen Trennung der Zeiträume auch mal ein Kapitel mittendrin separat lesen kann.

Nicole Petrick-Felber
Kriegswichtiger Genuss
Wallstein-Verlag 2015

Buch | Hardcover-Ausgabe …

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