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19-06-13 12:55 Alter: 13 yrs

VON:GH

Nur der Kardinal fehlte

Mitten im Zentrum des deutschen und europäischen Tabakwarenhandels, zwischen Dom und Bürgerschaft, wurde in Bremen eine Kathedrale eingeweiht – eine Kathedrale des Reinen, Guten, Edlen.



Art Karounos, geschäftsführender Gesellschafter (also quasi der amtierende Pastor), der Catedral del Puro.


Möge der gute Zigarrenduft nie verschwinden: (von links) Folker Hellmeyer (Chefanalyst der Bremer Landesbank, der übrigens nicht nur intellektuell sondern auch gesanglich brillierte), Ralf Mertens und Art Karounos. (alle Fotos: Scheschonka)

Zugegebenermaßen ist die zentrale Stellung Bremens für den deutschen und europäischen Tabakwarenhandel – je nach Sichtweise – erst einige Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte her. Wahr bleibt aber, dass in den Anfangszeiten der Zigarren in Europa kein Importblatt gerollt wurde, das nicht in Bremen angelandet worden wäre. Und auch die heute noch – wenn auch sporadisch – stattfindenden Tabakauktionen mit Tabaken aus Indonesien zeugen vom matt gewordenen Glanz einer Metropole.

Im Zentrum dieses Herzens tagt nicht nur die hochwohllöbliche Bremer Bürgerschaft und sorgt sich um das Wohl des Bremer Bürgers. Dort läuten auch täglich die Glocken des Doms und fordern zum Gebet für ein zufriedenes Dasein. Noch bevor es Zigarren in Europa gab, errichtete man 1404 mit dem Bremer Roland die größte freistehende Statue der damaligen Zeit. Unweit davon auch das Denkmal für ein Märchen der Gebrüder Grimm: Die Bremer Stadtmusikanten.

Genau hier wurde die neue Catedral del Puro eingeweiht – mit bekannten und unbekannten Zigarren sowie der bemerkenswerten Rede von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank. Folker Hellmeyer, der tagtäglich die wesentlichen Währungen dieses Planeten beobachtet, verglich Zigarren mit Währungen. Alles habe irgendwann einmal ganz klein begonnen, wurde sorgsam gehegt und gepflegt und soll dem Menschen durch regelgerechten Gebrauch Genuss verschaffen.

Art Karounos, ein im Rheinland sozialisierter Amerikaner mit griechischen Wurzeln, passt in dieses multinationale hanseatische Kleinod. Fast zehn Jahre hat er sich in ehemaligen und noch bestehenden Hansestädten auf die Zigarren-Partnerschaft mit Ralf Mertens, einem Bremer Unternehmer, vorbereitet. Gemeinsam betreiben sie nun die Catedral del Puro, das Bremer Zentrum des reinen Genusses.

Aus der nahezu unüberschaubaren Menge von Zigarren wählte man die aus, die man für die besten hält und bietet sie – sorgsamst gepflegt – dem engagierten Zigarrenraucher an. Offenbar fehlte in dem Spektrum eine Zigarre, denn wie sonst ist es zu erklären, dass während der Einweihungsfeierlichkeiten Zigarren unterschiedlichen Formats gereicht wurden und beurteilt werden sollten? Die Auflösung gibt es im September.

Da heißt es glauben und hoffen, ganz wie nebenan im Dom. Dort wurden übrigens – pünktlich zu Beginn der Abendspeisung in der Catedral – die Glocken geläutet. Und sanft waberte göttlich anmutender Duft durch die Räumlichkeiten.

Nur der Kardinal fehlte … zur Einweihung der Opens external link in new windowCatedral del Puro.